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Greenpeace: Interesse an Kauf deutscher Vattenfall-Tagebaue

Energie Greenpeace: Interesse an Kauf deutscher Vattenfall-Tagebaue

Überraschender Interessent im Verkaufsprozess um die Braunkohlesparte in der Lausitz: Greenpeace will mit einem Kauf vermeiden, dass weitere Tagebaue aufgeschlossen werden. Die Nachricht werten einige als PR-Gag.

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Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace stehen mit einem Transparent beim Braunkohletagebau Welzow-Süd in Brandenburg.

Quelle: Patrick Pleul/Archiv

Cottbus/Stockholm. Greenpeace hat sich in den Verkaufsprozess für die Lausitzer Braunkohle-Tagebaue des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall eingeschaltet.

Mit einem möglichen Kauf wolle man sicherstellen, dass die Braunkohle im Boden bleibe, heißt es in einer Mitteilung des schwedischen Ablegers der Umweltorganisation. Damit übernehme Greenpeace konkrete Verantwortung für das Klima.

"Wir werden eine ernsthafte Diskussion mit Vattenfall über den Kauf führen", sagte Greenpeace-Managerin Annika Jacobson. Die schwedische Regierung dürfe es nicht hinnehmen, wenn ein Käufer weiter große Kohlemengen verbrenne. "Das ist ein Signal, das Schweden vor der Pariser Klimakonferenz nicht geben kann."

Der Energiekonzern Vattenfall gehört zu 100 Prozent dem schwedischen Staat und will sich schon seit längerem von der Braunkohle-Förderung in der Lausitz trennen. Vattenfall betreibt in Sachsen und Brandenburg fünf Kohlegruben und drei Kohle-Kraftwerke. Ein weiteres teilt sich das Unternehmen mit dem Energiekonzern EnBW am sächsischen Standort Lippendorf.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Vattenfall Europe Mining, Rüdiger Siebers, bezeichnete das Kaufinteresse der Umweltorganisation als einen "PR-Gag". "Das nehmen wir nicht ernst", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Ähnlich äußerte sich Brandenburgs Energieminister Albrecht Gerber (SPD). Bei der Greenpeace-Aktion handele es sich offenbar um einen Aprilscherz zur falschen Jahreszeit, sagte er auf Anfrage. Er halte eine Bewerbung um die Vattenfall-Tagebaue für "völlig abwegig". Verhaltener war die Reaktion aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium. "Ob dies ein ernstzunehmendes Angebot ist, wissen wir nicht", hieß es auf Anfrage. Man erwarte, dass sich ein neuer Eigentümer an die geltenden Verträge halte.

Die Grünen im sächsischen Landtag sehen in den Plänen von Greenpeace hingegen einen Weg aus der "Kohle-Sackgasse". "Wir halten das für eine ernst gemeinte Absichtserklärung", sagte der energiepolitische Sprecher, Gerd Lippold. Sollte daraus ein Kaufangebot resultieren, sei das ein Weg, den "Beschluss zum Verkauf mit einem klimagerechten Kohleausstiegskonzept zu verknüpfen."

In einer ersten Stufe des europaweiten Verkaufsprozesses konnten bis zum Dienstag Unternehmen ihr Interesse bekunden. Die Unterlagen werden nun gesichtet. In einem zweiten Schritt werden die Interessenten zu näheren Angaben aufgefordert. Um weiter dabei zu sein, müssen sie nach dem europäischen Vergaberecht eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen - zum Beispiel eine nachhaltige Finanzierung nachweisen. Spätestens an dieser letzten Hürde könnte das Greenpeace-Interesse scheitern. Der Verkaufsprozess wird sich laut Vattenfall noch mindestens bis ins Jahr 2016 hinziehen.

Wieviele Interessenten es gibt, wollte der Energiekonzern nicht mitteilen. Nach eigenen Angaben ist die tschechische Holding EPH darunter. "Wir haben uns für das Verfahren angemeldet", sagte EPH-Sprecher Daniel Castvaj der Deutschen Presse-Agentur. Zur Holding EPH gehört bereits der Braunkohleförderer Mibrag mit Sitz in Zeitz in Sachsen-Anhalt.

Auch der tschechische Energieversorger CEZ hat Interesse an einer Übernahme. "Diese Option passt gut in unsere Konzernstrategie", sagte CEZ-Geschäftsführer Daniel Benes der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Das Unternehmen will im Falle eines Kaufs weiter Braunkohle fördern.

Direkt und indirekt hängen rund 25 000 Jobs von der Lausitzer Braunkohle ab, die für etwa zehn Prozent der deutschen Stromerzeugung steht. Die Verstromung von Braunkohle gilt angesichts der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen als auslaufende Technologie. Andererseits wird sie jedoch vermutlich noch auf Jahrzehnte gebraucht, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.

dpa

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