Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft Erster Kühlschrank ohne FCKW war ein Foron
Nachrichten Wirtschaft Erster Kühlschrank ohne FCKW war ein Foron
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:05 15.03.2018
Niederschmiedeberg: Albrecht Meyer, ehemaliger Ingenieur für Kältetechnik und Leiter der Abteilung Versuchsfeld bei Foron, kniet im Preßnitztalmuseum neben dem Kühlschrank Foron DKK H 135. Quelle: dpa
Niederschmiedeberg

Vor 25 Jahren blickte die Welt für einen Tag in die sächsische Provinz: Ein ungewöhnlicher Schulterschluss von Wirtschaft und Umwelt und ein damals seltenes Hand-in-Hand von Ost und West leiteten eine technische Revolution ein. Mit riesigem Tamtam startete am 15. März 1993 in Niederschmiedeberg im Erzgebirge die Serienproduktion des ersten Kühlschranks der Welt komplett ohne den Ozon-Killer FCKW. Verantwortlich für den Coup waren das frühere DDR-Unternehmen Foron Hausgeräte GmbH und die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Foron und Greenpeace „ein Herz und eine Seele“

„Wir waren ein Herz und eine Seele“, erinnert sich Wolfgang Lohbeck, der seinerzeit bei Greenpeace die Fäden für das Projekt in der Hand hielt, an den Produktionsstart. Euphorie herrschte an jenem kalten Montag, an dem sich der heute 73-Jährige trotz Fiebers in die entlegene Gegend gequält hatte. „Das Event hat alles überstrahlt.“ Nach seinen Angaben hatten wie er mehr als 100 Journalisten und zig Fernsehteams den Beginn einer neuen Kühlschrank-Ära miterleben wollen.

Treuhand wollte Foron schon abwickeln

Weit nüchterner blickt Albrecht Meyer auf diesen Märztag zurück. Der Diplom-Ingenieur für Kältemaschinenbau hatte gemeinsam mit dem 2015 gestorbenen damaligen Geschäftsführer Eberhard Günther gegen alle Widerstände die Revolution vorangetrieben. „Der Weg war steinig.“ Dabei ging es weniger um Überzeugung als vielmehr ums Überleben des Werkes. Denn als Ex-DDR-Betrieb dkk Scharfenstein stand Foron unter der Verwaltung der Treuhand und sollte mangels Kaufinteressenten abgewickelt werden.

Ingenieur Albrecht Meyer hat den ersten FCKW-freien Kühlschrank der Welt mit entwickelt. Quelle: dpa

Schon zu DDR-Zeiten nach Lösungen gesucht

Wegen des Montreal-Abkommens von 1987, bei dem sich 197 Länder inklusive beider deutscher Staaten zum Verzicht auf ozonschichtschädliche Substanzen bekannt hatten, tüftelten die DDR-Kältetechniker an neuen Lösungen. Die bundesdeutschen Unternehmen setzten auf das Mittel R134a, ein Fluorkohlenwasserstoff (FKW). Das stand jedoch auf der Embargoliste und daher für die DDR nicht zu Verfügung. Greenpeace war ohnehin gegen den Einsatz des Treibhausgases.

„Greenfreeze“ mit Propan und Butan

Das Unternehmen am wirtschaftlichen Abgrund und Greenpeace kamen 1992 zusammen. Die später als „Greenfreeze“ vertriebenen Geräte mit der sperrigen Bezeichnung KT 1370 RC wurden mit Propan und Butan als Kühlmittel betrieben, die Dämmung war aus Polystyrol, das im Gegensatz zum üblichen Polyurethan anderer Hersteller ebenfalls keinen Fluorchlorkohlenwasserstoff enthielt.

Zusammenarbeit mit Greenpeace zunächst Verschlusssache

Pikant war, dass Foron zum Zeitpunkt der Experimente noch unter Verwaltung der Treuhand stand. Weder die Anstalt noch Bosch als potenzieller Käufer wussten davon. „Das war Verschlusssache. Das war mit Greenpeace so abgestimmt“, erzählt Meyer. Bosch sprang als Investor ab, das Werk sollte liquidiert werden. Daraufhin lüfteten Greenpeace und das Werk im Juli 1992 das Geheimnis ihrer Zusammenarbeit.

500 Mark für ersten FCKW-freien Kühlschrank

Die Umweltorganisation bestellte zehn FCKW-freie Kühlschränke und zahlte dafür 26 000 Mark. Die Treuhand stellte fünf Millionen Mark für die Markteinführung bereit. Im Dezember des gleichen Jahres zertifizierte der Tüv die Kühlschränke neuer Technik. Im Februar 1993 stellte Foron vier Geräte auf der wichtigen Hausgerätemesse Domotechnika in Köln aus. Greenpeace rührte die Werbetrommel, und bereits vor Produktionsstart lagen 70 000 Bestellungen vor, allein 50 000 davon durch den Versandhändler Neckermann. Wie die FCKW-Kühlschränke kostete das Foron-Gerät rund 500 Mark.

Konkurrenz feindet Foron an

Foron wurde für die technische Revolution bejubelt und erhielt 1993 auch den ersten Deutschen Umweltpreis dafür, der mit 500 000 Mark dotiert war. Von der alteingesessen Konkurrenz wurde das erzgebirgische Unternehmen aber angefeindet. „Die chlorreichen Sieben“, wie Greenpeace die Firmen AEG, Bauknecht, Bosch, Electrolux, Liebherr, Miele und Siemens in Anlehnung an einen Westerntitel nannte, warnten in einem gemeinsamen Schreiben die Händler.

Bosch zieht ein halbes Jahr später nach

Aufgeführt wurden Explosionsgefahr wegen des brennbaren Propan/Butan-Gemisches, sechsmonatige Lieferzeiten, schwache Wärmedämmung und höherer Energieverbrauch. Nur ein halbes Jahr später aber brachte Bosch ein Gerät mit der gleichen technischen Lösung auf den Markt. „Foron konnte seinen technischen Vorsprung nur weniger Monate halten“, sagt Umweltaktivist Wolfgang Lohbeck.

2001 endgültig insolvent

Ein Patent hatte Foron laut Abmachung mit Greenpeace nicht anmelden dürfen. Die Zweckgemeinschaft von Greenpeace und den Sachsen zerbrach. „Es ging uns um die Technik und nicht um die Firma“, erklärt Lohbeck. In den Jahren danach brach der Umsatz ein, mit Foron ging es bergab. 1996 kam die erste Insolvenz, 2001 trotz Besitzerwechsels die zweite und endgültige.

Die Geschichte von Foron

Globale Aufmerksamkeit erlangte Foron 1993 mit dem weltweit ersten Kühlschrank ohne den als «Ozon-Killer» bezeichneten Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW). Die Geschichte des Haushaltsgeräteherstellers begann 1927. Der Däne Jørgen Skafte Rasmussen, der im nahen Zschopau die DKW-Motorräder produzierte, kaufte das Werk des bankrotten Autoherstellers Moll-Werke AG in Scharfenstein. Die ersten Kleinkühlgeräte aus dem Hause DKW wurden auf der Frühjahrsmesse in Leipzig 1929 ausgestellt.

Weitere wichtige Stationen der Unternehmensgeschichte:

20. März 1931: Gründung der Deutsche Kühl- und Kraftmaschinen GmbH

30. Juni 1946: Umbenennung in VEB DKK Scharfenstein. Drei Jahre später werden erste Kompressoren gebaut.

Juni 1980: Grundsteinlegung für das Gefrierschrankwerk in Niederschmiedeberg

1985: Das Kunstwort «Foron» wird als Warenzeichen erfunden.

1989: DKK produziert mehr als eine Million Kühl- und Gefriergeräte pro Jahr und damit ein Viertel der gesamtdeutschen Produktion.

1. Juli 1990: Das Unternehmen untersteht der Treuhand.

1992: Auf Bestellung von Greenpeace werden 10 Geräte eines komplett FCKW-freien Kühlschranks mit dem Kältemittel Propan/Butan und Polystyrol als Dämmung hergestellt.

1. Januar 1993: Aus der DKK Scharfenstein GmbH wird die Foron Unternehmensbeteiligungen GmbH.

15. März 1993: Start der Serienfertigung des ersten FCKW-freien Kühlschranks in Niederschmiedeberg.

1. Oktober 1993: Umbenennung zur Foron Hausgeräte GmbH mit 600 Mitarbeitern.

15. März 1996: Foron meldet Konkurs an, weil die geplanten Verkaufszahlen nicht erreicht wurden.

1. August 1996: Die ATAG Kitchen Group (Niederlanden) wird neuer Besitzer. Es bleiben 175 Beschäftige.

12. Oktober 2001: Etwas mehr als ein Jahr nach dem Konkurs von ATAG muss auch Foron wieder Konkurs anmelden - diesmal endgültig.

Von 5000 Stellen blieben 210

Dennoch ist Albrecht Meyer noch heute stolz auf den damaligen Coup. „Wenn wir nicht gewesen wären, wäre hier schon 1992 duster gewesen“, sagt er beim Gespräch im Heimatmuseum in Niederschmiedeberg. „Durch uns hatten ein paar Hundert Leute noch acht Jahre lang Arbeit.“ Zum Produktionsstart arbeiteten 600 Beschäftigte in dem Werk, 1996 waren es noch 210 - von mehr als 5000 zur Wendezeit.

Laut Lohbeck, der sich auf Angaben der UN stützt, wurden seit 1993 weltweit zwischen 800 Millionen und einer Milliarde FCKW-freie Kühlschränke verkauft. „Es hat sich bestätigt, dass wir nicht ganz unrecht hatten“, sagt Albrecht Meyer.

Von Martin Kloth

Brandenburg Größter Milchhändler ist insolvent - Brandenburgs Bauern: Wohin mit unserer Milch?

Mit der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (BMG) ist der wichtigste Milchhändler der Region insolvent gegangen. Vor allem Bauern aus Brandenburg stehen jetzt vor einem großen Problem. Sie müssen kurzfristig einen Abnehmer für ihre Milch finden. Doch das dürfte nicht so einfach werden.

14.03.2018

Bei der Bilanzpressekonferenz des Uhrenherstellers Swatch zündet sich Unternehmenschef Nick Hayek am Mittwoch eine dicke Zigarre an. Die Zahlen zeigen: Er hat sie sich verdient.

14.03.2018

Wer gut plant und sorgfältig vergleicht, bekommt den Haus- oder Wohnungskredit meist viel günstiger. Die Zinsunterschiede sind extrem, wie ein neuer Vergleich der Stiftung Warentest zeigt.

14.03.2018