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Bahn-Expertin: Bombardier ist die „verlassene Braut“

Fusion von Siemens und Alstom Bahn-Expertin: Bombardier ist die „verlassene Braut“

Der ICE-Hersteller Siemens hat sich gegen eine Fusion mit dem Hennigsdorfer Zugbauer Bombardier entschieden. Stattdessen will sich Siemens mit dem französischen Konzern Alstom gegen die heftige Konkurrenz aus China wehren. Die Branchenexpertin Maria Leenen sieht Bombardier als Verlierer, der zunehmend unter Druck gerät.

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Siemens baut den ICE, Alstom den TGV – was kommt heraus, wenn beide fusionieren?

Quelle: imago/imagebroker

München/Paris. Gerade erst hat sich der Zughersteller Bombardier mit dem Betriebsrat auf eine Betriebsvereinbarung verständigt, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2019 ausschließt. Doch mit der nun besiegelten Fusion der beiden Konkurrenten Alstom und Siemens ziehen für Bombardier, das in Hennigsdorf (Oberhavel) ein Werk betreibt, neue dunkle Wolken auf.

Mit der neuen Zug-Allianz wollen die Chefs von Siemens und Alstom die beiden Konzerne fit für den harten Wettbewerb machen. „Wir setzen die europäische Idee in die Tat um“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge in Paris. Zugleich bemühten sich beide Konzernlenker, Bedenken zerstreuen, dass der deutsche ICE-Hersteller Siemens den Franzosen Alstom mit seinem Aushängeschild TGV überrollen könnte. Es mache keinen Sinn, etwa über die Mehrheitsverhältnisse in dem kombinierten Unternehmen zu diskutieren. Ausschlaggebend sei der Erfolg bei den Kunden.

Bombardier als „verlassene Braut“

Am Vorabend hatten die Aufsichtsgremien beider Konzerne grünes Licht für das Zug-Bündnis gegeben, mit dem sie vor allem der Konkurrenz aus China die Stirn bieten wollen. Der dort ansässige Gigant CRRC, der vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss der beiden größten chinesischen Zughersteller hervorgegangen ist, bringt die Branche kräftig unter Druck. CRRC ist allein etwa doppelt so groß wie das neue kombinierte Unternehmen Siemens/Alstom, das auf gut 15 Milliarden Euro Umsatz und weltweit rund 62 300 Beschäftigte kommt.

Siemens hatte sich angesichts der fernöstlichen Konkurrenz seit längerem nach einem Partner umgesehen und dabei auch mit Bombardier geliebäugelt. Doch nun stehe Bombardier wie die verlassene Braut da, erklärte Maria Leenen, Geschäftsführerin des auf die Bahnbranche spezialisierten Beratungsunternehmens SCI. „Bombardier ist der Verlierer dieser Fusion, das muss man ehrlicherweise sagen. Siemens hatte erwogen, mit Bombardier zusammen zu gehen und sich nun dagegen entschieden. Bombardier steht jetzt wie die verlassene Braut da“, sagte sie der MAZ.

Fusionspartner sind rar

Für Bombardier, das sich derzeit ohnehin in einer empfindlichen Umstrukturierungsphase befindet, werde der Weg jetzt noch schwieriger. „Bombardier braucht finanzielle Unterstützung und eine Struktur, die das Unternehmen in die Lage versetzt, Innovationen voranzutreiben“, sagte Leenen. „Einen neuen Partner zu finden, dürfte schwierig werden. Allmählich gehen die potenziellen Kandidaten nämlich aus. Als Ganzes wird das sicher schwer, es sei denn, man spaltet das Unternehmen auf.“

Siemens soll mit knapp über 50 Prozent die Mehrheit an dem künftigen Unternehmen halten, das von Poupart-Lafarge geführt und an der französischen Börse notiert sein wird. Die Kartellwächter müssen noch zustimmen, Kaeser sieht aber „kein grundsätzliches Risiko“. Künftig könnte das Unternehmen eine globale Zugplattform entwickeln, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland gebaut werde, sagte der Alstom-Chef auf die Frage, ob das neu formierte Unternehmen künftig einen gemeinsamen Hochgeschwindigkeitszug anbieten könnte.

Bahn verspricht sich Innovationsschub

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sieht das Bündnis positiv: „Der Zusammenschluss von Siemens und Alstom kann angesichts eines harten internationalen Wettbewerbs eine wichtige Zukunftschance sein“, erklärte die Ministerin. „Basis dafür sind eine klare Zukunftsstrategie, Perspektiven für die Beschäftigten sowie der Erhalt der Mitbestimmung.“

Die Deutsche Bahn verspricht sich Vorteile von der geplanten Fusion. Das Bündnis bedeute eine „Internationalisierung des Eisenbahnmarktes“, die neuen Schwung in diesen Markt bringen werde, sagte eine Konzernsprecherin. Man halte es zudem für wahrscheinlich, dass das fusionierte Unternehmen stärker als bisher Produktinnovationen hervorbringe. Zugleich geht die Deutsche Bahn davon aus, dass Siemens die laufenden Verträge erfüllt. Sie belaufen sich immerhin auf 5,6 Milliarden Euro unter anderem für 130 Züge der neuen ICE-4-Flotte.

Von Christine Schultze und Torsten Gellner

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