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Nachrichten Wirtschaft Bundesregierung fehlt Übersicht bei umstrittenen Finanzangeboten
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12:17 16.10.2018
Das Logo der Containerinvestmentfirma P&R Container Vertriebs und Verwaltungs-GmbH vor dem Gebäude des Unternehmens in München. Quelle: Matthias Balk/dpa
Berlin

Zehn Jahre nach der Pleite der Bank Lehman Brothers und dem dadurch ausgelösten Beben in der internationalen Finanzwelt werden Verbrauchern in Deutschland rund 10.200 Finanzinstrumente oder Investitionsmöglichkeiten angeboten, die dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt zuzurechnen sind. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bezeichnet Anbieter, die keine Erlaubnis der BaFin benötigen und nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen, als Teilnehmer des Grauen Kapitalmarkts. Bei Produkten, die dort angeboten werden, sollten Verbraucher besonders vorsichtig sein.

Überblick über finanziellen Verluste gibt es nicht

In ihrer Antwort räumt die Bundesregierung ein, dass ihr die Zahl der tatsächlich vertriebenen Vermögensanlagen nicht bekannt sei. Die Zahl 10.200 beziehe sich auf die Betrachtung der gebilligten Prospekte und gestatteten oder aktualisierten Vermögensanlageinformationsblättern im Zeitraum vom 1.9.17 bis zum 31.8.18. Zu Anlagemöglichkeiten bei sogenannten Schrottimmobilien oder Kryptowährungen lägen der Regierung keine Daten vor, heißt es weiter. Sie lehnt laut Antwort auf die Kleine Anfrage ab, der BaFin ein inhaltliches Prüfungsrecht, etwa nach Vorhandensein und Werthaltigkeit der Anlageobjekte in Verkaufsprospekten, einzuräumen. Die Rechnungslegungspflichten sowie von Wirtschaftsprüfern geprüfte Jahresabschlüsse seien ausreichend.

Einen Überblick über die jährliche finanziellen Verluste oder Gewinne von Verbrauchern durch Produkte des Grauen Kapitalmarkts gebe es nicht, heißt es in der Antwort der Bundesregierung: „Die bei Verbraucherinnen und Verbrauchern entstehenden Verluste werden von der BaFin nicht erfasst.“ Die BaFin prüfte insgesamt 56 Eingaben des Marktwächters Finanzen und der Verbraucherzentralen zu möglichen Verstößen gegen verbraucherschützende Normen. Außerdem gab es sechs Hinweise der Verbraucherzentralen wegen des Verdachts einer unerlaubten Tätigkeit. Die Bundesregierung hält in diesem Zusammenhang die Regelungen aus dem Kleinanlegerschutzgesetz von 2015 für ausreichend. Sie kündigte für das nächste Jahr einen Evaluierungsbericht im Finanzausschuss an.

„Die Bundesregierung lässt einen Schwarzmarkt auf dem Kapitalmarkt zu“

Der finanzpolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Fabio de Masi, sagte dem RND: „Die Bundesregierung lässt einen Schwarzmarkt auf dem Kapitalmarkt zu. Zahlen zu den Verlusten von Verbrauchern werden nicht erhoben.“ De Masi verwies auf die Verluste durch die Pleite des Containerdienstleisters P&R, dessen Gläubiger in dieser Woche zu einer der größten Gläubigerversammlungen der deutschen Nachkriegsgeschichte in München zusammenkommen. „Je nach Studie verlieren Verbraucher zwischen 20 und 30 Milliarden Euro pro Jahr durch unseriöse und hochriskante Produkte des Grauen Kapitalmarkts. Mancher Kleinanleger verliert dabei seine gesamten Lebensersparnisse. Da somit keine durchgreifende Regulierung zu erwarten ist, werden die finanziellen Verluste der P&R-Gläubiger leider nicht das Ende der Fahnenstange sein“, vermutet der Linke-Finanzpolitiker. „Wir brauchen deshalb eine verpflichtende öffentlich-rechtliche Zulassungsprüfung für Finanzinstrumente. Neben diesem Finanz-TÜV sind die Finanzanlagenvermittler der Aufsicht durch die BaFin zu unterstellen und der provisionsbasierte Verkauf von Finanzinstrumenten zu unterbinden. Die BaFin muss endlich zu einer inhaltlichen Prüfpflicht von Prospekten gezwungen werden.“

Von der P&R-Insolvenz sind insgesamt 54.000 Anleger betroffen, die mehr als 80 000 Forderungen angemeldet haben, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Die P&R-Pleite könnte mit einem möglichen Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro nach dem Flowtex-Skandal der 90er Jahre der zweitgrößte Betrugsfall seit 1945 sein. P&R hat nach bisherigem Ermittlungsstand etwa eine Million nicht existenter Container verkauft: In den Büchern standen 1,6 Millionen Stück, doch auffindbar sind nur 618 000. Die 54 000 P&R-Anleger hatten insgesamt etwa 3,5 Milliarden Euro investiert.

Von Thoralf Cleven/RND

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