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Bund startet Förderprogramm für Turbo-Internet

Breitbandausbau Bund startet Förderprogramm für Turbo-Internet

Das Landesprogramm „Glasfaser 2020“ steht vor dem Abschluss. Zum Jahresende soll überall in Brandenburg schnelles Internet verfügbar sein – mit Übertragungsraten von 6 Mbit/s. Ein erster Anfang, mehr nicht: Denn der Bund will bis 2018 flächendeckend 50 Mbit/s ermöglichen und stellt dafür zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Kommunen können sich jetzt bewerben.

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Schnelles Internet per Glasfaser: In Brandenburg sind Tausende Kilometer Kabel verlegt worden. Bis Jahresende soll es überall im Land Breitbandinternet geben.

Quelle: dpa

Potsdam. Nach dem Breitbandausbau ist vor dem Breitbandausbau. Für Jürgen Paul heißt das: Er ist mit seiner Arbeit noch lange nicht am Ende. „Wir haben viel erreicht“, sagt der Breitbandverantwortliche in Oberhavel mit Blick auf das Landesprogramm „Glasfaser 2020“, das Ende des Jahres ausläuft. Dann sollen die weißen Flecken auf Brandenburgs Internetlandkarte verschwunden sein.

Das Glasfaserprogramm verspricht flächendeckend Internetverbindungen von mindestens sechs Megabit pro Sekunde. Dafür haben Telekom und DNS:NET landesweit rund 2000 Kabelverzweiger erneuert und 3000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt – vom Land gefördert mit mehr als 70 Millionen Euro aus EU-Mitteln.

Doch weil den Daten in den Kupferkabeln auf den letzten Metern zum Verbraucher oft der Turbo ausgeht, wird nicht jeder Anschluss so schnell sein wie erhofft. Jürgen Paul weiß um die Probleme. „Wir sind dabei, den genauen Ausbaustand zu analysieren.“

IT-Gipfel in Berlin

1000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten am Mittwoch auf dem nationalen IT-Gipfel in Berlin, bei dem auch der Breitbandausbau Thema war.

Die deutsche IT-Wirtschaft prosperiert. Der Umsatz soll 2015 laut Branchenverband Bitkom um 1,9 Prozent auf 156 Milliarden Euro anwachsen. Bis Jahresende wird deutschlandweit ein Beschäftigungsrekord von mehr als eine Million Mitarbeiter erwartet.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland nur Mittelmaß. Ein Index von zehn Industrienationen weist Platz 6 aus – hinter den gemeinsamen Viertplatzierten Japan und China.

Bundesinfrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) will in Sachen Datenturbo ohnehin noch deutlich stärker aufs Gas treten. Der Ressortchef hat ein milliardenschweres Programm aufgelegt, bei dem sich Kommunen ab sofort um Fördermittel für den weiteren Breitbandausbau bewerben können. Bis 2018 stehen zwei Milliarden Euro bereit. Jedes Vorhaben kann mit jeweils bis zu 15 Millionen Euro gefördert werden. Dobrindts Ziel: flächendeckende Übertragungsraten von 50 Mbit/s.

Für 51,3 Prozent der Brandenburger Haushalte ist dieser Datenturbo bereits verfügbar – auch wenn vergleichbare Flächenländer wie Schleswig-Holstein (73,2 Prozent) und Niedersachsen (69,7) deutlich höhere Quoten erzielen, führt Brandenburg das Ranking der ostdeutschen Bundesländer an. Das war nicht immer so. „Wir sind schon gut“, sagt Marco Albrecht, Referent für Technologie und Innovation bei der IHK Potsdam, „aber wir können noch besser werden.“ Um die drohende digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, fordert die Kammer eine konzertierte Aktion von Land, Kommunen und Spitzenverbänden für einen fortgesetzten Breitbandausbau.

Das ist ein klarer Arbeitsauftrag für Breitbandexperte Jürgen Paul in Oberhavel und seine Kollegen in den übrigen Kreisen. „Städte und Gemeinden dürfen nicht nach dem Windhundprinzip um die Fördermittel konkurrieren“, meint Paul. Eine Kommune allein könne leicht daran scheitern, einen frist- und formgerechten Antrag zu stellen Zumal Paul dem Programm aus dem Hause Dobrindt Unschärfen attestiert: So sei es unklar, bei welcher Übertragungsgeschwindigkeit eine Kommune als unterversorgt und somit bedürftig gelte. „Da gibt es auf Seiten der EU, des Bundes und des Landes keine einheitliche Auffassung“, sagt Paul.

Das habe auch Brandenburgs Kommunen verunsichert, erklärt Karl-Ludwig Böttcher, Chef des Städte- und Gemeindebundes. Ohne schnelles Internet seien ländliche Räume von digitalen Innovationen etwa in Bildung und Medizin abgehängt. Laut Böttcher geht das viele etwas an: „Der ländliche Raum fängt schon am Stadtrand an.“

Fragen und Antworten zum IT-Gipfel

Im Herbst 2014 hat die Bundesregierung die „digitale Offensive“ ausgerufen. Ziel sei, europaweit das führende Land in Sachen Digitalisierung zu werden. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Der IT-Gipfel, zu dem sich 1000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versammeln, soll die Weichen stellen und präsentiert erste Ergebnisse. In vielen Bereichen geht es aber wohl vorerst darum, den Anschluss nicht zu verlieren.

Wie steht es um die deutsche IT-Wirtschaft?

Die IT-Branche ist der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber hinter dem Maschinenbau - und die aktuellen Zahlen können sich sehen lassen. Der Digitalverband Bitkom hob erst kürzlich seine Wachstumsprognosen für 2015 an: So soll der Umsatz um 1,9 Prozent auf 156 Milliarden Euro wachsen. Die Beschäftigtenzahlen steuern auf ein Rekord zu. Bis Jahresende erwartet die Branche zum ersten Mal in ihrer Geschichte mehr als eine Million Mitarbeiter in Deutschland.

Was sind die aktuellen Gipfel-Themen und gibt es erste Ergebnisse?

Die gibt es und darüber können sich etwa Internet-Nutzer im ländlichen Raum freuen. In Sachen Breitband-Förderung geht ein Milliarden-Zuschuss des Bundes an den Start. Bis 2018 werden zwei Milliarden Euro bereitgestellt. Allen Kommunen und Landkreisen werde das Programm angeboten, „damit es bis 2018 auf der Landkarte keine weißen Flecken mehr gibt“, sagte Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU). Generell sind die neuen Gipfel-Themen größtenteils die alten. Die digitale Transformation der Wirtschaft, neue Formen der Arbeit, Mobilität oder Datenschutz stehen weiter im Mittelpunkt.

Reizthema Datenschutz – hat sich hier etwas getan?

Ja, Datenschützer können einen Erfolg verbuchen. Bundesregierung und Wirtschaft wollen die Netz-Kommunikation besser absichern und Deutschland zum „Verschlüsselungs-Standort Nr. 1“ machen. Es werden Infrastrukturen zur Verfügung gestellt, „um die eigene Identität im Netz besser zu schützen und sicher zu kommunizieren“, heißt es in dem Papier, das von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Vertretern der IT-Wirtschaft unterzeichnet wurde. Sie bekennen sich zu einer besseren Nutzerfreundlichkeit oder zu mehr Aufklärung in Sachen Ende-zu-Ende-Kommunikation. Diese garantiert, dass die Nachricht sowohl unterwegs als auch auf den Servern des Providers chiffriert bleibt und nur auf dem Empfängergerät entschlüsselt werden kann. Das Thema ist umstritten, schließlich ermöglicht die Technik auch Terroristen eine ungestörte Kommunikation.

Kommt Verschlüsselung beim Verbraucher an?

Bei den Online-Diensten GMX und Web.de erstellten seit dem Start des Angebots im August 250 000 Nutzer einen Krypto-Schlüssel, um ihre Kommunikation mit der Software PGP abzusichern. Die Telekom kündigte am Mittwoch eine einfach bedienbare „Volksverschlüsselung“ an.

Welche Chancen und Gefahren birgt die digitale Transformation?

Die Digitalisierung kann Wirtschaftsbereiche schneller als je zuvor verändern. Wie eine Studie von Cisco kürzlich ergab, hat sie das Potenzial selbst etablierte Unternehmen komplett zu verdrängen. „Neue, schnelle Marktteilnehmer und innovative Traditionsfirmen erzeugen enormen Druck auf alle anderen Unternehmen“, sagt Michael Ganser, Zentraleuropa-Chef des Netzwerkspezialisten. Führungskräfte sähen zwar positive Möglichkeiten durch die digitale Transformation. „Doch nur eine Minderheit hat auch einen konkreten Plan.“

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Die Musikindustrie oder der Mediensektor mussten sich schon früh neuen digitalen Herausforderungen und Konkurrenten stellen. Aber auch Branchen wie die Autoindustrie oder der Maschinenbau sind längst nicht mehr vor Umwälzungen gefeit. In der Fertigungsindustrie werde der 3D-Druck in den nächsten fünf Jahren eine enorme Rolle spielen, sagt Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Da sind die Änderungen noch gar nicht ganz absehbar. Die Fertigungsprozesse müssen komplett neu überdacht werden.“

Innovationsprobleme scheint es vor allem beim Mittelstand zu geben. Warum?

Es mag paradox klingen, aber den Firmen geht es zu gut. „Die Mittelständler haben ein Problem, das sind die vollen Auftragsbücher“, sagt Rohleder. „Veränderung entsteht vor allem in Krisensituationen.“ Die deutsche Wirtschaft befindet derzeit jedoch in einer relativ komfortablen Lage. „Ich will nicht sagen, dass das gefährlich ist. Aber man übersieht dann leicht den Reformbedarf, während sich die Konkurrenz wappnet.“ Deutschland müsse quer durch alle Branchen die digitale Transformation managen, so der Appell des Bitkom. „Darum geht es in den nächsten Jahren: Also nicht mehr viel reden. Jetzt heißt es machen.“

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Bei der Digitalisierung unserer Wirtschaft sei noch Luft nach oben, meinte kürzlich Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Denn in einem Zehn-Länder-Vergleich der führenden Nationen schnitt Deutschland nur mittelmäßig ab. Demnach fiel Deutschland mit 53 von 100 möglichen Indexpunkten um einen Platz auf Rang sechs zurück. China verbesserte sich dagegen und rückt von Platz sieben zusammen mit Japan auf den vierten Rang vor.

Von Bastian Pauly

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