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Bundesnetzagentur: Stromnetz wächst zu langsam

Jahreswechsel Bundesnetzagentur: Stromnetz wächst zu langsam

Ohne einen deutlichen Netzausbau kommt die Energiewende nicht voran. Doch Freilandleitungen sind vielerorts kaum mehr durchsetzbar. Erdkabel sollen auf Dauer helfen. Für den Winter ist das Stromnetz aber gut gerüstet.

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Kunststoffrohre, durch die Strom-Erdkabel gezogen werden, auf einer Baustelle.

Quelle: Roland Weihrauch/Archiv

Bonn. Der Stromnetzausbau in Deutschland ist auch 2015 noch hinter den Zielen zurückgeblieben. "Von den 2009 geplanten 1876 Kilometern neuer Leitungen haben wir Ende 2015 gerade 558 geschafft - das ist enttäuschend", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, der Deutschen Presse-Agentur. Fehlende Leitungen zwängen die Netzbetreiber immer häufiger zu Abschaltungen. Die Kosten muss am Ende der Stromverbraucher tragen.

Allein für das Hoch- und Herunterfahren von Kraftwerken zur Sicherung der Netzstabilität seien im ersten Halbjahr 2015 rund 250 Millionen Euro angefallen - mehr als im gesamten Vorjahr. Bis zum Jahr 2020 könnte die Milliardengrenze für die jährlichen Kosten des sogenannten Redispatch überschritten werden. "Das ist ein deutliches Signal, dass wir mit dem Netzausbau schneller vorankommen müssen", sagte Homann.

Dasselbe gelte für das Abschalten von Wind- und Photovoltaikanlagen an Tagen mit regional sehr hoher Stromerzeugung und für den deutlich gewachsenen Bedarf an kurzfristiger Reservekraftwerkskapazität im Winter. Die von der Netzagentur gebuchte Kraftwerkskapazität für den Winter 2015/2016 hat sich im Vorjahresvergleich auf 7,5 Gigawatt mehr als verdoppelt. Allein für das Vorhalten der Kraftwerke - zum Beispiel in Österreich - bekommen die Betreiber rund 190 Millionen Euro.

Mit dieser Vorsorge sei das Netz gut gerüstet für den Winter, betonte Homann. "Da ist noch ausreichend Sicherheitsspielraum drin." Kritische Netzsituationen können entstehen, wenn die Leitungen etwa bei Starkwind wie Mitte November 2015 die großen nach Süddeutschland und ins Ausland verkauften Strommengen nur mit Mühe aufnehmen können.

"Ein Hoffnungszeichen ist, dass sich 2016 der Netzausbau leicht beschleunigen wird", sagte Homann. Mehrere Leitungsprojekte seien inzwischen in den Planungs- und Bauverfahren weit fortgeschritten. So soll unter anderem ein erstes Erdkabel-Pilotprojekt in Wechselstrom-Technik mit gut drei Kilometern Länge in Raesfeld (Niederrhein) 2016 ans Netz gehen. Darüber hinaus liefen die ersten Planungsverfahren für die weiteren rund 5500 Kilometer Leitungen gut an, die nach dem Bundesbedarfsplangesetz bis 2024 fertig werden sollen.

Für die künftigen drei neuen Stromautobahnen in Nord-Süd-Richtung mit insgesamt rund 2200 Kilometern Länge rechne er mit deutlich mehr Akzeptanz der Bürger, wenn künftig vorrangig mit Erdkabeln geplant werde. Das hatte der Bundestag Anfang Dezember beschlossen.

Das Umschwenken auf Erdkabel bringe zwar technisch bedingte Mehrkosten in Milliardenhöhe und teilweise Zeitverluste, weil Projekte wie die wichtige Leitung Suedlink von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg neu geplant werden müssten, sagte Homann. "Mit Freileitungen wäre das Ziel wegen der enormen Bürgerproteste aber gar nicht mehr erreichbar gewesen."

Für Suedlink rechnet Homann mit einem neu gefassten Planungsantrag im zweiten Halbjahr 2016. Die für 2024 geplante Großleitung soll Windstrom von der Küste in den Süden bringen, der wegen des Atomausstiegs zunehmend auf Strom aus dem Norden angewiesen ist.

Angesichts der deutlich steigenden Netzkosten in Deutschland plädierte Homann für eine vorsichtige Umgestaltung der Netzentgelte. Zumindest für das überregional betriebene Übertragungsnetz solle künftig ein bundesweit einheitliches Entgelt erhoben werden. "Das sind Kosten der Energiewende, das geht alle an", sagte Homann.

Bisher unterscheiden sich die Netzentgelte regional sehr stark, was vor allem von den belasteten Ländern Nord- und Ostdeutschlands kritisiert wird. Die Netzentgelte machen etwa ein Fünftel des Strompreises für die Endverbraucher aus. Sie steigen 2016 für einen typischen privaten Haushalt im Bundesschnitt voraussichtlich um rund sechs Prozent, regional teilweise deutlich stärker.

dpa

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