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Wirtschaft Brandenburg gehen die Arbeitskräfte aus
Nachrichten Wirtschaft Brandenburg gehen die Arbeitskräfte aus
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00:21 15.02.2019
Ein Asylbewerber aus Somalia, der zuvor als Schweißer ausgebildet wurde, arbeitet in einer Firma in Fürstenwalde. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Brandenburgs Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände drängen auf die rasche Umsetzung eines Einwanderungsgesetzes. Andernfalls drohten auf dem Arbeitskräftemarkt erhebliche Lücken. „Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz muss so schnell wie möglich kommen“, sagte Alexander Schirp, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB).

Schon heute seien die Firmen in der Region auf Arbeitnehmer aus dem Ausland angewiesen, um Stellen besetzen zu können. „Der Bedarf an Fachkräften wächst, das zeigen die vielen offenen Stellen und die immer langwierigere Suche der Firmen nach Personal. Im Handwerk, in der Industrie, in medizinischen Berufen und auf dem Bau sind die Probleme am größten“ ,sagte Schirp.

Studie: 260.000 Zuwanderer pro Jahr nötig

Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge nimmt das Angebot an Arbeitskräften in Deutschland wegen der alternden Gesellschaft bis zum Jahr 2060 um rund 16 Millionen Personen – also um fast ein Drittel – massiv ab. Da auch die Einwanderung aus anderen EU-Ländern im Vergleich zu früheren Jahren sinken werde, sei Deutschland auf Zuwanderer aus Drittstaaten dringend angewiesen, schlussfolgern die Autoren der Studie, die vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung und der Hochschule Coburg erstellt wurde. Um den Rückgang an einheimischen Arbeitskräften auszugleichen, müssten mittel- bis langfristig jedes Jahr mindestens 260.000 Menschen nach Deutschland kommen.

Weniger Märker im Erwerbsalter

Schon bis zum Jahr 2030 schrumpft die demzufolge die Bevölkerung im Erwerbsalter um acht Prozent. In Brandenburg wird der Rückgang laut Zahlen des Statistischen Landesamts noch deutlicher ausfallen, nämlich um minus 13 Prozent. Zugleich wächst hier der Anteil der Menschen im Rentenalter um ein Drittel. Die Folgen des demografischen Wandels spüren die Betriebe schon heute.

„Im Schnitt suchen die Handwerksbetriebe in Südbrandenburg 2,5 Fachkräfte“, sagte Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. „Im Bau- und Ausbauhandwerk müssen Unternehmen teilweise Aufträge ablehnen, da zu wenige Fachkräfte vorhanden sind, um diese fristgerecht abarbeiten zu können.“ Er setzt auf das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz, dessen Entwurf das Bundeskabinett Ende 2018 verabschiedet hatte. Es sei ein wichtiger Baustein, um die „zunehmende Knappheit an Fachkräften in Deutschland zukünftig zumindest zu lindern“, sagte er.

Zwei Drittel der Firmen finden keine Mitarbeiter

Auch der Chef der Potsdamer Industrie- und Handelskammer, Mario Tobias, forderte eine zügige Umsetzung des Gesetzes, das eine gezielte Einwanderung von Fachkräften regeln soll. „Zwei Drittel unserer Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen“, sagte er. „Über ein Viertel suchen sogar Bewerber ohne abgeschlossene Berufsausbildung.“ Deswegen dürfte die Umsetzung des geplanten Gesetzes vor allem für die kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht zu unnötiger Bürokratie führen, warnte er.

Obwohl die Auftragslage gut und die Nachfrage nach wie vor hoch ist, schrauben die Brandenburger Unternehmen zum Teil ihre Einstellungspläne herunter, so etwa in der eigentlich boomenden Baubranche. „Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass frei werdende Stellen aufgrund des gravierenden Fachkräftemangels nicht besetzt werden können“, heißt es im aktuellen Konjunkturreport der Berliner und Brandenburger Industrie- und Handelskammern.

Fachkräfte aus dem Ausland alleine werden die Probleme allerdings nicht lösen, sagte UVB-Geschäftsführer Alexander Schirp. „Wir müssen alle Potenziale heben, die wir haben“, sagte er. Dazu gehöre die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen an Schulen sowie eine Stärkung der dualen Ausbildung.

Von Torsten Gellner

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