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Blackberry bläst Verkauf ab - Deutscher Chef Heins geht

Telekommunikation Blackberry bläst Verkauf ab - Deutscher Chef Heins geht

Blackberry macht eine überraschende Kehrtwende im Überlebenskampf: Der notleidende Smartphone-Pionier hat seinen geplanten Verkauf abgesagt, Konzernchef Thorsten Heins geht.

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Der aus Deutschland stammende Chef Thorsten Heins werde Blackberry verlassen, teilte das Unternehmen mit. Foto: Andy Rain/Archivbild

Waterloo. Geldgeber um die kanadische Finanzfirma Fairfax Financial wollen nun eine Milliarde Dollar in das Unternehmen stecken, statt es wie ursprünglich geplant zu übernehmen. Der aus Deutschland stammende Heins nimmt seinen Hut, sobald die Finanzspritze eingegangen ist.

"Die heutige Ankündigung stellt ein deutliches Zeichen des Vertrauens in Blackberry dar", erklärte Noch-Verwaltungsratschefin Barbara Stymiest am Montag am Sitz in Waterloo nahe Toronto. Die Anleger sahen das anders: Die Aktie von Blackberry stürzte nach der Ankündigung vorbörslich um 19 Prozent ab, im späteren Handelsverlauf lag das Minus bei 14 Prozent. Der Kurs hatte schon in den vergangenen Wochen unter den 9 Dollar notiert, die Fairfax pro Aktie zahlen wollte.

Neuer Mann an der Konzernspitze wird kommissarisch der erfahrene Technologie-Manager John Chen. Er führte früher den Software-Konzern Sybase und arbeitete zwischenzeitlich auch bei Siemens, von wo Blackberry einst Heins abgeworben hatte.

Heins dürfte nach dem Abgang eine Abfindung zustehen, die Blackberry in den Unterlagen für die Aktionärsversammlung im Sommer auf rund 22 Millionen Dollar beziffert hatte. Gut 16 Millionen Dollar davon entfallen allerdings auf Blackberry-Aktien. Im Falle eines Verkaufs hätte der Manager ein Vergütungspaket im Wert von bis zu 55,6 Millionen Dollar bekommen können - allerdings auch dann größtenteils in Aktien.

Verwaltungsratschefin Stymiest räumt ebenfalls ihren Posten. Der Milliardär Prem Watsa, der hinter Fairfax steht, wird in den Verwaltungsrat zurückkehren. Watsa war aus dem Gremium ausgetreten als er die Blackberry-Übernahme ins Auge fasste.

Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten im August selbst zum Verkauf gestellt. Fairfax Financial hatte bereits den grundsätzlichen Zuschlag für 4,7 Milliarden Dollar erhalten. Doch übers Wochenende mehrten sich die Anzeichen, dass die Finanzfirma das Geld für eine komplette Übernahme nicht zusammenbekommt. Auch die beiden Blackberry-Mitgründer Michael Lazaridis und Doug Fregin arbeiteten im Hintergrund an einem Gebot. Blackberry soll dem "Wall Street Journal" zufolge sogar mit dem Online-Netzwerk Facebook gesprochen haben. Dagegen hätten der Software-Riese Oracle und das Karriere-Netzwerk LinkedIn sich gar nicht erst auf ein Treffen eingelassen.

Blackberry sei jetzt auch offener für eine Zerschlagung, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Laut Medienberichten hatten Konkurrenten in den vergangenen Monaten Interesse an Teilen von Blackberry gezeigt.

Das Unternehmen prägte die Anfänge des Smartphone-Geschäfts, doch mit der Vorstellung des iPhone 2007 begann der Niedergang. Der kanadische Pionier verpasste den Trend zu berührungsempfindlichen Displays und glaubte zu lange, dass Unternehmen nicht auf seine Tastatur-Geräte verzichten würden.

Der 55-jährige Heins hatte im Januar 2012 die Führung übernommen. Trotz eines neuen Betriebssystems und neuer Smartphone-Modelle gelang es ihm nicht, den Sinkflug zu stoppen. Weiterhin wanderten viele Kunden zu Apples iPhone, Android- oder Windows-Smartphones ab. Zuletzt fiel der Marktanteil unter drei Prozent.

Heins musste wiederholt Verluste verkünden und tausende Stellen streichen. In der aktuellen Runde sollen 40 Prozent der Belegschaft gehen. Das Touchscreen-Modell Z10, das zu Jahresbeginn die Wende einläuten sollte, erwies sich als teurer Ladenhüter und führte zu einer Abschreibung von fast einer Milliarde Dollar. Auch das neue Modell Z30, das bessere Testnoten als das Z10 bekam, ist bislang kein Bestseller.

dpa

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