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Das würde der Brexit für Brandenburg bedeuten

EU-Referendum in Großbritannien Das würde der Brexit für Brandenburg bedeuten

„Politisch käme ein Austritt einem Erdbeben gleich“: Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hält die politischen und ökonomischen Folgen eines „Brexit“ für gravierend. Die EU würde ohne Großbritannien an Gewicht verlieren und auch die Firmen in Brandenburg würden das zu spüren bekommen. Ein Interview.

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Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD).

Quelle: MAZ

Potsdam. . Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerbert (49, SPD) ist seit November 2014 in diesem Amt. Davor war er von 2009 bis 2014 Chef der Staatskanzlei.

Am Donnerstag entscheiden die Briten, ob sie in der EU bleiben oder nicht. Womit rechnen Sie?

Gerber: Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben. Ich wage keine Prognose, habe aber schon die Hoffnung, dass sich die Briten am Ende für einen Verbleib in der EU entscheiden.

 Was wäre so schlimm am „Brexit“?

Gerber: Großbritannien ist ein zentrales Land in Europa. Es hat als ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Vetorecht. Es ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU und eine wichtige Militärmacht in Europa. Die Briten sind auch eine Art ´Dolmetscher´ in Richtung der Vereinigten Staaten. Die EU würde ohne Großbritannien an Gewicht verlieren. Politisch käme ein Austritt einem Erdbeben gleich.  

Immer wieder hört man auch den Satz: „Lasst sie doch gehen, wenn sie unbedingt wollen.“ Wie groß wären die wirtschaftlichen Nachteile, wenn es zum Austritt käme?

Gerber: Ökonomisch wäre der Schaden für Großbritannien selbst vermutlich am größten. Das Land würde seinen Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren. Der Handel würde deutlich erschwert. Gravierende Auswirkungen gäbe es auch für den Finanzplatz London. Einige Banken würden sicher ihren Sitz in Richtung EU verlagern. Es müssten völlig neue Freihandelsabkommen verhandelt werden. Und so etwas kann dauern. Die Unsicherheit wäre riesig.

Welche Folgen hätte ein Austritt für Deutschland?

Gerber: Auch Deutschland würde das zu spüren bekommen. Institute rechnen mittelfristig mit einer geringeren Wirtschaftskraft und Verlusten zwischen minus 0,1 und minus 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Wie sehr würden EU-Skeptiker und Rechtspopulisten Auftrieb bekommen?

Gerber: Damit wäre zu rechnen und das macht mir große Sorgen. Die Rechtspopulisten haben gar keine Antworten auf die wichtigen Fragen, wie man einen Sozialstaat organisiert oder ein friedliches Zusammenleben sichert. Mit einfachen Antworten bekommt man vielleicht kurzfristig Beifall. Ein Land lässt sich damit aber nicht regieren.

Was würde ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU für die regionale Wirtschaft bedeuten? In Brandenburg unterhalten 300 Unternehmen Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien.

Gerber: Es träfe sicher zuerst Unternehmen, die geschäftlich Beziehungen zu Großbritannien haben. Insgesamt denke ich, dass Brandenburg von einem „Brexit“ wirtschaftlich weniger stark betroffen wäre als beispielsweise Westdeutschland. Das hängt auch mit dem geringeren Import-Export-Anteil zusammen.

Wäre möglicherweise auch der Standort des britischen Flugzeugtriebwerke-Hersteller Rolls-Royce in Dahlewitz gefährdet?

Gerber: Darüber will ich nicht spekulieren. Das muss man abwarten.

30 britische Investoren in Brandenburg

Das Exportvolumen der rund 300 Brandenburger Unternehmen, die Briten-Geschäfte betreiben, beträgt fast 470 Millionen Euro. Laut Potsdamer Industrie- und Handelskammer wurden 2015 Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp einer Milliarde Euro importiert. Knapp 30 britische Investoren engagieren sich bisher im Land.

Der Bundesverband Großhandel , Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) geht davon aus, dass ein „Brexit“ die Wirtschaft der ganzen EU hart treffen würde. „Ein Brexit führt zu Unsicherheit und Vertrauensverlust über Jahre“, so Präsident Anton Börner. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auf die Euroschuldenkrise und die Arbeitslosigkeit.

Von Igor Göldner

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