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Greenpeace will Lausitz-Tagebaue kaufen

Braunkohle-Sparte von Vattenfall Greenpeace will Lausitz-Tagebaue kaufen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace will von Vattenfall die Braunkohle-Tagebaue in der Lausitz kaufen – um sicherzustellen, dass die Kohle in der Erde bleibt. Vattenfall ist skeptisch und bezeichnet die Ankündigung von Greenpeace als PR-Gag. Rund 8000 Jobs in der Lausitz hängen direkt an der Kohle.

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Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace stehen im Juni mit einem Transparent mit der Aufschrift „Klimaschutz braucht Kohleausstieg!“ an einem Aussichtspunkt des Braunkohletagebaus Welzow-Süd.

Quelle: dpa

Cottbus, Stockholm. Greenpeace will beim Verkaufsprozess für die deutschen Braunkohle-Tagebaue des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall mitbieten. Mit einem möglichen Kauf wolle man sicherstellen, dass die Braunkohle im Boden bleibe, heißt es in einer am Dienstag in Stockholm verbreiteten Mitteilung des schwedischen Ablegers der Umweltorganisation. Damit übernehme Greenpeace konkrete Verantwortung für das Klima.

„Wir werden eine ernsthafte Diskussion mit Vattenfall über den Kauf führen“, sagte Greenpeace-Managerin Annika Jacobson. Die schwedische Regierung dürfe es nicht hinnehmen, wenn ein Käufer dagegen weiter große Kohlemengen verbrenne. „Das ist ein Signal, das Schweden vor der Pariser Klimakonferenz nicht geben kann.“

Vattenfall: Ein PR-Gag

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Vattenfall Europe Mining, Rüdiger Siebers, bezeichnete das Kaufinteresse der Umweltorganisation als einen „PR-Gag“. „Das nehmen wir nicht ernst“, sagte er. Der Verkaufsprozess werde sich zudem noch mindestens bis ins Jahr 2016 hinziehen.

Gerber: Aprilscherz zur falschen Jahreszeit

Ähnlich äußerte sich Brandenburgs Energieminister Albrecht Gerber (SPD). Bei der Greenpeace-Aktion handele es sich offenbar um einen Aprilscherz zur falschen Jahreszeit, sagte er auf Anfrage. Er halte eine Bewerbung um die Vattenfall-Tagebaue für „völlig abwegig“. Verhaltener war die Reaktion aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium. „Ob dies ein ernstzunehmendes Angebot ist, wissen wir nicht“, hieß es auf Anfrage. Man erwarte, dass sich ein neuer Eigentümer an die geltenden Verträge halte.

Mehrere Interessenten

In einer ersten Stufe des europaweiten Verkaufsprozesses konnten bis zum Dienstag Unternehmen ihr Interesse bekunden. Wie viele Interessenten es gibt, wollte der Energiekonzern nicht mitteilen. Nach eigenen Angaben ist die tschechische Holding EPH darunter. „Wir haben uns für das Verfahren angemeldet“, sagte EPH-Sprecher Daniel Castvaj der Deutschen Presse-Agentur. Zur Holding EPH gehört bereits der Braunkohleförderer Mibrag mit Sitz in Zeitz in Sachsen-Anhalt.

Tschechischer Energieversorger bietet mit

Auch der tschechische Energieversorger CEZ hat Interesse an einer Übernahme. „Diese Option passt gut in unsere Konzernstrategie“, sagte CEZ-Geschäftsführer Daniel Benes der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Das Unternehmen will im Falle eines Kaufs weiter Braunkohle fördern.

8000 Arbeitsplätze durch die Kohle

Der Energiekonzern Vattenfall gehört zu 100 Prozent dem schwedischen Staat und will sich schon seit längerem von der Braunkohle-Förderung in der Lausitz trennen. Vattenfall betreibt in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg fünf Kohlegruben und drei Kraftwerke, die rund 8000 Menschen Arbeit geben.

Direkt und indirekt hängen rund 25.000 Jobs von der Lausitzer Braunkohle ab, die für etwa zehn Prozent der deutschen Stromerzeugung steht. Die Verstromung von Braunkohle gilt angesichts der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen als auslaufende Technologie. Andererseits wird sie jedoch vermutlich noch auf Jahrzehnte gebraucht, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.

Vattenfall in der Lausitz:

Kraftwerke:

JÄNSCHWALDE, BRANDENBURG (Elektrische Leistung 3000 Megawatt)
SCHWARZE PUMPE, BRANDENBURG (Elektrische Leistung 1600 Megawatt)
BOXBERG, SACHSEN (Elektrische Leistung 2575 Megawatt)
LIPPENDORF, SACHSEN (Vattenfall Beteiligung 50 Prozent - zur anderen Hälfte EnBW; Elektrische Leistung 1840 Megawatt)

Gruben:

WELZOW-SÜD, BRANDENBURG (Feld Welzow-Süd I wird Mitte der 2020er Jahre ausgekohlt sein)
JÄNSCHWALDE, BRANDENBURG (Feld Jänschwalde wird Mitte der 2020er Jahre ausgekohlt sein)
COTTBUS-NORD, BRANDENBURG (Feld Cottbus-Nord wird 2015 ausgekohlt sein)
NOCHTEN, SACHSEN (Feld Nochten I wird Mitte der 2020er Jahre ausgekohlt sein)
REICHWALDE, SACHSEN (Feld Reichwalde wird voraussichtlich 2045 ausgekohlt sein)

Von dpa

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