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Wirtschaft Bodenlose Bauern durch Bodenspekulanten
Nachrichten Wirtschaft Bodenlose Bauern durch Bodenspekulanten
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20:44 20.11.2015
Renditeträchtig: Brandenburgs Äcker sind in das Visier von Bodenspekulanten geraten. Quelle: dpa
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Potsdam

Auf dem Papier liest sich das alles wunderbar. Landeseigene Agrarflächen würden „langfristig verpachtet und nur in begrenztem Umfang veräußert, jedoch nicht meistbietend verkauft“, steht in dem Beschluss, den der Brandenburger Landtag am Freitag getroffen hat. „Ein Zugriff von ortsfremden Bodenspekulanten ist ausgeschlossen.“

Der Grünen-Fraktionschef Axel Vogel kann bei dieser Feststellung nur ungläubig den Kopf schütteln. Seine Fraktion hat gegen den Beschluss gestimmt. Vogel glaubt, dass ein Weiter-so in der Agrarpolitik die Bodenpreise weiter nach oben treiben wird – eben weil kapitalkräftige Investoren längst in Brandenburg Fuß gefasst haben.

Dass das Thema überhaupt im Landtag diskutiert wurde, war Vogels Initiative. Er wollte ein Zeichen setzen: gegen das um sich greifende Spekulantentum auf märkischen Äckern, für eine Stärkung bäuerlicher Familienbetriebe, des ökologischen Landbaus und der Jungbauern.

Deshalb wollten die Grünen die Landesregierung dazu auffordern, die Verpachtung und den Verkauf landeseigener Flächen durch die bundeseigene BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH) beziehungsweise die landeseigene BBG (Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung) zu stoppen. Es geht um Flächen der Bodenreform und aus dem Preußen-Vermögen, die mit einem Anteil von 1,2 Prozent der Agrarfläche eigentlich vernachlässigbar scheinen. Vogel aber lässt das nicht gelten: Wie Brandenburg mit seinen landeseigenen Flächen umgehe, habe eine „hohe symbolische Wirkung“.

Nur die Großen wurden versorgt

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Sucht etwa die BVVG nach einem Käufer, erhalten meist die Pächter den Vorzug. 80 Prozent der Betriebe, die seit der Wiedervereinigung den Zuschlag erhielten, verfügten über mehr als 500 Hektar, etliche sogar über doppelt so große Flächen. Reinhard Jung ist Geschäftsführer des brandenburgischen Bauernbunds, der bäuerliche Familienbetriebe vertritt. Seine Bilanz fällt ernüchternd aus: „25 Jahre Verwertung von Landwirtschaftsflächen durch die öffentliche Hand haben in Brandenburg immer vorrangig dazu gedient, die angeblich zukunftsfähigen Großbetriebe zu versorgen.“

Womit die Brücke zu den „ortsfremden Bodenspekulanten“ geschlagen wäre, die die rot-rote Landesregierung außen vor wähnt. Es genügt ein Blick in den Landkreis Märkisch-Oderland, um zu einer gegenteiligen Auffassung zu kommen. Dort teilen sich laut Landrat Gernot Schmidt (SPD) drei mit internationalem Kapital gespeiste Holdings ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche untereinander auf: Odega, KTG Agrar und Lindhorst.

Gute Renditen, aber wenig Mitarbeiter

Der Bauernbund geht davon aus, dass landesweit mindestens 113.000 Hektar im Besitz auswärtiger Kapitalanleger sind – nahezu ein Zehntel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Offizielle Zahlen gibt es dazu nicht. Das Land zählt lediglich die Betriebe, nicht aber deren mitunter verdeckte Kapitalgeber.

Die großen Betriebe erzielen in der Regel zwar gute Renditen, bieten aber nur selten vielen Beschäftigten Arbeit – und machen den kleinen ortsansässigen Bauern im Wettstreit um die knapper und teurer werdenden Flächen das Leben schwer. Um den Berufsstand besser zu fördern, müsste das Land auswärtige Großinvestoren von den Agrarsubventionen ausschließen, bäuerlichen Familienbetrieben ein Bodenvorkaufsrecht einräumen und den Verkauf der Flächen aus Bodenreform und dem Preußen-Vermögen an die Großpächter stoppen, fordert Bauernbund-Chef Jung.

Die rot-rote Landesregierung bekennt sich zwar ausdrücklich zu dem in der Landesverfassung verankerten Ziel, ortsansässige Landwirte zu fördern. An der Verkaufspraxis der Flächen soll sich aber nichts ändern. Für Grünen-Politiker Axel Vogel ist das ein Widerspruch. Von seinem Antrag für einen Verkaufsstopp, meinte er am Freitag im Landtag, sei außer gut gemeinten Worten nicht mehr viel übrig geblieben.

Was ist „Landgrabbing“?

Landgrabbing steht für „Landraub“ und beschreibt die Übernahme von Bodenflächen durch Großkonzerne, Staaten und potente Privatinvestoren. Vorwiegendes Motiv sind die gesunkenen Renditen auf herkömmliche Kapitalanlagen infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007/2008.

In Brandenburg steigen die Preise für landwirtschaftliche Nutzflächen seit Jahren an. Die Agrargroßstrukturen haben das Ende der DDR überdauert. Das macht Flächen und Betriebe für kapitalkräftige Investoren attraktiv. 2014 strich die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) mit 507 Millionen Euro 16 Prozent mehr Gewinn ein als im Vorjahr, als größere Flächen verkauft worden waren.

Großinvestoren in Brandenburg sind laut Bauernbund Odega (18.000 Hektar, Eigentümer unbekannt), das börsennotierte Hamburger Agrarunternehmen KTG Agrar (17.100) und das Immobilien- und Altenpflegeunternehmen Lindhorst aus Winsen an der Aller (15200).

Von Bastian Pauly

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