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Wirtschaft Brandenburgs Firmen schielen nach Teheran
Nachrichten Wirtschaft Brandenburgs Firmen schielen nach Teheran
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18:13 18.01.2016
Teheran: Ziel einer märkischen Unternehmerreise. Quelle: EPA
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Potsdam

Nach der Aufhebung der Handelssanktionen gegen den Iran hofft die Wirtschaft auf gute Geschäfte mit dem Land. „Wir halten in den kommenden fünf Jahren eine Verdopplung der Ausfuhren von derzeit rund 2,4 Milliarden Euro für realistisch“, erklärte der Präsident des Bundesverbands der Industrie (BDI), Ulrich Grillo, am Montag. Der Nachholbedarf bei der Modernisierung der Industrie-Infrastruktur sei sehr groß.

Zugbauer Bombardier ist interessiert

Entsprechend viel könnte dort in den kommenden Jahren investiert werden, etwa im Bereich Verkehr. Deswegen beobachtet der Hennigsdorfer Zugbauer Bombardier derzeit die Entwicklung besonders aufmerksam. „Der Iran ist Zukunftsmarkt, den wir natürlich im Blick haben“, sagte Unternehmenssprecher Immo von Fallois. Der Bedarf an Produkten des Unternehmens wird hoch eingeschätzt: „Die Infrastruktur im Iran muss massiv modernisiert und weiterentwickelt werden. Das wissen wir, und das weiß auch unsere Konkurrenz.“

Bloß nicht der Letzte sein, lautet die Devise

Bloß nicht der Letzte sein, scheint die Devise nachdem die Handelsbeschränkungen weitgehend gefallen sind. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte es im vergangenen Juli vorgemacht, als er als erster westlicher Spitzenpolitiker in den Iran gereist war, um die Chancen für die deutsche Industrie auszuloten. Er war unmittelbar nach der nach der Unterzeichnung des historischen Atomabkommens aufgebrochen. Nun, ein halbes Jahr später, bescheinigte die Internationale Atomenergiebehörde dem Iran die Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen, worauf die Sanktionen umgehend aufgehoben wurden.

Deutsche Maschinen sind gefragt

In Brandenburg gibt es bereits konkrete Pläne für eine erste märkische Unternehmerreise in die islamische Republik. „Das Interesse ist groß. Viele fragen sich jetzt, wie wir an die neue wirtschaftliche Entwicklung im Iran anknüpfen können“, erklärte Alexander Gallrein, Sprecher der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB). Die ZAB organisiert die Reise gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.

Welche Firmen daran teilnehmen und wann es losgeht, steht noch nicht fest. Derzeit ist der Oktober anvisiert. Die Reise, die in die Millionenstädte Teheran und Isfahan führen soll, werde sich auf Energietechnik, Elektrotechnik, Umwelttechnik sowie und auf Maschinen- und Anlagenbau konzentrieren, hieß es.

Kontakte bestehen bereits

Ganz bei Null fangen die Kontakte zwischen Potsdam und Teheran nicht an. Schon heute seien die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Brandenburg und dem Iran trotz strikter Sanktionen beachtlich, erklärte Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die märkischen Exporte nach Iran von 16,3 auf 42,1 Millionen Euro erhöht. Da sei noch „Luft nach oben“, meinte Tobias.

Nach der Aufhebung der Sanktionen erwartet er erheblich höhere Exportumsätze. „Zahlreiche Mittelständler aus unserer Region unterhalten bereits Geschäftsbeziehungen in den Iran“, erklärte er. „Einige investieren vor Ort, im Gegenzug engagieren sich erste iranische Investoren in Brandenburg.“

DDR-Klassiker im Iran allgegenwärtig

Mercedes plant mit seiner Lkw-Sparte Daimler-Trucks die Rückkehr auf den iranischen Markt und unterzeichnete am Montag Absichtserklärungen mit Iran Khodro Diesel (IKD) und der Mammut Group. „Unsere Nutzfahrzeuge genießen im Iran seit jeher einen hervorragenden Ruf. Gleichzeitig besteht ein großer Nachholbedarf für Nutzfahrzeuge, allen voran Lkws“, erklärte Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard.

Der legendäre W50 aus Ludwigsfelde wurde massenhaft in den Iran exportiert Quelle: dpa-Zentralbild

Nutzfahrzeuge aus Deutschland haben im Iran auch aus anderen Gründen einen soliden Ruf: In den 80er Jahren wurden mehr als 10 000 IFA-Lkw aus Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) in den Iran und an dessen Kriegsgegner Irak geliefert. Der W 50 ist dort noch heute allgegenwärtig.

Von Torsten Gellner

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