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Wirtschaft Bundesweit fehlen rund 800 000 Wohnungen
Nachrichten Wirtschaft Bundesweit fehlen rund 800 000 Wohnungen
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17:58 04.07.2016
Leere Wohnungen und eingeschlagene Fensterscheiben prägen das Bild ganzer Häuserzeilen in der Packhofstraße in Wittenberge (Prignitz) Quelle: DPA
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Berlin

Der Wohnungsmarkt in Deutschland bleibt angespannt und ist weiter gespalten. Besonders in den westdeutschen Ballungszentren fehlen Wohnungen, obwohl die Investitionen in den Neubau gestiegen sind. Zugleich ist der Leerstand in den fünf ostdeutschen Ländern weiterhin sehr hoch.

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Nach Angaben des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) müssten in Deutschland pro Jahr rund 400 000 Wohnungen gebaut werden. Es seien im vorigen Jahre aber nur rund 248 000 Einheiten fertiggestellt worden. „Das deckt den Bedarf immer noch nicht“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko, der am Montag in Berlin seinen Jahresbericht präsentierte. Derzeit fehlten rund 800  000 Einheiten, viele davon im sozialen Wohnungsbau. Der Branchenverband vertritt rund 3000 Unternehmen, in deren Wohnungen rund 13 Millionen Menschen leben.

Aus Sicht des GdW ist in den letzten Jahren zu wenig gebaut worden. Demografischen Veränderungen sei nicht ausreichend Rechnung getragen worden. Immer mehr Menschen werden älter und bleiben in ihren Wohnungen. Überdies gibt es mehr Single-Haushalte als in den vergangenen Jahren. Der Bedarf an neuen, bezahlbaren Wohnungen wächst.

Die ländlichen Räume – vor allem im Osten – sind die Verlierer dieser Entwicklung. Sie leiden besonders unter dem Weggang der jungen Menschen zwischen 18 und 35 Jahre, die es in Großstädte zieht. Gewinner der Binnenwanderung sind 30 Großstädte in Deutschland, wie die GdW-Studie zeigt. Brandenburg ist in dieser Liste der jungen „Schwarmstädte“ nicht vertreten – auch Potsdam nicht. In diesen Städten hat sich die Zahl der jungen Einwohner aus den Geburtsjahrgängen 1973-1993 in nur fünf Jahren (2008-2013) mehr als verdoppelt. Neben Berlin sind in dem 30er-Ranking aus Ostdeutschland die Städte Leipzig, Dresden, Jena, Halle und Rostock vertreten.

In Brandenburg gibt es beim Wohnungsleerstand weiterhin eine Kluft zwischen dem Berliner Umland und dem „weiteren Metropolenraum“. Dort ist der Leerstand nach Angaben der Brandenburger Wohnungswirtschaft fast fünfmal so hoch. Die Quote dort liegt bei knapp 11 Prozent. Der GdW appellierte an die Politik, die Städtebau- und Regionalförderung stärker auf diese „Schrumpfungsregionen“ zu konzentrieren. Die politische Agenda müsste stärker auf die Förderung gleichwertiger Lebensbedingungen ausgerichtet werden, hieß es.

Präsident Gedaschko forderte den Bundestag auf, der geplanten Sonderabschreibung für den Bau von Mietwohnungen in dieser Woche zuzustimmen. Es dürfe „keine Hängepartie geben“, weil sonst Investoren ihre Projekte zurückstellten. Es geht um eine steuerliche Sonderabschreibung für drei Jahre für Bauherren von Mietwohnungen. Sie soll dazu führen, dass Investoren in Regionen mit hoher Nachfrage – den Ballungszentren also – auch Mietwohnungen im unteren und mittleren Preissegment bauen. Bundestag und Bundesrat sollten sich jetzt schnell auf einen Kompromiss einigen. Sonst gingen wieder Monate verloren, in denen sich Geldgeber fragten: Kommt sie oder kommt sie nicht, die Sonderabschreibung? Das führe zu Abwarten, Zurückhaltung und letztlich weniger neuen Wohnungen in diesem Jahr.

Höchste Leerstandsquote in Sachsen-Anhalt

11,3 Prozent – das ist für Sachsen-Anhalt bundesweit die höchste Leerstandsquote. Gegenüber dem Vorjahr ist sie um 0,5 Prozent gesunken. Sachsen liegt mit 8,5 Prozent dahinter, es folgt Thüringen (8,1).

Brandenburg liegt bei 7,7 Prozent bundesweit auf Platz 4. Die niedrigste Quote in den neuen Ländern hat – abgesehen vom Stadtstaat Berlin (1,6) – Mecklenburg-Vorpommern mit 6,2 Prozent.

4,4 Prozent – das ist der Wert für das Saarland, das damit im Westen den höchsten Wert aufweist. Hamburg hat mit 0,8 Prozent die niedrigste Quote aller Länder. Mit 1,5 bzw. 1,6 Prozent verfügen Hessen und Niedersachsen über die niedrigsten Leerstandsquoten im Westen.

Von Igor Göldner

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