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00:21 11.09.2017
Skadi setzt sich mit ihrem Instagram-Angebot Skadys_farmlife für ein besseres Image der Landwirtschaft ein. Quelle: Skadi Petermann
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Dannenberg

Einer der ersten Erfolge in Skadi Petermanns Karriere als Digital-Bäuerin ist ein kurzes Video. Die 19-Jährige befestigt eine Latte am Koppelzaun. Als die Schrauben sitzen, pustet sie über den Kopf des Akkuschraubers, als sei es ein Revolver und lacht – ein bisschen Western auf der väterlichen Farm. 616 Herzchen-Symbole bekam sie dafür auf Instagram. Der Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos im Internet ist unter den sogenannten sozialen Medien eines der beliebtesten – wer schon einmal versucht hat, ein paar positive Bewertungen auf dem Portal zu bekommen, der weiß: Skadi Petermann hat ins Schwarze getroffen.

Imagewechsel für die Landwirtschaft

Petermann ist eine der frischsten Botschafterinnen der Brandenburger Landwirtschaft. Sie bringt zusammen, was der unter Nachwuchssorgen leidenden Branche oft fehlt: Digitale Präsenz und jugendlichen Übermut, eine gute Portion Selbstironie bei gleichzeitiger Liebe zu diesem ältesten aller Berufe. „Die Bauern haben ja seit Jahren einen schweren Stand und nicht unbedingt ein gutes Ansehen. Ich will zeigen, wie wichtig die Landwirtschaft ist und wie viel Spaß die Arbeit als Bäuerin macht“, sagt die junge Frau aus Dannenberg (Märkisch-Oderland). Petermann ist im zweiten Lehrjahr – und hat bei Instagram knapp 1600 Follower hinter sich versammelt – jede Woche kommen 70 neue hinzu. Und mit jedem neuen Klick, trommelt die Landwirtin ein bisschen mehr für ihren Beruf.

Skadi Petermann (19) aus Dannenberg (Märkisch-Oderland) ist angehende Landwirtin im zweiten Ausbildungsjahr. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Instagram mit verspielten Bildern und Videos das Image ihres Berufsstandes aufzupolieren.

Singend fährt sie den Kuhmist weg

Was man im Internet zu sehen bekommt? Zum Beispiel ein Video, in dem Skadi Petermann, eine graue Kapuze übers Haar gezogen, am Steuer ihres Treckers Rihannas „We found love“ singt – als gelte es, bei „Deutschland sucht den Superstar“ zu punkten. Dazu kommentiert sie: „Was man so macht, wenn man Kacke kutschen muss“ – lockerer kann man die Härten des Landlebens – hier die Tour mit dem Güllewagen – kaum nehmen.

Einsamkeit war der ursprüngliche Antrieb

Die Digitaloffensive hat einen ernsthaften Hintergrund: „Durch die Arbeit habe ich extrem wenig Zeit für meine Freunde aus der Schulzeit“ sagt Petermann. „Besonders traurig macht mich das im Sommer, wenn alle gemeinsam zum See gehen und ich nicht mitkommen kann.“ Ursprünglich wollte die junge Frau nach dem Abitur Grafikdesign in Hannover studieren, wurde aber abgelehnt. Erst jobbte sie auf dem väterlichen Hof, dann schwenkte sie hauptberuflich ins Familiengeschäft ein. „Ursprünglich sollte das eine Art Tagebuch werden“, sagt Skadi Petermann. Daraufhin bekam sie sehr viel Zuspruch und begann, Bilder und Videos ihrer Hofarbeit auf Instagram und Youtube zu teilen: Skadi Petermann in Aktion im Mähdrescher oder bei den Tieren, vor einem Reifenstapel, im Dirndl im Kälbchenstall. Ein Video, auf dem sie ihre Lieblingskuh Anneliese vorstellt und streichelt, erreichte 620 Herzchensymbole.

Nicht nur schöne Fotos, sondern auch ein Kommunikationstreffpunkt

Die Beiträge regen zu Diskussionen an. So gibt Skadi Petermann zu, mit dem Anneliese-Video verhindern zu wollen, dass ihre Lieblingskuh geschlachtet wird. Das kommt nicht überall gut an. Andere Landwirte kritisieren, dass die Bindung zum Tier nicht zu eng werden darf. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands Brandenburg, Uwe Tiet, findet Skadi Petermanns kampagnenartige Öffentlichkeitsarbeit im Netz großartig: „Die jungen Leute, die Landwirte werden wollen, stehen ja regelrecht unter einem Rechtfertigungsdruck durch die gesellschaftliche Diskussion über verantwortungsvolle und nachhaltige Landwirtschaft“. Die Bauern stünden ständig unter Generalverdacht der Tierquälerei oder des Einsatzes der Chemiekeule. „Engagierte junge Landwirte wie Frau Petermann rücken durch Aufklärung die Tätigkeit der Landwirte wieder näher an die Realität“, sagt Tiet. Die Realität zeigt aber auch auf dem Arbeitsmarkt, wie wichtig Skadi Petermanns Mission ist.

Die Unternehmen suchen dringend qualifizierten Nachwuchs

Laut Thorsten Golm, dem Pressesprecher der Industrie-und Handelskammer (IHK) Cottbus, suchen vor allem die großen brandenburgischen Unternehmen aus der Agrarindustrie händeringend qualifizierte Fachkräfte. Im letzten Jahr begannen laut Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung lediglich 141 junge Menschen eine Ausbildung zum Landwirt, darunter 15 Mädchen. In den Wirtschaftszweigen Landwirtschaft, Jagd und damit verbundenen Tätigkeiten wurden 456 Ausbildungsstellen angeboten, wovon 83 unbesetzt blieben. Da Skadi Petermann und ihr Freund beide die Landwirtsausbildung 2018 abschließen werden, müsste sich ihr Vater Jens Petermann, Chef der Produktivgesellschaft Dannenberg, eigentlich keine Sorgen um die Zukunft des Hofs machen. Festlegen wollen sich die Jung-Bauern aber noch nicht. Petermann senior nimmt ihr das nicht übel. „Mein Vater ist so unfassbar stolz auf mich“, sagt die Tochter, „auch, wenn wir zwei Sturköpfe manchmal aneinander geraten, liebe ich die Arbeit auf unserem Hof“. Deutet sich da ein Happy End an? Auf einem Selbstporträt fährt Skadi Petermann im Mähdrescher gegen die untergehende Sonne, das Feld wirkt wie in Gold getaucht. „Grüße vom Sunset in Brandenburg“, hat sie den Schnappschuss untertitelt. Dafür gab es 573 Herzchen.

Von Josefine Kühnel

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