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Wirtschaft Brandenburgs Stahlbranche in Sorge
Nachrichten Wirtschaft Brandenburgs Stahlbranche in Sorge
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02:24 05.03.2018
Am Hochofen 5 des zum Stahlkonzern ArcelorMittal gehörenden Werkes im brandenburgischen Quelle: picture alliance / dpa
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Potsdam

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte könnten auch der Brandenburger Stahlindustrie schaden. „Stahl aus anderen Ländern, der nicht mehr in die USA exportiert werden könnte, wird nach Europa fluten“, befürchtet der Tarifsekretär für Stahl bei der IG-Metall Berlin-Brandenburg, Peter Friedrich. Das Preisniveau drohe zu verderben.

Exporte in die USA würden vermutlich komplett wegbrechen. Die spielten für die Brandenburger Stahlwerke von Riva in Hennigsdorf (Oberhavel) und Brandenburg/Havel eine gewisse, wenn auch nicht überragende Rolle. „Keiner kann derzeit beziffern, welche Auswirkung es hätte“, sagt IG-Metall-Vertreter Friedrich. Riva beschäftigt in beiden Standorten zusammen derzeit rund 1700 Menschen.

Auf MAZ-Anfrage äußerte sich der Stahlhersteller gestern nicht zu der jüngsten Eskalation im heraufziehenden Handelskrieg. Jedoch hatte der Produzent mit Hauptsitz in Italien im Sommer 2017, als sich der Konflikt bereits abzeichnete, geäußert: Dumping-Importe aus China und Osteuropa „gepaart mit einem möglichen Verlust des amerikanischen Marktes würden zu großen Problemen führen, denen auch die europäischen Hersteller langfristig nicht standhalten können.“ In Übersee gehören laut Unternehmens-Homepage neben zentralamerikanischen Staaten, Algerien und Nigeria die USA zu den Absatzmärkten für Stahlmatten, wie sie auf dem Bau verwendet werden. Riva hat unter anderem 22 000 Tonnen Stahl für den Bau der Münchner Allianz Arena geliefert, in der Fußball-Rekordmeister Bayern München seine Heimspiele bestreitet.

In Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), einem Standort des Konzerns Acelor Mittal, sind laut Unternehmensführung keine direkten Folgen zu erwarten. „Unser Werk unterhält keine Handelsbeziehungen zu den USA“, sagt ein Vertreter der Geschäftsführung. Das Werk hat rund 2500 Mitarbeiter und walzt Bleche für Autoindustrie und Küchengeräte-Hersteller. „Wir prüfen mögliche Auswirkungen, die die angekündigten Maßnahmen auf unser Unternehmen und die weltweite Stahlindustrie haben könnten“, sagt Konzernsprecher Arne Langner. „Das betrifft auch die Bewertung von möglicherweise umgeleiteten Importen in die EU infolge der angekündigten US-Zölle.“

ArcelorMittal produziert in Eisenhüttenstadt rund 2,2 Millionen Tonnen Rohstahl im Jahr, deutschlandweit 7,5 Millionen Tonnen. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen 9000 Mitarbeiter.

US-Präsident Trump hatte schon seit Langem gegen die seiner Ansicht nach unfairen Handelspraktiken Chinas und anderer Staaten gewettert. Am Donnerstag kündigte er schließlich für kommende Woche auf Importe von Stahl Strafzölle von 25 Prozent und zehn Prozent auf Aluminiumeinfuhren in die USA an.

Der Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl ruft die Politik dazu auf, ihr „Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung von Handelsumlenkungen“ zu richten. „Wenn die EU nicht handelt, wird unsere Stahlindustrie die Rechnung für den Protektionismus in den USA bezahlen“, sagte der Präsident des Verbandes, Hans Jürgen Kerkhoff. „Europa wird von einer neuen Stahlschwemme bedroht, in einer Situation, in der die Importkrise auf dem EU-Markt noch nicht überwunden ist“, macht Kerkhoff klar. Die seitens der USA angestrebte Importreduzierung von 13 Millionen Tonnen drohe zu einem erheblichen Teil in den EU-Markt zu fließen.

Die Direktimporte aus Deutschland in die USA sind nicht zu vernachlässigen. Ein Strafzoll hätte auch hier erhebliche Auswirkungen. Laut Branchenverband sind die Vereinigten Staaten für Deutschland der wichtigste Markt außerhalb der EU. Die Vereinigten Staaten nahmen 2017 knapp eine Million Tonnen Walzstahl aus Deutschland ab – also im Vergleich weniger als die Hälfte der Produktionsmengen, wie sie in Eisenhüttenstadt jährlich das Werk verlassen.

Von Ulrich Wangemann

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