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Nachrichten Wirtschaft Film über DDR-Vertragsarbeiter
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19:40 15.02.2016
Die Vietnamesen waren mit bis zu 60 000 Menschen die größte Gruppe der DDR-Vertragsarbeiter. Quelle: MDR
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Berlin

Almuth Berger erinnert sich, wie eine junge Mosambikanerin, die in den Rathenower Optischen Werken arbeitete, Ende der 80er Jahre an ihre Tür klopfte. Die junge Frau war hochschwanger und völlig verzweifelt. Berger, damals Pfarrerin der Bartholomäuskirche in Berlin-Friedrichshain, half der jungen Frau, im katholischen Krankenhaus ein gesunde Tochter zu entbinden. Eigentlich hätte die Frau ihr ungeborenes Kind abtreiben und nach Hause zurückgeschickt werden müssen. Liebe, Familie, Kinder, privates Glück waren für Vertragsarbeiter nicht vorgesehen, Beziehungen zu Deutschen nicht gern gesehen. Dennoch gab oft ein gutes Einvernehmen mit den deutschen Kollegen. Man lud sich zu Weihnachten ein, Freundschaften entstanden.

Die Kirche von Almuth Berger, später zehn Jahre lang Ausländerbeauftragte des Landes Brandenburg, war so etwas wie die Anlaufstelle für DDR-Vertragsarbeiter. In der 1988 gegründeten „Kabana“ (kleines Haus), trafen sich vor allem Mosambikaner, aber auch Südafrikaner, Syrer, Äthiopier, Kubaner, Sudanesen, Polen und – nur wenige – Vietnamesen. Zum Ende der DDR arbeiteten rund 150 000 Vertragsarbeiter aus zehn Ländern in ostdeutschen Betrieben. Darunter etwa 60 000 aus Vietnam, 16 000 aus Mosambik, 10 000 aus Kuba.

Berger und ihre Mitstreiter gaben in ihrer Kirche einen Raum für Begegnungen mit einheimischen Deutschen. Man diskutierte, feierte, aß und sang zusammen. Die Vertragsarbeiter in der DDR wurden von der Staatssicherheit argwöhnisch beobachtet. In Staatsverträgen mit Vietnam, Kuba oder Mosambik war genau festgelegt, was „Honeckers Gastarbeiter“, so der sehenswerte Film von Tom Franke und Lutz Rentner, durften und was nicht. Im Staatsvertrag mit Vietnam etwa waren im Wohnheim genau fünf Qua­dratmeter Platz, ein Bett, ein Stuhl, ein Schrank, ein Besteck festgelegt. Vom Lohn während des fünfjährigen Arbeitsaufenthaltes, zumeist im Schichtdienst in Textilbetrieben, im Maschinen- oder Fahrzeugbau, in Tagebauen und Kraftwerken, durften Vietnamesen etwa fünf Fahrräder, zwei Mopeds und Zucker mit in die Heimat bringen. Es gab zwar den gleichen Lohn wie für die deutschen Kollegen, doch ein Teil des Geldes wurde an die jeweiligen Staaten abgeführt. Besonders hart traf es die Mosambikaner, denen 60 Prozent abgenommen wurden. Über fünf Jahre kamen dabei je rund 20 000 DDR-Mark zusammen. Noch heute demonstrieren ehemalige Vertragsarbeiter in der Hauptstadt Maputo jeden Mittwoch und fordern ihren damaligen Lohn zurück. Die DDR hatte das Geld jedoch mit Staatsschulden des afrikanischen Landes verrechnet.

Die Ausländer sollten vor allem arbeiten. In der DDR-Volkswirtschaft fehlten Arbeitskräfte. Da kamen die zumeist jungen Kollegen aus exotischen Ländern gerade recht. Samuel Costa etwa arbeitete bei IFA in Ludwigsfelde und war, wie viele seiner Kollegen, begeistert von der DDR, die sich als Hort des Friedens und des Wohlstands im Vergleich zu der zerstörten und vom Bürgerkrieg verwüsteten Heimat darstellte.

Mit dem Fall der Mauer fielen die Vertragsarbeiter in ein tiefes Loch: rechtliche Unsicherheit und bald Arbeitslosigkeit. Deutsche Kollegen fürchteten nun um den eigenen Arbeitsplatz. Es gab böses Blut in der Bevölkerung und gewalttätige Übergriffe. In einigen Betrieben wurden Unterschriften für die sofortige Entlassung der Vertragsarbeiter gefordert. Viele von ihnen kehrten enttäuscht in ihre Heimatländer zurück. Die Bundesrepublik zahlte schließlich 3000 Mark Abfindung und das Flugticket nach Hause. Samuel Costa flog zwar erst einmal nach Hause. Doch mit der Abfindung aus Deutschland kaufte er sich ein Flugticket zurück. 1991 heiratete er und fand wieder Arbeit in Ludwigsfelde.

Honeckers Gastarbeiter. Fremde Freunde in der DDR, am 15. März 2016 um 22:05 Uhr im MDR-Fernsehen.

Von Reinhard Zweigler

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