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Die Schweinepest kommt näher

Tierseuche Die Schweinepest kommt näher

In Polen und Tschechien verenden weiter Wildschweine an der Afrikanischen Schweinepest. Die Seuche, gegen die es keinen Impfstoff gibt, konnte bislang nicht gestoppt werden. Angesichts aktueller Fälle in Westpolen ist die Gefahr, dass die Tierkrankheit nach Brandenburg eingeschleppt wird, sehr hoch. Bauern sind in großer Sorge.

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Auf einem Parkplatz der Autobahn 19 bei Lalendorf (Mecklenburg-Vorpommern) warnen Aushänge vor der Afrikanischen Schweinepest, die auch durch Lebensmittel übertragen werden kann.

Quelle: dpa

Potsdam. Schon ein weggeworfenes Wurstbrot bei der Autobahnrast könnte auch in Brandenburg verheerende Auswirkungen auf den Bestand an Hausschweinen haben. Das auf Tiergesundheit spezialisierte Friedrich-Löffler-Institut schlägt Alarm. Die Gefahr der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nach Deutschland sei angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien sehr hoch, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Ein besonderes Risiko bergen Fleischwaren aus betroffenen Ländern, die in der Inkubationszeit verarbeitet wurden. Werden achtlos entsorgte, kontaminierte Speisereste von Wildschweinen gefressen, droht eine unkontrollierte Ausbreitung der Seuche.

Die von Viren ausgelöste Krankheit befällt Haus- und Wildschweine – zumeist mit tödlichem Verlauf. Für den Menschen ist sie ungefährlich. Ursprünglich auf Afrika begrenzt, ist die Schweinepest über Georgien und Russland von Osten in die EU eingeschleppt worden. Sechs Mitgliedsstaaten sind inzwischen betroffen. Mehr als 4000 erkrankte Haus- und Wildschweine wurden gezählt.

Neuinfektionen in Westpolen

Allein in Polen gab es zwischen Ende November und Anfang Januar 279 neue Fälle bei Wildschweinen, zunehmend auch in den westlichen Landesteilen. Experten schätzen die Lage inzwischen als dramatisch ein. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) spricht von einer „ernsten Situation“ für Deutschland. Er forderte strikte Vorsichtsmaßnahmen. Auf Hinweisschildern und Handzetteln werden Lkw-Fahrer gebeten, keine Essensreste wegzuwerfen.

Auch in Brandenburg warnen Landwirte und Jäger davor, die Gefahr zu unterschätzen. Der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, forderte von der Landesregierung eine bessere Koordinierung der Gefahrenabwehr. „Mehrere Ministerien sind zuständig. Das erschwert die Abstimmungen“, beklagt Wendorff. Er fordert einen Koordinator mit Durchgriffsrechten auf alle Bereiche – vom Seuchenschutz bis zur Jagd. „Uns läuft die Zeit davon“, warnt Wendorff. Ein Ausbruch der Seuche in Brandenburg hätte dramatische Folgen für die Betriebe. Brandenburg ist mit 784 000 Tieren eher ein kleinerer Schweineproduzent, dennoch wäre der wirtschaftliche Schaden beträchtlich.

Hans-Christian Daniels will sich das lieber nicht ausmalen. Der 57-Jährige hält in Betrieben in Wollin (Potsdam-Mittelmark) und in Lindenberg (Oder-Spree) mehr als 3000 Sauen für die Ferkelzucht. „Abgesehen von der womöglich nötigen Tötung von Tieren wären Sperrbezirke und Vermarktungsverbote bereits ein massives Problem. Der Fleischabsatz würde einbrechen.“ Daniels hat auf seinen Höfen zusätzlich zu Duschschleuse und Spezialkleidung verschärfte Vorschriften erlassen. So dürfen Mitarbeiter kein rohes Schweinefleisch mitbringen. „Hackfleischbrote in den Frühstücksdosen sind tabu“, sagt der Landwirt.

Angesichts des verstärkten Infektionsdrucks fordert der Landesjagdverband, den Wildschweinbestand deutlich stärker als bisher zu dezimieren. „Dafür brauchen die Jäger Unterstützung vom Land“, sagt Verbands-Geschäftsführer Matthias Schannwell.

Wildschwein jetzt unverkäuflich

Die sogenannte Abschussprämie von 20 Euro gebe es bislang nur im Oderraum – wegen der Deichschäden durch Schwarzkittel, nicht aber um eine mögliche Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern. Angesichts der Überbestände sei der Schwarzwildmarkt ohnehin zusammengebrochen. „Das Fleisch ist unverkäuflich“, sagt Schannwell.

Dazu gebe es noch immer zahlreiche Einschränkungen für die Jäger. So sei die Jagd in Naturschutzgebieten noch immer stark eingeschränkt. „Das sind ideale Rückzugsgebiete vor allem auch für Wildschweine“, so Schannwell.

Anfüttern und abschießen

Um die Zahl der Wildschweine deutlich zu reduzieren hatte der Amtstierarzt von Brandenburg/Havel, Knut Große, zuletzt zu einem drastischen Schritt geraten. Jäger sollten die Tiere mit Mais in Gatter locken, um sie dort in größerer Zahl erlegen zu können. Ein Vorhaben, das auf Skepsis stößt. Für Jagdverbandschef Schannwell wäre es angesichts der Seuchengefahr in letzter Konsequenz unausweichlich.

Das Verbraucherschutzministerium kündigte gestern finanzielle Zuschüsse für die Jagdpächter an. Wie Ministeriumssprecher Uwe Krink sagte, soll jeder Jäger, der Wildschweinproben zur Untersuchung auf den Seuchenerreger abgibt, pro Tier 30 Euro erhalten.

Bund und Länder bereiten sich seit Monaten auf den möglichen Ausbruch der Seuche vor. Behörden haben einen Maßnahmenkatalog für diesen Fall erarbeitet. Demnach würden drei Gefahrenzonen eingerichtet. Während in der Kernzone um den Fundort der Schwerpunkt beim Sammeln von Kadavern liege, würden vor allem in der äußeren Pufferzone Wildschweine intensiv bejagt. Die Forscher gehen davon aus, dass dort eine Reduktion der Population um mehr als 70 Prozent nötig ist, um eine Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern. Dennoch gelang es bisher in keinem betroffenen Land, die Seuche auszumerzen.

Von Volkmar Krause

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