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Die versteckten Kosten der Kohle

Umweltschützer beklagen Milliarden-Subventionen Die versteckten Kosten der Kohle

Kohlestrom gilt gemeinhin als billig. Doch das nur, weil die Konzerne die wahren Kosten auf Steuerzahler oder Krankenkassen abwälzen, kritisieren Umweltschützer. Die Folgen der Kohleverstromung für Umwelt und die Gesundheit der Menschen seien skandalös, heißt es im neuen Kohle-Atlas der Heinrich-Böll-Stiftung.

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Ein Bagger frisst sich durch einen Lausitzer Tagebau.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. In der Debatte um die Zukunft der Braunkohle fordern Umweltschützer eine „grüne Revolution“. „Wer so tut, als könnte man die Klimaschutzziele auch ohne Stilllegung von Kohlekraftwerken erreichen, lügt sich selber in die Tasche“, sagte der Chef der Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, am Dienstag in Berlin. Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) präsentierte die Stiftung, die den Grünen nahesteht, einen 50-seitigen Kohle-Atlas. Darin werden die Folgen und versteckten Kosten der Kohleindustrie weltweit beschrieben. Fazit: Die Risiken von Kohleabbau und -Verstromung würden unterschätzt, kleingeredet, und ohne massive Subventionen wäre die Branche nicht wettbewerbsfähig.

18 200 vorzeitige Todesfälle gehen Schätzungen zufolge allein in der EU auf das Konto von kohlebedingter Luftverschmutzung. Die Gesundheitsfolgekosten seien immens und wurden von Fücks auf bis zu 43 Milliarden Euro pro Jahr allein in der EU beziffert. Seit 1950 sei die deutsche Kohleindustrie mit über 350 Milliarden Euro staatlich subventioniert worden. „Kohle kostet zigtausend Tote, es ist ein Skandal, von billigem Strom zu sprechen“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Doch Konzerne wie Vattenfall oder RWE hätten es „fantastisch verstanden, ihre Kosten auf die Allgemeinheit umzulegen“.

Bis ins Jahr 2020 will Deutschland den CO 2-Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Doch davon sei man „meilenweit entfernt“, erklärte Weiger. Wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele ernst nehme, müsse Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Vorschläge von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterstützen, sagte er. Doch der Widerstand gegen Gabriels Klimaschutzabgabe für ältere Kraftwerke stößt auf heftigen Widerstand in der Wirtschaft, bei Gewerkschaften, in Teilen der Union und in den Ländern mit Braunkohlerevieren: Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen fürchten massive Job-Verluste, sollte die Abgabe kommen. Am Mittwoch treffen sich die Wirtschaftsminister der Länder zu einer weiteren Gesprächsrunde mit Gabriel, um Alternativen zur Abgabe auszuloten.

Doch das Arbeitsplatz-Argument lässt BUND-Chef Weiger mit Blick auf das Lausitzer Revier nicht gelten. Es gebe wirtschaftliche Alternativen zur Kohle. Durch das Festhalten an dem fossilen Energieträger würden „zigtausend Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien kaputt gemacht“ oder im Ausland entstehen.

„Ein Festhalten an der Kohle können wir uns nicht mehr leisten – weder ökologisch noch ökonomisch“, sagte die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (Grüne). Der Bund und die Länder müssten „endlich anfangen, die Energiewende zu Ende zu denken“, forderte sie. „Deutschland kann nicht Energiewendeland sein und gleichzeitig größter Produzent der klimagefährlichen Braunkohle bleiben.“

Zahlen aus dem Kohle-Atlas

18 000
Menschen sterben in der EU pro Jahr an den Folgen der kohlebedingten Luftverschmutzung.

9,7
Milliarden Euro direkte und indirekte Subventionen fließen in Europa in die Kohlebranche.

238
Dörfer fielen deutschen Braunkohlerevieren zum Opfer, 18 Dörfer sind bedroht.

Die 35 größten Kohleproduzenten der Welt sind für ein Drittel der globalen Emissionen verantwortlich.

15,5 Milliarden Tonnen des klimaschädlichen Gases CO 2 gingen 2013 auf das Konto der Kohle. Das entspricht 43 Prozent der gesamten CO 2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Zementproduktion, heißt es in dem Kohle-Atlas der „Heinrich-Böll-Stiftung“.

Von Torsten Gellner

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