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Das wird teuer: HBCD-Dämmung ist jetzt Sondermüll

Teure und aufwändige Entsorgung Das wird teuer: HBCD-Dämmung ist jetzt Sondermüll

Styropor-Dämmplatten mit dem Flammschutzmittel HBCD sind seit Anfang Oktober kein normaler Abfall mehr. Bau- und Abfallfirmen befürchten hohe Kosten und „Entsorgungsnotstand“.

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Styropor-Dämmplatten enthalten heute kein HBCD mehr.

Quelle: dpa

Potsdam. In den beiden Brandenburger Sondermüllverbrennungsanlagen Schöneiche (Teltow-Fläming) und Schwedt/Oder (Uckermark) laufen die Öfen heiß. Dämmplatten aus mit Flammschutz versehenem Styropor gelten seit Anfang Oktober als Sonderabfall – und müssen fortan separat entsorgt werden. Pro Jahr sollen in Berlin und Brandenburg bei Abriss- und Sanierungsmaßnahmen von Gebäuden künftig bis zu 800 Tonnen davon anfallen, wie man im märkischen Umweltministerium schätzt.

Die erweiterte Mülltrennung ist für die Bauwirtschaft aufwändig und kostspielig. Bei der Fachgemeinschaft (FG) Bau Berlin-Brandenburg befürchtet man zudem Entsorgungsengpässe, weil die beiden Brandenburger Verbrennungsanlagen für den zusätzlichen Müll aus beiden Bundesländern zu wenige Kapazitäten bieten würden. „Die Abfälle müssen somit unter anderem über weite Strecken transportiert werden, um überhaupt entsorgt werden zu können. Das steigert die Kosten für die Bauunternehmer enorm“, ließ FG-Bau-Hauptgeschäftsführer Reinhold Dellmann mitteilen. „Werden kurzfristig keine Lösungen gefunden, kann der Entsorgungsengpässe sogar dazu führen, dass Bauvorhaben ins Stocken geraten.“

Dazu kommt die Sorge um erhebliche finanzielle Mehrbelastungen. Dellmann rechnet vor: 3750 bis 6500 Euro pro Tonne könnte die Entsorgung des Dämmmaterials ersten Schätzungen zufolge kosten. Für herkömmliche Baumischabfälle, zu denen die Platten bisher zählten, fallen dagegen pro Tonne lediglich 250 bis 300 Euro an.

Die knappen Kapazitäten treiben auch die Abfallbranche um. Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), warnte die Bundesländer bereits in der vergangenen Woche vor einem „Entsorgungsnotstand von bislang nie erlebtem Ausmaß“. Die Länder müssten handeln und kurzfristig ein vom Verband gefordertes Maßnahmenpaket umsetzen – etwa um die Genehmigung zur Verbrennung gefährlicher Abfälle zu erleichtern. „Mittelfristig muss allerdings die gesamte Regelung zurückgenommen werden.“

In der Entsorgungswirtschaft herrschte zuletzt große Verunsicherung. Medienberichten zufolge weigerten sich Containerfirmen, Bauschutt mit dem alten Dämmmaterial abzufahren. Auch Verbrennungsanlagen lehnten eine Entsorgung ab, da dies mit dem Einholen von Sondergenehmigungen verbunden sei.

Im brandenburgischen Umweltministerium kann man die Aufregung nicht nachvollziehen. „Wir haben ausreichend Entsorgungskapazitäten. Wir können die Abfälle unterbringen“, erklärt Sprecher Jens-Uwe Schade.

Die große Unbekannte ist die zu erwartende Menge des künftig anfallenden Sondermülls. Die Annahme von 800 Tonnen pro Jahr für Berlin und Brandenburg ist lediglich ein heruntergebrochener Schätzwert. Grundlage ist die Aussage der Industrie, dass pro Jahr bundesweit 10.000 Tonnen anfielen. Die fraglichen Styropor-Dämmplatten, die das Flammschutzmittel HBCD – Hexabromcyclododecan – enthalten, wurden ab Mitte der 50er Jahre bis 2013 verbaut. Diese dürften jedoch vorwiegend in der alten Bundesrepublik und West-Berlin verbreitet sein.

Die staatliche Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin (SBB) bemüht sich darum, die Sorgen von Bau- und Abfallwirtschaft zu zuerstreuen. „Die Sonderabfallverbrennungsanlagen sind gut ausgelastet“, sagt Prokuristin Ariane Blaschey. Deshalb sollten die Abfallerzeuger die behandelten Styropor-Dämmplatten nicht direkt verfeuern lassen, sondern ausgewiesene Vorbehandlungskapazitäten nutzen, „um die Verbrennungskapazitäten zu schonen“, erklärt Blaschey. Zudem plant die SBB, die Entsorgungskapazitäten weiter auszubauen.

HBCD-Flammschutz als Risiko

Der Zusatz Hexabromcyclododecan (HBCD) soll verhindern, dass Styropor-Dämmplatten Feuer fangen. Verbaut wurden diese von Mitte der 50er Jahre bis 2013. Die Nutzung der Platten gefährdet weder Mensch noch Umwelt.

Bei Verarbeitung und Entsorgung stellt HBCD allerdings ein Risiko für die Umwelt dar. Es ist nur schwer biologisch abbaubar und reichert sich in Lebewesen an. Seit Frühjahr 2016 darf das Flammschutzmittel in der EU nicht mehr gehandelt und verwendet werden. Als Ersatz kommt heute PolyFR zum Einsatz. Seit Oktober ist Dämmung mit HBCD-Anteil Sondermüll.

Von Bastian Pauly

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