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Chlor auf der Hähnchenkeule?

TTIP Chlor auf der Hähnchenkeule?

Gechlortes Hähnchenfleisch in der Pfanne? Bei dem Gedanken wird es vielen Verbrauchern in Deutschland ganz anders. Obwohl die Desinfektion Keime wie Salmonellen reduziert. Für die USA, wo Chlor erlaubt ist, ist die Debatte in Europa unwissenschaftlich.

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Hähnchen in Massentierhaltung.

Quelle: dpa

Potsdam. Das Chlorhuhn ist zum Symbol der TTIP-Gegner geworden. Ein nacktes Hühnchen im Desinfektionsbad eignet sich wohl auch gut zur Abschreckung – denn appetitlich sieht es nicht gerade aus. Dabei haben führende Forschungseinrichtungen schon Entwarnung gegeben: Die Desinfektion von Geflügelfleisch sei für die Lebensmittelsicherheit unbedenklich, schreibt zum Beispiel die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließt sich dieser Einschätzung an.

Jeder legt Wert auf Hygiene – auf seine Art

Das Chlorbad, in das Geflügelfleisch in den USA standardmäßig vor dem Verkauf gelegt wird, tötet Keime wie Salmonellen auf dem Fleisch ab, die beim Menschen zu Magen-Darm-Erkrankungen führen können. In der EU ist die Chlorbehandlung verboten. Grund dafür ist vor allem ein anderer Hygieneansatz: Denn während es in den USA um das Endprodukt geht, legt die EU Wert auf einen hygienisch einwandfreien Produktionsprozess. „From farm to fork“ nennt sich dieses Prinzip – vom Hof bis auf die Gabel.

Darum ist Chlor in der EU (noch) verboten

Auf diese Weise konnte die Salmonellenbelastung auf Geflügelfleisch in der EU zwar reduziert werden, allerdings fand das BfR bei einer Schlachthofuntersuchung im Jahr 2010 immer noch auf rund 17 Prozent der Hähnchenkörper Salmonellen. Der Einsatz von Chlorverbindungen wurde deshalb auch in der EU immer wieder diskutiert – bisher allerdings nicht erlaubt. Grund seien noch ungeklärte Fragen zur Resistenzbildung und Umweltverträglichkeit. Außerdem würde das Chlor nicht nur krank machende, sondern auch natürlich vorkommende Keime abtöten. „Kommt es zu einer erneuten Kontamination mit krank machenden Keimen, gibt es damit keine in Konkurrenz wachsenden Bakterien mehr, die das Wachstum der unerwünschten Mikroorganismen einschränken könnten“, schreibt das BfR in einer Stellungnahme.

USA findet Chlorverbot unwissenschaftlich und diskriminierend

Die USA kritisieren das seit 1997 bestehende Verbot der Einfuhr von gechlortem Hühnchenfleisch in die EU. Es sei wissenschaftlich ungerechtfertigt und deshalb diskriminierend. Für die amerikanische Geflügelwirtschaft führe das Importverbot jährlich zu Einnahmeverlusten von vielen Millionen Dollar, moniert die US-Regierung.

Würden mit TTIP nicht nur die Zölle, sondern auch das Chlorverbot fallen, könnten die USA ihre Ausfuhren nach Europa um ein Vielfaches steigern. Laut einer Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums vom November 2015 würde das Handelsvolumen von derzeit noch fast null auf 18 Millionen Dollar steigen.

EU-Geflügelwirtschaft fürchtet Konkurrenz aus den USA

Auch wenn das immer noch vergleichsweise wenig ist, ist die europäische Geflügelwirtschaft strikt gegen eine Marktöffnung. Denn weil die Konkurrenz aus den USA Geflügelfleisch etwa 20 Prozent günstiger produzieren kann, könnten die Landwirte hierzulande ebenfalls gezwungen sein, das Produktionsniveau zu senken. „Die insbesondere in Deutschland sehr hohen Tier-, Umwelt- und Hygienestandards sind mit höheren Erzeugungskosten verbunden“, bestätigt der Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Florian Anthes. „Diese Standards dürfen nicht durch kostengünstigere Importe aus den USA abgesenkt werden.“ Tatsächlich sind die Haltebedingungen in den USA nicht so gut wie in der EU. So ist zum Beispiel der Einsatz von Antibiotika als Wachstumsbeschleuniger erlaubt und auch das Schnabelkürzen ist weniger streng geregelt.

Gegner des Chlorhuhns können aber beruhigt sein: Denn im Zuge der TTIP-Proteste haben es führende Politiker schon zum Tabuthema tituliert. So sagte Kanzlerin Angela Merkel 2014 vor laufenden Kameras: „Es wird keinen Import aus Amerika von Chlorhühnchen geben. Das habe ich schon jahrelang verhindert und das werde ich auch weiter verhindern.“

Von Anne Grüneberg

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