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Teltows heimlicher Exportmeister

Chipwiderstand-Produzent Microtech Teltows heimlicher Exportmeister

Die Firma Microtech produziert in Teltow Chipwiderstände für den Weltmarkt. Die Geschäfte laufen gut, gerade erst ist das Unternehmen mit dem Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet worden. Und der Seniorchef muss sich keine Sorgen um die Zukunft machen.

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Die Geschäftsführer Michaela Behrendt und Joachim Barthel (vorn) mit den Mitarbeitern Winfried Jenke, Katrin Martin, Gerd Nowak, Enrico Schlüter und Jörg Stahnke (hintere Reihe v. l.)

Quelle: Privat

Potsdam. Ob bei 30 Grad Kälte oder brütender Saharahitze, die Elektronik eines Fahrzeugs hat zu funktionieren, da dürfen Temperaturen keinen Unterschied machen. Es sind anspruchsvolle Kunden wie die Automobilindustrie, die auf Produkte von Microtech in Teltow (Potsdam-Mittelmark) bauen. Der Hersteller von Chipwiderständen, Sensoren und Widerstandsnetzwerken zählt zu den unscheinbaren Riesen, die in der Mark für den Weltmarkt produzieren.

„Wir liefern sogar bis nach China und Indien“, sagt Joachim Barthel, 72. Der Seniorchef ist vom ersten Tag an dabei, als er und ein Partner im Oktober 1990 den VEB Elektronische Bauelemente „Carl von Ossietzky“ verließen und mit Microtech den Neustart wagten. Seither ist viel passiert: Der VEB ist längst Geschichte, ebenso wie die Insolvenzangst bei Microtech um die Jahrtausendwende. Heute liefert der Chipwiderstand-Hersteller an Siemens und Bosch, misst sich im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus Südkorea, Japan und Taiwan.

Das klappt ganz gut, weil die Qualität stimmt und die großen Kunden es zu schätzen wissen, dass ihr Zulieferer in Deutschland produziert. Die scheinbar unaufhaltsam voranschreitende Digitalisierung lässt die Nachfrage steigen. 500 Millionen Widerstände produziert man in Teltow pro Jahr. Der jährliche Umsatz liegt bei fünf Millionen Euro, 2014 gab es ein Plus von fast 20 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren konnte das Unternehmen seine Eigenkapitalquote von nahezu 0 auf 90 Prozent steigern – ein Ausweis von Solidität und Zukunftsfähigkeit. Der wirtschaftliche Erfolg ist einer der Gründe, warum Microtech jetzt mit dem Großen Preis des Mittelstands bedacht wurde. Die Auszeichnung bringt Anerkennung und Aufmerksamkeit. Und vielleicht noch ein paar zusätzliche Aufträge.

Was in Teltow entwickelt, gefertigt und in alle Welt exportiert wird, findet sich nicht nur in Autos wieder, sondern auch in LED-Leuchten und Kernspintomografen. „Wir stellen die hochwertigen Sortimente her“, sagt Joachim Barthel. „Chipwiderstände unterscheiden sich in Bezug auf Toleranz und Temperaturverhalten.“ Was in Smartphones und Fernsehern zum Einsatz kommt, zählt eher zur Billigware – Toleranz und Temperaturkoeffizient sind vergleichbar hoch. Nicht so die Produkte aus dem Hause Microtech. „Die Materialen haben sich bei Temperaturschwankungen nicht zu verändern.“

Bei allen Erfolgen – die üblichen Probleme der Branche gehen auch an den Teltowern nicht spurlos vorüber. Stichwort: Fachkräftemangel. „Die Großen“, sagt Barthel über die Elektronikriesen, „nehmen uns die Fachkräfte von der Hochschule weg, zahlen Gehälter, die wir uns nicht leisten können, und drücken unsere Preise.“

Das Unternehmen hat eigene Strategien entwickelt, die gut 50 Mitarbeiter – vom Ungelernten bis zum Diplomingenieur – bei Arbeitslaune zu halten. „Ein gutes Betriebsklima hat bei Microtech einen hohen Stellenwert“, heißt es etwa in der Begründung zur Auszeichnung mit dem Großen Preis des Mittelstandes. Beschäftigte werden regelmäßig in Weiterbildungen gefördert. Und zu Neujahr serviert die Geschäftsleitung schon mal das Frühstück.

Seniorchef Joachim Barthel macht sich keine Illusionen. Man könne nicht jedes Jahr mit so großen Umsatzsprüngen wie 2014 rechnen. Aber um die Zukunft ist ihm trotzdem nicht bange. Denn eine Herausforderung, die so manches kleine und mittlere Unternehmen umtreibt, hat er schon gemeistert: die Regelung seiner Nachfolge. Die Geschäfte bleiben eine Familienangelegenheit. Barthels Tochter, Michaela Behrendt, ist Geschäftsführerin und Gesellschafterin.

Für den Senior ist das nicht nur eine Randnotiz. Joachim Barthel bezeichnet als „großes Geschenk“, die Zukunft der Firma in guten Händen zu wissen. „Ich hätte Microtech für ein paar Millionen verkaufen können. Dann hätte ich ein bisschen Geld gehabt“, erzählt der 72-Jährige. „Aber das ist mir nicht so wichtig.“

Prämiert mit dem Großen Preis des Mittelstandes

Der Große Preis des Mittelstandes wird seit 1995 von der Oskar-Patzelt-Stiftung ausgelobt. Neben wirtschaftlichen Kriterien ist auch regionales Engagement von Bedeutung.

Preisträger aus Brandenburg sind in diesem Jahr neben der microtech GmbH electronic das Bauunternehmen Haacke Haus GmbH + Co. KG in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) und das Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann GmbH in Cottbus.


Haacke Haus produziert und baut zum Festpreis vorgefertigte Einfamilienhäuser, die hohen Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Das Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann zählt zu den führenden Anbietern für Orthopädie- und Rehatechnik sowie Sanitäts- und Homecare-Artikel in Südbrandenburg.

Von Bastian Pauly

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