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Die Plastiktüte gibt’s kaum noch gratis

Kunststoff kostet künftig Die Plastiktüte gibt’s kaum noch gratis

Wer sich im Textilgeschäft neu einkleidet, bekommt die Plastiktüte an der Kasse gratis dazu. Das soll bald ein Ende haben – verspricht der Brandenburgs Handel. Der Verbrauch von Kunststofftüten soll schrittweise sinken. Umweltschützer sehen die freiwillige Initiative skeptisch.

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Kostenlose Werbeträger: Die Gratistüten könnten bald aus den Fußgängerzonen verschwinden.

Quelle: dpa

Potsdam. In den Potsdamer Bahnhofspassagen macht es der Kaffeeröster Tchibo schon mal vor. Die Plastiktüte an der Kasse gibt es nicht mehr gratis dazu, sondern kostet neuerdings einen Aufpreis, wie Centermanagerin Jana Strohbach berichtet. Kunden sollten sich an diesen Gedanken gewöhnen. Denn ab April sollen die meisten der im Handel ausgegebenen Plastiktüten etwas kosten.

2018 sollen 80 Prozent der Tüten kostenpflichtig sein

„Es beteiligen sich zum Start so viele Unternehmen, dass bereits 60 Prozent der Tüten im Handel erfasst sind“, sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Innerhalb von zwei Jahren sollen dann mindestens 80 Prozent der umweltschädlichen Tüten kostenpflichtig sein. Zu welchem Preis sie angeboten werden, sollen die Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen jeweils selbst festlegen. Ausgenommen sind besonders dünne Tüten, etwa für Obst und Gemüse.

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung reagiert der Handel auf eine Vorgabe von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie hatte die Branche im Januar zu einer schnelleren Umsetzung der schon länger angekündigten Vereinbarung gemahnt. Hintergrund ist eine Richtlinie der Europäischen Union vom April 2015, wonach sich die Mitgliedsstaaten zu einem geringeren Verbrauch an Plastiktüten verpflichten. Bis 2025 sollen es 40 Tüten pro Kopf und Jahr sein – in Deutschland sind es aktuell noch 71.

Tchibo, Karstadt und dm verbannen Gratis-Plastiktüten

Tchibo hatte den Gratis-Tüten-Bann bereits Anfang Januar angekündigt, Karstadt zog vor zwei Wochen nach. Demnach kosten Einwegtragetaschen bei der Kaufhauskette ab März größenabhängig fünf, zehn, 20 oder 30 Cent. Die Drogeriemarktkette dm schaltet ab April vom Test- in einigen Filialen auf Normalbetrieb. „Unsere Kunden haben dies überwiegend positiv aufgenommen“, sagt Erich Harsch, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung. „Deshalb ist es für uns folgerichtig, die Initiative des Einzelhandels mitzutragen.“ Erfolgreich verliefen auch Tests beim Elektronikhändler Saturn. Laut Unternehmen hat sich der Verbrauch in den teilnehmenden Filialen um 80 Prozent reduziert.

Umweltschützer kritisieren Freiwilligkeit

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert den freiwilligen Ansatz als zu kurz gegriffen und sieht fehlende Sanktionsmöglichkeiten als Problem. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass freiwillige Selbstverpflichtungen nicht so effizient sind wie gesetzliche Regelungen“, sagt Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe. Dem Handel fehle es an Interesse, das „günstige Marketinginstrument“ Plastiktüte abzuschaffen.

In anderen EU-Ländern macht die Politik mehr Druck. In Finnland, Dänemark und auf den britischen Inseln muss der Handel pro verkaufter Plastiktüte Abgaben an den Staat zahlen. In Irland sind es 22 Cent – die DUH fordert das auch für Deutschland. In Irland ist der Pro-Kopf-Verbrauch innerhalb eines Jahres von 328 auf 16 Tüten gesunken, ein Rückgang von 97 Prozent. „Das Beispiel zeigt, dass eine Abgabe den Verbrauch kurzfristig erheblich senken würde“, argumentiert Fischer, der ein weiteres Problem in der starken Konkurrenz im Handel sieht. Aus Sorge vor Wettbewerbsnachteilen könnten Unternehmen die Tüten zum Spottpreis anbieten – schließlich kostet ein Kunststoffbeutel im Einkauf lediglich 0,3 bis 0,8 Cent.

Von Bastian Pauly

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