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Wirtschaft ICE-Offensive gefährdet Ausbau des Nahverkehrs
Nachrichten Wirtschaft ICE-Offensive gefährdet Ausbau des Nahverkehrs
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17:25 27.09.2018
Eine Milliarde will die Bahn in neue Fernzüge stecken. Quelle: Matthias Balk/dpa
Potsdam

Die Offensive der Deutschen Bahn im Fernverkehr droht den geplanten Ausbau des Regionalverkehrs in Brandenburg auszubremsen. „Die Schnellbahnstrecken nach München oder Hamburg laufen so gut, dass die Bahn auch über Halbstundentakte nachdenkt“, sagte Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD). „Und wir fahren im Moment alle auf den gleichen Schienen.“

Schneider geht von schwierigen Verhandlungen mit der Bahn um freie Zeitfenster auf den bestehenden Trassen an. „Wir können nicht akzeptieren, dass der Regionalverkehr komplett an den Rand gedrängt wird. Trotzdem sind wir natürlich auch an einer guten überregionalen Anbindung interessiert“, sagte sie am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller.

Mehr ICE nach Fahrplanwechsel

Brandenburg will bis Ende 2022 die am stärksten nachgefragten Pendlerstrecken ausbauen. Die Ausschreibung läuft. Erste Angebote werden für Ende des Jahres erwartet. Außerdem plant das Land gemeinsam mit Berlin und der Bahn das Infrastrukturprogramm i2030. Acht stark belastete Bahnkorridore sollen ausgebaut werden, darunter der Prignitz-Express bis Velten, der RE1, die Dresdner Bahn, die Strecke Berlin-Cottbus, wo sich die Passagierzahlen Schätzungen zufolge bis 2030 fast verdoppeln werden. Geprüft wird auch die Reaktivierung der Potsdamer Stammbahn.

Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember wird die Strecke Berlin-München mit zusätzlichen Sprinter-Zügen um 10 und um 16 Uhr verstärken. Damit reagiert die Bahn auf eine deutlich gestiegene Nachfrage auf der neu ausgebauten Strecke. Mittelfristig dürften weitere ICE-Verbindungen enger getaktet werden.

Erste ICE-Generation wird aufgehübscht

Dafür spricht auch der Ausbau der ICE-Flotte. Der Aufsichtsrat machte nun den Weg für Züge im Wert von etwa einer Milliarde Euro frei. Geplant ist der Kauf von 18 neuen ICE der vierten Generation sowie die Bestellung von 50 Wagen, mit denen bereits georderte ICE 4 von 12 auf 13 Abschnitte verlängert werden. Das kostet rund 700 Millionen Euro. Rund 320 Millionen Euro steckt die Bahn außerdem in die Modernisierung ihrer ICE-1-Flotte, die seit 1991 unterwegs ist.

Mit den Investitionen senke die Bahn das Durchschnittsalter ihrer Fahrzeuge, schaffe zusätzliche Kapazitäten und werde flexibler, sagte der Vorstand für den Personenverkehr, Berthold Huber: „So können wir die Zuverlässigkeit und das Platzangebot auf nachfragestarken Strecken verbessern.“

Kosten für i2030 bei über einer Milliarde

Die Zahl der Bahnreisenden steigt. 2017 waren es im Fernverkehr 142 Millionen –13 Millionen mehr als noch drei Jahre zuvor. Der 13-teilige ICE 4 wird 375 Meter lang sein und damit der längste Personenzug der Deutsche Bahn. Diese Züge haben 918 Sitzplätze, 88 mehr als die ICE mit zwölf Wagen.

Für das regionale Ausbauprogramm i2030 brachte Schneider nun eine erste Kostenschätzung ins Spiel. Sie rechne mit Investitionen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Berlin und Brandenburg haben sich verpflichtet, die Planungskosten zu übernehmen. Allerdings sei auch der Bund bei der Finanzierung in der Pflicht. „Das große Ganze wird nicht ohne den Bund gehen“, sagte Schneider.

VBB-Tarife bleiben wie sie sind

Bus- und Bahnfahren in Berlin und Brandenburg wird zum Jahreswechsel nicht teurer. Damit fällt die sonst übliche Preiserhöhung zum zweiten Mal in Folge aus. Die Tarifsteigerung orientiert sich an einem Index aus Strom- und Spritpreisen. Da dieser kaum gestiegen ist, bleiben auch die VBB-Tarife gleich. Eine Erhöhung würde sich nicht lohnen, erklärte VBB-Chefin Susanne Henckel. Die Kosten für die Neuprogrammierung der Ticketautomaten würde die erwarteten Mehreinnahmen auffressen.

Von Torsten Gellner

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