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13:15 06.10.2016
Manch einer der reichsten Deutschen könnte selbst in seiner Heimatstadt unerkannt über die Straßen schlendern.  Quelle: dpa/Symbolfoto
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Berlin

 Über Geld redet man nicht. Zumindest nicht, wenn man so viel hat, dass es für mehrere Leben reicht – und Deutscher ist. Hierzulande sind Superreiche kamerascheuer als beispielsweise ihre amerikanischen Kollegen.

Wer hat schon jemals Dieter Schwarz auf einer Jetset-Party tanzen sehen oder umgeben von Models auf einer teuren Luxusjacht? Auch die deutschen Klatschmagazine zeigen sie selten, die Superreichen. Und wenn, dann erkennt sie kaum ein Mensch.

Unerkannt durch Heilbronn

Auf Platz Nummer fünf des Rankings der reichsten Deutschen, das das „Manager Magazin“ veröffentlicht hat, steht besagter Dieter Schwarz. Der 77-Jährige ist Gründer der Discountkette Lidl. Die wächst und wächst, demnächst sollen Läden in New York oder Los Angeles entstehen.

Top Ten der reichsten Deutschen

Platz 1: Susanne Klatten und Stefan Quandt (BMW-Aktionäre), geschätztes Vermögen von 30 Milliarden Euro.

Platz 2: Familie Reimann; JAB-Holding; Vermögen: 29 Milliarden Euro.

Platz 3: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler (INA-Holding Schaeffler, Continental). Vermögen: 21,5 Milliarden.

Platz 4: Familien Albrecht, Heister (Aldi Süd), Vermögen: 20 Milliarden Euro.

Platz 5: Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland), Vermögen: 19 Milliarden Euro.

Platz 6: Familie Theo Albrecht jr. (Aldi Nord), Vermögen: 17,2 Milliarden Euro.

Platz 7: Familie Otto (Otto Versand, ECE), Vermögen: 12 Milliarden Euro.

Platz 8: Heinz Hermann Thiele (Knorr-Bremse, Vossloh, Werdohl), Vermögen: 9,5 Milliarden Euro.

Platz 9: Klaus-Michael Kühne (Kühne + Nagel, Hapag-Lloyd), Vermögen: 9,4 Milliarden Euro).

Platz 10: Familie Würth (Würth-Gruppe), Vermögen: 9 Milliarden Euro.

Schwarz’ Vermögen wird auf 19 Milliarden Euro geschätzt, und sein aktuelles Aussehen unterliegt auch eher Schätzungen. Der Mann hat es zu verhindern gewusst, dass brauchbare Fotos von ihm kursieren. Und so ist es ein Leichtes für Schwarz, unerkannt durch seine Heimatstadt Heilbronn zu schlendern oder auch bei Lidl einkaufen zu gehen.

Die Familie des Konkurrenten Aldi (Platz sechs) gibt sich ebenfalls äußerst zugeknöpft. Bis vor Kurzem jedenfalls. Der Machtkampf zwischen dem Gründersohn Theo Albrecht jr. und der Familie des 2012 verstorbenen Bruders Berthold gewährte einen eher unschönen Einblick in die Aldi-Dynastie.

Babette Albrecht – Witwe des Aldi-Gründersohns Berthold. Quelle: dpa

Mitte des Jahres griff der scheue Theo zu einem für ihn revolutionären Mittel und gab dem „Stern“ ein Interview, in dem er über die Frau seines Bruders, Babette Albrecht, herzog. Der Vorwurf: Seine Schwägerin verstoße gegen den Letzten Willen von Berthold. Babette schäumte, holte zum verbalen Gegenschlag aus – und tauschte das diskrete Dasein gegen ein öffentliches: Die Witwe und Mutter von erwachsenen Vierlingen sowie einer Tochter zeigt ihren Reichtum jetzt gern.

In weißer Paradeuniform feiert die 56-Jährige Karneval, nimmt an Oldtimer-Paraden teil und sitzt bei „Let’s Dance“ oder bei Modenschauen in der ersten Reihe. Teurer Schmuck inklusive. Das passt dem mit Bescheidenheit groß gewordenen Aldi-Clan gar nicht.

Reiche halten nichts vom Rentnerdasein

Wie sehr öffentlich sichtbarer Reichtum schaden kann, hat Susanne Klatten (Platz eins gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan Quandt) schmerzlich erfahren müssen. Die mittlerweile 50-jährige BMW-Erbin wurde von einem Mann, der es auf ihr Geld abgesehen hatte, verführt und dann erpresst. Klatten zahlte kein Geld. Der Preis dafür: Ihre pikante Geschichte wurde in der Öffentlichkeit breitgetreten.

Angeblich weiterhin die reichsten Deutschen: Die Unternehmerin Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan Quandt. Quelle: dpa

„Schraubenkönig“ Reinhold Würth (Platz zehn) wurde sein Reichtum beinahe zum Verhängnis. Im vergangenen Jahr verschleppten Kidnapper seinen Sohn, den seit einer missglückten Impfung behinderten Markus Würth, aus einer Fürsorgeeinrichtung. Die Entführer banden ihn an einen Baum und forderten
2 Millionen Euro Lösegeld.

Kurze Zeit später gaben sie überraschend auf und schickten die Geodaten der Stelle, an der Markus Würth gefangen gehalten wurde, an die Polizei. Heute betätigt sich der 81-jährige Patriarch Würth als Mäzen. Der passionierte Pilot hat eine beachtliche Kunstsammlung, die auf gut 15 000  Werke geschätzt wird.

Zum guten Ton unter deutschen Milliardären gehört es auch, eine Stiftung zu gründen. Michael Otto (Platz sieben) von der Otto Group etwa hat im vergangenen Jahr seine Anteile einer Umweltstiftung vermacht.

Und noch etwas eint viele Reiche: Sie halten nichts vom Rentnerdasein. Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (Schaeffler/Continental, Platz drei) denkt auch mit 75 Jahren nicht an einen Rückzug aus der Firma. Ebenso der gleichaltrige Heinz Hermann Thiele (Platz acht), Aufsichtsratsvorsitzender von Vossloh und Eigentümer der Knorr-Bremse. Thiele, einer der wenigen deutschen Selfmade-Milliardäre, gilt als extrem misstrauisch und vertraut nur einem einzigen Menschen: sich selbst.

Von Heike Manssen

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