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Bombardier-Beschäftigte unter Schock

270 Kollegen werden entlassen Bombardier-Beschäftigte unter Schock

Bombardier streicht in seinem Hennigsdorfer Werk jede zehnte Stelle. Die Belegschaft erfuhr davon am Freitagvormittag in einer Betriebsversammlung. Unter den derzeit noch 2850 Mitarbeitern sind die Zukunftssorgen groß.

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Nach der außerordentlichen Betriebsversammlung protestierten Hunderte Bombardier-Beschäftigte gegen den angekündigten Stellenabbau.

Quelle: Robert Roeske

Hennigsdorf. Bei Bombardier in Hennigsdorf (Oberhavel) verliert jeder Zehnte seinen Job. Bis Ende 2017 streicht der Schienenfahrzeughersteller an seinem größten deutschen Standort 270 Arbeitsplätze. Wie das Management am Freitagvormittag auf einer Belegschaftsversammlung verkündete, müssen 200 Festangestellte und 70 Leiharbeiter gehen. Laut eines Unternehmenssprechers soll der Stellenabbau sozialverträglich geregelt werden. Das Unternehmen will eigenen Angaben zufolge profitabler werden.

Gut 1500 Bombardier-Beschäftigte erfuhren auf einer Betriebsversammlung von den Streichplänen

Gut 1500 Bombardier-Beschäftigte erfuhren auf einer Betriebsversammlung von den Streichplänen.

Quelle: Robert Roeske

Hennigsdorf soll „Kompetenzzentrum Engeneering“ werden

Beitriebsratsvorsitzender MIchael Wobst

Beitriebsratsvorsitzender MIchael Wobst

Quelle: Robert Roeske

Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter werden in der kommenden Woche zu entsprechenden Gesprächen zusammenkommen. Vor dem Hintergrund des angekündigten Umbaus des Standorts zu einem „Kompetenzzentrum Engeneering“ befürchtet die IG Metall schon für Sommer eine zweite Entlassungswelle. Demnach habe Bombardier zudem angekündigt, 30 Prozent der Engeneering-Tätigkeiten in das Niedriglohnland Indien auszulagern.

„Für die Produktion befürchten wir über kurz oder lang das Aus“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Wobst. Als Ausweichstandorte kämen die Werke in Sachsen, Polen und Tschechien in Betracht. Schon seit drei Jahren würden in Hennigsdorf keine kompletten Wagenkästen mehr gefertigt, sagte Wobst.

Die IG Metall protestierte gegen den angekündigten Stellenabbau

Die IG Metall protestierte gegen den angekündigten Stellenabbau.

Quelle: Robert Roeske

Belegschaft reagierte schockiert

Den gut 1500 Teilnehmern stand nach der außerordentlichen Betriebsversammlung vom Freitag der Schock ins Gesicht geschrieben. Viele äußerten ihre Sorgen über die persönliche Zukunft. „Das ist eine traurige Sache für alle Mitarbeiter und auch für mich“, sagte ein langjähriger Werksbeschäftigter, der als Fahrzeugtester für die Steuersoftware arbeitet.

Thomas Haueseler

Thomas Haueseler

Quelle: Robert Roeske

Die Unternehmensführung habe kaum Antworten auf die Fragen gegeben, sagte Thomas Haeuseler. Der 55-Jährige arbeitet seit 1977 in Hennigsdorf , derzeit in der Standardisierung für Antriebssysteme. Er warf dem Management Fehler vor. So leide das Unternehmen inzwischen unter einem beträchtlichen Wasserkopf, sagte Haueseler. „Es reisen Heerscharen von Kästchenabhakern durch die Welt, die dem Unternehmen keinen Mehrwert bringen.“

Marvin Fromm

Marvin Fromm

Quelle: Robert Roeske

„Ich befürchte, dass das Unternehmen nach dem Ende meiner Ausbildung nicht mehr in der Form existiert“, sagte Marvin Fromm. Der 22-Jährige zog eigens für die Arbeit von der Nordseeküste nach Brandenburg und lernt seit 2014 Elektroniker für Betriebstechnik bei Bombardier.

Wirtschaftsministerium will sich für Standort einsetzen

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) kritisierte den Stellenabbau als „unverständlich“. Berlin-Brandenburg sei mit gut 100 Unternehmen und 20 000 Beschäftigten ein international führender Standort der Schienenverkehrstechnik. „Diesen Standortvorteil darf das Unternehmen nicht aufs Spiel setzen.“ Das Land werde alle Möglichkeiten nutzen, die Zukunft des Werks zu sichern.

Sparprogramm trifft 1430 Arbeitsplätze in Deutschland

2850 Beschäftigte arbeiten am Standort Hennigsdorf – etwa jeder Zehnte von ihnen muss bis Ende 2017 gehen.

Deutschlandweit streicht der Schienenfahrzeughersteller 1430 der insgesamt 10.500 Stellen. An den sächsischen Standorten in Görlitz und Bautzen müssen 930 Beschäftigte gehen.

Weitere Standorte betreibt Bombardier in Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen.

Von Bastian Pauly

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