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Wirtschaft Boom bei Online-Handel märkischer Firmen
Nachrichten Wirtschaft Boom bei Online-Handel märkischer Firmen
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13:05 29.03.2018
Blick in die Lagerhallen bei Amazon in Brieselang (Havelland). Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Der Handel im Internet durch kleine und mittlere Firmen aus Brandenburg nimmt an Fahrt zu. Der amerikanische Online-Versandhändler Amazon veröffentlicht jetzt Zahlen über die verkauften Produkte auf den eigenen Webseiten. Danach erzielten kleine und mittelständische Unternehmen aus Brandenburg im vorigen Jahr einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro über die Plattform Amazon „Marketplace“. Das geht aus einer aktuellen Statistik des Unternehmens hervor, die der MAZ vorliegt. Mehr als drei Millionen Produkte gingen danach an Kunden in der ganzen Welt über die verschiedenen Plattformen von Amazon.de.

Von der Anlaufstelle des Unternehmens im Internet profitiert schon länger die Firma Guru Shop aus Tempelfelde (Barnim). Sie vertreibt Bekleidung, Möbel und Geschenkartikel, die sie aus Asien importiert, zum übergroßen Teil über Amazon „Marketplace“. „Diese Plattform ist für uns sehr interessant. Wir können unsere Waren im Netz europaweit platzieren“, sagt Geschäftsführer Matthias Kuhnt. Die Firma hat jetzt 28 Mitarbeiter und würde weiter wachsen, sagt Kuhnt. Er nutzt dafür auch die Marktmacht des Online-Riesen Amazon. Hätte die Firma nur die eigene Internetplattform zur Verfügung, wäre der Umsatz deutlich geringer, so der Geschäftsführer. „Ganz Europa ist in der Kundenkartei vertreten.“ Als günstig erweist sich aus Sicht von Kuhnt auch, dass trotz aller Kritik am Online-Riesen bei vielen Kunden ein gewisses Grundvertrauen zu Amazon herrsche. Guru Shop vertreibt seine asiatische Waren ausschließlich in Europa. Die Gebühren, die der Online-Versand-Riese verlangt, sind allerdings nicht gering. Der Shop aus dem Barnim zahlt im Schnitt für jedes verkaufte Produkt rund 10 bis 18 Prozent an Amazon. Das ist für die Firma aufgrund des guten Geschäfts verschmerzbar, wie Kuhnt sagt. „Damit können wir gut leben.“ Für andere Firmen dürften diese Summen zumeist aus Provision, Umsatzsteuer und Grundgebühr allerdings ein Problem sein. Für den Online-Konzern ist das ein einträgliches Geschäft. In Deutschland verdiente das Unternehmen laut Kölner Institut für Handelsforschung über den „Marketplace“ im Jahr 2016 rund zwölf Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass der Versandhändler oft auch die Ware übernimmt und zum Kunden bringt.

„Diese Plattform ist für uns sehr interessant. Wir können unsere Waren im Netz europaweit platzieren“: Geschäftsführer Matthias Kuhnt von Guru Shop in Tempelfelde (Barnim) Quelle: Lisa Hoffmann

Einige Unternehmen, die gern ihre Waren verkaufen würden, scheuen offenbar den hohen verwaltungstechnische Aufwand. Der ist besonders hoch, wenn die Waren auch außerhalb Europas verkauft werden sollen. Die Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK) registriert eine Zunahme an Anfragen von Unternehmen, die ihre Waren im Internet anbieten und auf internationalen Plattformen präsent sein wollen. Außenwirtschaftsexperte Jens Ullmann sagt, bei den meisten Fragen gehe es um Besteuerung, Bezollung und die richtigen Dokumente. Schließlich solle der Handel reibungslos verlaufen.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale Brandenburg sollten sich kleine und mittlere Unternehmen, sich vor allem die Vermittlungsgebühren bei Amazon „Marketplace“ genau anschauen. Das Ganze ist ein Geschäftsmodell, an dem Amazon gut mit verdient, sagte Kirsti Dautzenberg, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Jedes Unternehmen muss wissen, ob es das will.“

Auf dem Portal würden sich allerdings auch sogenannte Fake-Shops – falsche Onlineshops – tummeln, die Kunden mit vermeintlich günstigen Scheinangeboten auf dem Händlerportal anlocken wollen. Amazon könnte mehr tun, um solche unseriösen Angebote herauszufiltern, meinte Verbraucherschützerin Dautzenberg. Damit gefährde das Unternehmen schließlich das eigene Geschäftsmodell.

Zuletzt war Amazon, das im brandenburgischen Brieselang (Havelland) ein Logistikzentrum mit rund 650 Mitarbeiter betreibt, in die Kritik geraten. WDR und „Süddeutsche Zeitung“ hatten herausgefunden, dass chinesische Onlinehändler, die ihre Produkte über die Plattform „Marketplace“ verkaufen, potenziell die Umsatzsteuer hinterziehen. Amazon versprach, tätig zu werden, sobald man Hinweise bekomme.

Nach den neuen Amazon-Zahlen rangiert Brandenburg in den Ost-Ländern hinter Sachsen auf Platz zwei. Dort lag der Umsatz durch Firmen aus dem Freistaat mit 150 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch wie in Brandenburg. Rund Millionen Produkte wurden verkauft. In Mecklenburg-Vorpommern gab es hingegen Umsätze von 20 Millionen Euro bei rund 900 000 verkauften Produkten.

Von Igor Göldner

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