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Wirtschaft Eine Chance für deutschen Käse
Nachrichten Wirtschaft Eine Chance für deutschen Käse
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14:04 16.04.2016
Käse aus Thüringen. Quelle: dpa
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Potsdam

Das Milchregal im US-Supermarkt Walmart ist dreimal so groß wie hierzulande. Es gibt Vollmilch, Milch mit 2 Prozent Fett, Milch mit 0 Prozent Fett. Laktosefreie Milch, laktosefreie fettreduzierte Milch, Milch mit zugesetztem Vitamin A und D oder Omega-3. Und da ist noch die Milch „ohne künstliche Wachstumshormone“. In Europa eine Selbstverständlichkeit. In den USA sind die Hormone, die bewirken, dass Milchkühe rund 10 Prozent mehr Milch geben, aber erlaubt.

EU-Kühe ohne Wachstumshormone

„In den Vereinigten Staaten hat der Konsument die Wahl“, sagt ein Angestellter im US-Ministerium für Landwirtschaft. „Wer organische Milch will, kann sie kaufen.“ In der EU ist die Auswahl meist kleiner, dafür gibt es mehr Regularien. So ist es europäischen Milchbauern verboten, ihren Kühen Wachstumshormone zu verabreichen, weil diese Nebenwirkungen für die Tiere haben.

Wenig Milchprodukte aus den USA in Europa – bisher

Im fertigen Produkt, also in Milch, Käse oder Butter, sind die Hormone aber nicht mehr nachweisbar. Der Import dieser Produkte in die EU ist deshalb erlaubt, sie müssen auch nicht gekennzeichnet werden. Bisher exportieren die USA aber nur sehr wenig Milchprodukte nach Europa – auch weil die Zollabgaben mit rund 36 Prozent hoch sind. Mit TTIP könnten die Zölle fallen. Kritiker befürchten, dass dann auch mehr Milchprodukte von hormonbehandelten Kühen in den Supermärkten der EU landen. Dass Milch aus den USA die angespannte Lage auf dem europäischen Milchmarkt weiter verschärfen könnte, halten Handelsexperten aber für unwahrscheinlich. Gerade weil der Milchpreis hierzulande so niedrig ist, lohnt es sich für amerikanische Milchexporteure nicht, die hohen Transportkosten zu zahlen.

Wird EU-Käse zum Exportschlager?

Im Gegenteil: Wahrscheinlicher ist, dass die europäischen Milchbauern von TTIP profitieren. So könnten sich nach Einschätzung von Experten europäische Käsespezialitäten zum Exportschlager entwickeln. „Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel sind in den USA gefragt. In den letzten Jahren sind insbesondere die Käseausfuhren in die USA gewachsen“, schreibt etwa der Deutsche Raiffeisenverband in einem Positionspapier. Mit 130 000 Tonnen sind die USA schon heute der größte EU-Exportmarkt für Käse.

USA vorsichtig bei Rohmilchkäse

In amerikanischen Supermärkten sieht man davon bisher aber noch wenig. Die Käseauswahl ist meist klein – es gibt vor allem Hartkäse aus pasteurisierter Kuhmilch wie Cheddar oder Jack. Weich- oder Schimmelkäse sucht man dagegen in vielen Supermärkten vergeblich. Grund sind die strengeren Vorschriften für bakteriologische Grenzwerte. „Die USA sind sehr vorsichtig beim Import von Rohmilchkäse, weil ihnen das Keimrisiko zu hoch ist“, erklärt Janine¬ Pelikan vom Thünen-Institut für Marktanalyse, einer Bundesforschungseinrichtung des Landwirtschaftsministeriums.

Krankheitserreger in Rohmilchkäse

Weil Rohmilchkäse vor der Verarbeitung nicht erhitzt wird, kann er Krankheitserreger wie Listerien enthalten. Auch in Europa wird deshalb zum Beispiel Schwangeren vom Verzehr abgeraten. In den USA darf Rohmilchkäse generell nur importiert werden, wenn er mindestens 60 Tage lange gereift ist. Dann nämlich sollen die Erreger abgestorben sein.

Zertifizierung von EU-Käse derzeit teuer

Aber auch bei Käse aus pasteurisierter Milch haben die USA ihre eigenen Prüfverfahren. Europäische Molkereien müssen sich nach dem US-Standard zertifizieren lassen – die EU-Normen werden nicht anerkannt. Weil die Zertifizierung kostspielig ist, sind nur wenige große Molkereien überhaupt zugelassen. Ihre Produkte sind auf dem amerikanischen Markt dann meist doppelt so teuer – denn neben dem aufwendigen Prüfverfahren schlagen derzeit noch Zölle von etwa 18 Prozent zu Buche.

Käsereien und Landwirtschaftsverbände hoffen deshalb, dass mit TTIP einheitliche Standards eingeführt werden. Das Ifo-Institut erwartet, dass sich die Käseexporte dann verfünt-, versechs- oder gar verzehnfachen könnten.

Von Anne Grüneberg

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