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13:28 12.05.2014
Enertrag setzt auf Windenergie. Quelle: dpa

Als Enertrag in den 90er-Jahren seinen Firmenstandort mitten aufs Feld setzte – auf eine alte Gutsverwaltung im uckermärkischen Dauerthal – wurden die Firmengründer nicht nur von der großen Stromindustrie belächelt. Die Vorstellung, dass erneuerbare Energien zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten von Kohle, Öl und Gas werden sollten, galt als Utopie. Heute lächelt niemand mehr. Enertrag will das Kraftwerk Uckermark bauen. Ein Kraftwerk, das rund um die Uhr Energie produziert. Nicht nur Strom, sondern auch Wasserstoff als Speichermittel.

Den größten Teil seiner Energie holt sich Enertrag aus den rauen Lüften. Rotorblätter von 520 Windkraftanlagen drehen sich vorwiegend in Deutschland, England, Polen, Frankreich und einigen anderen Ländern. 420 gehören dem Unternehmen selbst. 1,9 Terrawattstunden Öko-Strom fließen pro Jahr durch die Leitungen. Er wird in Direktvermarktung verkauft.

Auf riesigen Monitoren kann der Stab in der Leitwarte zu jeder Sekunde die gesamte Stromerzeugung überwachen – egal, wo die Windräder stehen. Die meisten firmeneigenen befinden sich in der Uckermark, die als eine der günstigsten Windregionen Brandenburgs gilt. Das Herz des Unternehmens steckt in einem modernen architektonisch anspruchsvollen Rundbau, der auch mit Geld der Europäischen Union errichtet wurde. Ohne den Zuschuss hätte Enertrag die zentrale Leitwarte so nicht gebaut. Im Inneren ist die komplette Steuerungstechnologie für eine 24-Stunden-Fernüberwachung. Hier laufen die Daten von 1400 Windenergieanlagen in ganz Europa zusammen. Neun Beschäftigte kontrollieren den Stromfluss, reagieren bei technischen Ausfällen, regeln die Umspannwerke. Das Unternehmen bietet einen kompletten Dienstleistungsservice für Eigentümer und Betreiber an. Innerhalb einer Stunde sind bei Bedarf Monteure vor Ort.

Kerngeschäft des schnell aufsteigenden und sich ausweitenden Unternehmens bleibt die Stromerzeugung. Ein Teil der 400 Beschäftigten, davon allein 170 am Stammsitz Dauerthal, kümmert sich um die langfristige Projektierung neuer Anlagen. Zusätzliche und leistungsstärkere Windräder sollen ans Netz gehen.

Das Kraftwerk Uckermark kann künftig auch Energie liefern, wenn kein Wind weht. Um Deutschland unabhängiger zu machen von Öl- und Gaslieferungen, testet das Unternehmen in einem Großversuch die Produktion des Speichermediums Wasserstoff in einem eigenen Hybridkraftwerk in Prenzlau. Durch einen intelligenten Verbund von Biogas, Windstrom und Wasserstoff steht eine konstante Leistung zur Verfügung. Ab September speist Enertrag den Wasserstoff in die Erdgasnetze ein. Das ist die Voraussetzung für den Ausbau der Elektro-Mobilität und der Wärmelieferung. Denn an Zapfsäulen und Heizungen spüren Verbraucher die Preisexplosion am heftigsten.

Von Oliver Schwers

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