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Das Chlorhühnchen kehrt zurück

Großbritannien Das Chlorhühnchen kehrt zurück

Die Hühnerfrage ist wieder auf dem Tisch: Nachdem die Zulassung von mit Chlor behandelter US-Hühnchen zum Symbol der Gegner von TTIP und EU-Mauschelei wurde, erleben ausgerechnet die Briten nun ein Déjà-vu: Einen neuen Handelsvertrag mit den USA soll es nur geben, wenn London den Hühnermarkt öffnet.

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Nach dem Brexit: Der Streit um die Hühnchen kehrt zurück.

Quelle: dpa

London/Hannover. In Großbritannien kehrt die Angst vor den berüchtigten Chlorhühnchen zurück. Nach ersten Gesprächen über ein Handelsabkommen mit den USA nach dem geplanten Austritt aus der Europäischen Union 2019 übermittelte Handelsminister Liam Fox in dieser Woche eine heikle Nachricht an seine Kabinettskollegen. Die USA fordern von der britischen Regierung grünes Licht für den Export von billigen Chlorhühnchen nach Großbritannien.

Den Briten dürfte die Forderung wie ein Déjà-vu vorkommen: Es ist gerade einmal zwei Jahre her, als die Angst vor der Zulassung der mit Chlor gewaschenen US-Hühnchen zum Symbol für die europaweite Skepsis gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP wurde, das den Freihandel zwischen der EU und den USA bringen sollte. In Großbritannien musste die vermeintliche Absenkung von Lebensmittelstandards durch die TTIP-Verhandlungen der EU beim Hühnchen als Argument der Brexit-Befürworter herhalten. Brüssel senke aus wirtschaftlichen Gründen die Standards für Lebensmittel und schädige damit den Binnenmarkt, argumentierten die Brexit-Befürworter damals – und setzten sich im vergangenen Sommer schließlich bei dem Referendum zum EU-Austritt durch.

Der Umweltminister will keine US-Standards

Mittlerweile liegt das EU-US-Freihandelsabkommen samt Hühnchenexport auf Eis – auch weil US-Präsident Donald Trump in dem Freihandel eine Gefahr für die heimische Wirtschaft sieht. Die US-Hühnchen bleiben in der EU verboten. Stattdessen versucht der „America First“-Präsident nun offensichtlich, die Chlorhühnchen nach Großbritannien zu exportieren. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Nach dem Brexit, der den EU-Statuten zufolge Ende März 2019 vollzogen werden muss, stünde London gänzlich ohne Handelsabkommen da, die in der EU Brüssel für alle Mitgliedsländer verhandelt und abschließt. Deshalb besteht in Großbritannien großer Druck, möglichst schnell neue Handelsverträge zu präsentieren, die die immensen Kosten des Austritts aus dem gemeinsamen europäischen Handelsraum ein Stück weit kompensieren können. Die USA haben sich für Verhandlungen – zur Freude der Regierung von Teresa May – bisher sehr offen gezeigt.

Wie der „Telegraph“ berichtet, ist in der Regierung bereits ein Streit darüber entbrannt, wie man mit den Chlorhühnchen umgehen soll. Während Handelsminister Fox und Außenminister Boris Johnson sich für den Import der Hühnchen ausgesprochen haben, soll der Umweltminister bereits sein Veto eingelegt haben. „Wir wollen und wir werden in diesem Land keine US-geprägte Landwirtschaft bekommen. Wir orientieren uns an höchsten Umwelt- und Qualitätsstandards“, soll Minister Michael Grove erklärt haben.

Die Briten stecken in einer Zwickmühle

Die Risiken der mit Chlor behandelten Hühnchen aus den USA sind bisher nicht erwiesen. Durchaus seriöse Studien weisen darauf hin, dass ein erwachsener Mann etwa drei ganze Hühnchen am Tag essen müsste, um die Grenzwerte für Chlor zu überschreiten.

Es geht bei dem Chlorstreit allerdings nicht ausschließlich um die Gesundheit. Das US-Chlorhühnchen ist 20 Prozent billiger in der Herstellung als ein britisches Hühnchen. Würde der Handelsvertrag den Export der Billighühnchen in den britischen Markt erlauben, müssten wohl auch die heimischen Landwirtschaftsbetriebe auf den US-Standard umstellen – allein um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies wiederum würde allerdings dazu führen, dass die britischen Hühnerproduzenten künftig nicht mehr für den EU-Markt auf dem europäischen Festland produzieren könnte. Dort bleiben Chlorhühnchen verboten.

Von Dirk Schmaler/RND

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