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Deutsche Wirtschaft entsetzt über Brexit

EU Deutsche Wirtschaft entsetzt über Brexit

Die Enttäuschung über den Brexit in der Wirtschaft ist riesig. Auf der Insel arbeiten Hunderttausende in Niederlassungen deutscher Konzerne, die Geschäfte werden leiden. Konzernchefs und Banken verlangen von der EU jetzt rasch Klarheit.

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VDA-Präsident Matthias Wissmann wies auf die Bedeutung Großbritanniens für deutsche Autobauer als Produktionsstandort hin.

Quelle: Gregor Fischer

Berlin/Frankfurt. Katerstimmung in den Chefetagen nach dem Brexit: Die deutsche Wirtschaft ist fassungslos über das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union. Die Industrie fürchtet harte und unmittelbare Folgen für den Handel mit der Insel.

Dort arbeiten fast 400 000 Beschäftigte in Niederlassungen deutscher Firmen. "Der Brexit ist für die deutsche Wirtschaft ein Schlag ins Kontor", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, am Freitagmorgen.

Auch die Exportwirtschaft sprach von einer Katastrophe für Großbritannien, Europa und Deutschland. "Es ist bestürzend, dass die älteste Demokratie der Welt uns den Rücken kehrt", meinte der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. "Die Briten werden die Ersten sein, die unter den wirtschaftlichen Folgen leiden werden."

Nach Einschätzung der Industrie wird der Brexit sich direkt negativ auf die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich auswirken. "Wir erwarten in den kommenden Monaten einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Neue deutsche Direktinvestitionen auf der Insel sind kaum zu erwarten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes BDI, Markus Kerber.

Besonders betroffen vom Brexit seien die Branchen Auto, Energie, Telekom, Elektronik, Metall, Einzelhandel und Finanzen. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, mahnte Besonnenheit an: "Nach einem EU-Austritt sollte niemand Interesse daran haben, mit Zollschranken zwischen Großbritannien und dem Festland den internationalen Warenverkehr zu verteuern." Der britische Automarkt sei in hohem Maße auf Importe angewiesen.

Der stark mit der britischen Wirtschaft verflochtene Autohersteller Opel setzt sich für eine schnelle Klärung der künftigen Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich ein.

Kurzfristig ist laut DIHK-Chef Schweitzer zu befürchten, dass der Absatz deutscher Produkte in Großbritannien schwächer wird. Der Handel werde schwieriger: "Großbritannien muss Handelsverträge weltweit, aber auch mit der EU komplett neu aufsetzen." Die EU-Verträge sehen zwei Jahren vor, um die künftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und London zu regeln.

Führende Chefvolkswirte von Banken und Versicherungen sowie der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, mahnten an, dass Wirtschaft und Märkte rasch Klarheit bräuchten: "Die Politik muss jetzt alles tun, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen." Der Direktor des arbeitgebernahen IW-Instituts, Michael Hüther, glaubt nicht, dass die Eurokrise erneut aufbricht.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher rechnet mit enormen wirtschaftlichen Kosten für Europa und erwartet in Deutschland im kommenden Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als zunächst angenommen. Großbritannien könnte in eine Rezession rutschen. Auch Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater rechnet mit einer Konjunkturdelle in Euroland und einer Rezession in Großbritannien.

Die deutschen Banken sind zuversichtlich, dass die Aktienmärkte sich rasch von den Schockwellen des Referendums erholen. "Die Lage an den Finanzmärkten dürfte sich nach dem ersten Schock rasch beruhigen", sagte der Präsident des Bankenverbandes, Hans-Walter Peters. Die Notenbanken hätten zudem alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen.

Peters geht davon aus, dass die Finanzplätze Kontinentaleuropas wie Frankfurt mittelfristig nach dem Brexit an Bedeutung gewinnen. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon meinte: "Wir brauchen jetzt eine ehrliche Revitalisierung der gemeinsamen europäischen Idee."

Der Betriebsrat der Deutschen Börse fordert Frankfurt als Rechtssitz der geplanten Superbörse mit der Londoner LSE. Es wäre "widersinnig, wenn der Hauptsitz nach London verlegt würde", heiß es.

Der Verband der Internetwirtschaft eco befürchtet Nachteile für die europäische Branche im Wettbewerb mit der US-Konkurrenz durch einen Austritt Großbritanniens aus der EU. Der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied, verwies darauf, dass Großbritannien für Deutschland auch bei Agrarprodukten und Lebensmitteln ein wichtiger Handelspartner sei. Beide Länder hätten in Fragen der Agrarpolitik "gleichgerichtete Vorstellungen".

Der Verband "Die Jungen Unternehmer" forderten eine grundlegende Neuausrichtung der EU und einen Rücktritt von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

 

dpa

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