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Wirtschaft Bauern rechnen mit Minus bei Getreideernte
Nachrichten Wirtschaft Bauern rechnen mit Minus bei Getreideernte
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00:39 24.07.2015
Auf den Feldern gibt es für Brandenburgs Bauern in diesem Jahr weniger zu holen. Quelle: dpa
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Potsdam

So war das mit dem erhofften Regen dann doch nicht gemeint. In der Uckermark, Brandenburgs Kornkammer, herrscht in weiten Teilen Land unter. „Seit Sonntag regnet es ununterbrochen“, sagt Friedhelm Rogasch, Chef des uckermärkischen Kreisbauernverbands. Kaum sind die Mähdrescher so richtig auf Betriebstemperatur gekommen, müssen sie also zumindest vorübergehend in die Scheunen zurück.

Es bleibt dabei: Brandenburgs Bauern ist das Wetter in diesem Jahr nicht wohl gesonnen. Der Frühling war so trocken wie lange nicht mehr. Die große Dürre machte dem Getreide zu schaffen: Pflanzen zeigten vielerorts Notreifeerscheinungen. Für die zu erwartenden Erträge verheißt das nichts Gutes.

Erntestart wegen Trockenheit vorgezogen

Angesichts des trockenen Frühjahrs hatten Brandenburgs Bauern ungewöhnlich früh, nämlich Ende Juni, in die Getreideernte starten müssen – mit ungeahnten Erfolgen. „Unsere Landwirte sind sehr überrascht über die bisherige Ernte“, berichtet Friedhelm Rogasch aus der Uckermark. Die Wintergerste konnte sich in den kalten Monaten offenbar genügend Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen.

Bei der noch bevorstehenden Weizen- und Rapsernte könnte das schon anders aussehen. Unterm Strich erwartet der Landesbauernverband für 2015 ein Minus von sieben bis zehn Prozent bei den Getreideerträgen. Dazu sind auch die Erlöse um ein Zehntel gesunken und bewegen sich zwischen 150 und 155 Euro je Tonne. Die Getreideerträge sollen im Vergleich zum Vorjahr von mehr als drei auf 2,5 Millionen Tonnen sinken. Der Flächenertrag würde damit um ein Fünftel auf 4,9 Tonnen pro Hektar zurückgehen.

Knapp am „erntetechnischen Supergau“ vorbei

Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbands, hält das alles für verkraftbar. Dabei standen die Landwirte kurz vor der Katastrophe. „Zum Glück“, sagte Folgart mit einem tiefen Atemzug zum Ernteauftakt Ende Juni, „zum Glück waren im Frühjahr die Temperaturen nicht sehr hoch, sonst hätten wir erntetechnisch den Supergau erleben können.“

Mit ihren Problemen stehen Brandenburgs Bauern nicht allein. Die große Trockenheit hatte im Frühjahr die halbe Republik im Griff – vornehmlich im Osten Deutschlands, mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns und Bayerns. Nach einer Rekordernte im vergangenen Jahr sollen die Erträge der Getreideernte bundesweit um neun Prozent auf 47,2 Millionen Tonnen zurückgehen, prognostiziert Joachim Rukwied, der Chef des Deutschen Bauernbundes. Damit überträfe die deutschen Landwirtschaft noch immer die bescheidenen Erträge der Jahre 2010 bis 2012, als sogar einmal nur 42 Millionen Tonnen eingefahren wurden.

Bauern spekulieren auf steigende Weltmarktpreise

Die Verbraucher sollen das nicht zu spüren bekommen. Bei Brötchen und anderen Backwaren müssten die Kunden nicht draufzahlen, verspricht Rukwied. Die Bauern spekulieren darauf, das Minus bei Ertrag und Erlösen zumindest teilweise kompensieren zu können: Sie hoffen in der zweiten Jahreshälfte auf steigende Weltmarkpreise.

Roggen beherrscht Brandenburgs Getreideäcker

530.000 Hektar – mehr als ein Sechstel der Landesfläche – werden in Brandenburg laut dem Landesamt für Statistik für den Getreideanbau genutzt. Im Vergleich zu 2014 wuchs die Anbaufläche leicht um vier Prozent.

Roggen ist mit einer Fläche von 189.500 Hektar (plus drei Prozent) die bedeutendste Getreideart, gefolgt von Winterweizen (167.800 Hektar, plus sieben Prozent) und Wintergerste (83.500 Hektar, plus zwei Prozent). Am stärksten legte der Anbau von Hafer zu (16.300 Hektar, plus 45 Prozent).

3,1 Millionen Tonnen holten die Bauern laut Landesbauernverband 2014 an Getreide von den Feldern – 18 Prozent mehr als im sechsjährigen Durchschnitt von 2008 bis 2013.

Beim Flächenertrag lag Brandenburg 2014 im Ländervergleich laut Bundeslandwirtschaftsministerium nur auf dem vorletzten Platz mit 6,3 Tonnen pro Hektar (t/ha). Spitze war Schleswig-Holstein mit 9,8 t/ha, Schlusslicht das Saarland mit 5,9 t/ha. Der Bundesschnitt lag bei 7,8 t/ha.

2 bis 3 Mal mehr an Schlagkraft müssen die Bauern bei der Ernte von Roggen im Vergleich zu Weizen aufbringen. Hintergrund ist die deutlich kürzere Zeit, in der die Kornfeuchte eine Ernte möglich macht.

Von Bastian Pauly

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