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Brandenburger Patientenberatung vor dem Aus

Callcenter soll Kranken helfen Brandenburger Patientenberatung vor dem Aus

Der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) droht das Aus. Die Krankenkassen wollen die Aufgabe der Beratung an ein Duisburger Privatunternehmen übertragen. Auch die Potsdamer Beratungsstelle würde dann geschlossen. Ärzte und Politiker gehen gegen die Pläne auf die Barrikaden.

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Wo finde ich einen Facharzt? Die Patientenberatung hilft weiter.

Quelle: dpa

Potsdam. Darf ich in den Urlaub fahren, obwohl ich krankgeschrieben bin? Wo finde ich in der Prignitz einen guten Psychotherapeuten? Und wie kann ich mich wehren, wenn der Arzt mich falsch behandelt hat? Mit solchen und ähnlichen Fragen wenden sich jeden Monat rund 300 Hilfesuchende an Andrea Fabris und ihre beiden Kollegen von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) Brandenburg. Viele kommen persönlich in der Potsdamer Beratungsstelle vorbei, weil ihnen ein direktes Gespräch über das sensible Thema Gesundheit lieber ist als ein Telefonat, erzählt Fabris. Doch künftig können die Kranken womöglich nur noch von einem Callcenter-Mitarbeiter in Duisburg Hilfe bekommen.

Die Beratung soll die Firma Sanvartis übernehmen

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), wollen die gesetzlich vorgeschriebene Hilfe ab 2016 für sieben Jahre an das Privatunternehmen Sanvartis mit Sitz im Ruhrgebiet übertragen. Die Krankenkassen versuchten, sich die Beratung „unter den Nagel zu reißen“, sagt der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery. Auch in Brandenburg regt sich massiver Widerstand gegen die Pläne, denn Sanvartis hat auch schon für einige Krankenkassen wie AOK und Barmer gearbeitet. „Die UPD wurde geschaffen, um Patienten unabhängige Beratung frei von Interessen von Krankenkassen, Ärzteschaft und Pharmaindustrie zu ermöglichen“, erklärt Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). Das müsse auch weiterhin gewährleistet sein. Träger der UPD sind der Sozialverband VdK, die Verbraucherzentrale und der Verbund unabhängige Patientenberatung. Pro Jahr stehen ihm gut fünf Millionen Euro zur Verfügung. Der 220 Mitarbeiter zählende Callcenter-Dienstleister Sanvartis, der sich auf seiner Homepage als „der Spezialist für medizinische Kommunikation“ verkauft, soll jährlich rund neun Millionen Euro bekommen. Insgesamt geht es um ein Auftragsvolumen von 65 Millionen.

Die Landesregierung hat sich eingeschaltet

„Es ist unverständlich, warum die bewährte Anlaufstelle für Patienten aufgelöst werden soll“, sagt auch Brandenburgs Verbraucherschutzminister Helmuth Markov (Linke). Die Vor-Ort-Beratung müsse erhalten bleiben. Zuvor hatte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Nonnemacher, an die Landesregierung appelliert, Einfluss auf Bundesebene zu nehmen, um die Privatisierung und damit die drohende Schließung der Potsdamer Beratungsstelle zu verhindern. „Gerade die persönliche Beratung vor Ort ist für Patienten und Versicherte in Brandenburg enorm wichtig“, sagt Nonnemacher.

Die Berater kennen die Situation in Brandenburg genau und könnten so ganz gezielt informieren, wo es die besten Behandlungsmöglichkeiten für welches Leiden gibt, sagt auch Leiterin Andrea Fabris. Sie selbst ist Juristin. Ein einschlägiger Hochschulabschluss – in Jura, Medizin, Sozialpädagogik oder Pflegewissenschaften sei Voraussetzung, um als Berater tätig zu werden. Ob die Callcenter-Mitarbeiter auch über die Fachkenntnis verfügen, bezweifeln die Kritiker.

Die Patientenberatung

Die Unabhängige Patientenberatung
Deutschland
(UPD) hat 21 Beratungsstellen im Bundesgebiet.

Die Brandenburger Beratungsstelle befindet sich in den Potsdamer Bahnhofspassagen, Babelsberger Straße 18.

Geöffnet ist die Stelle Montag und Mittwoch von 13 bis 17 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 10 bis 14 Uhr. Telefonisch sind die Berater unter 0331/2006560 oder 0331/20150-82/ -84 zu erreichen.

Die Berater beantworten medizinische und juristische Fragen zu Gesundheitsthemen und helfen bei psychosozialen Problemen im Umgang mit Krankheiten. Das Angebot ist kostenfrei.

Onlineberatung unter: online-beratung.patientenberatung.de

„Auch künftig wollen wir eine Patientenberatung, die fachlich fundiert sowie neutral und unabhängig berät“, versichert hingegen Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes. Dass die unabhängige Patientenberatung künftig zu einem reinen Callcenter degradiert werden soll, wie gelegentlich kolportiert werde, sei „ausgemachter Unsinn“.

Die UPD hat mittlerweile einen Nachprüfantrag bei der Vergabekammer gestellt, um klären zu lassen, ob die Kassen den Auftrag überhaupt an Sanvartis vergeben dürfen. Innerhalb der nächsten vier Wochen wird eine Entscheidung erwartet. GKV-Chef Kiefer gibt sich siegessicher. Andrea Fabris hofft, dass es anders ausgeht – für die Patienten und auch für sich selbst. Denn nicht nur das Vieraugengespräch und die regionale Kompetenz gingen sonst für die Hilfesuchenden verloren. Andrea Fabris und ihre Kollegen verlören zum Jahresende ihren Job.

Von Marion Kaufmann

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