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Griechenlands Tourismus trotzt jeder Krise

Trotz „Grexit“-Debatte Griechenlands Tourismus trotzt jeder Krise

Leere Kassen, Überschuldung und drohende Staatspleite: Griechenlands Tourismus ficht die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht an. Die Gästezahlen jagen von einem Rekord zum anderen, die Branche ist ein Wachstumsmotor. Besonders die Deutschen schätzen die Ägäis als Reisedomizil – auch wenn auf kurz oder lang kaum ein Ausweg aus der nationalen Notsituation in Sicht ist.

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Von Krise keine Spur: Tourismus hat in Griechenland Hochkonjunktur.

Quelle: dpa

Potsdam. Thomas Kunert ist ein erklärter Kenner und Liebhaber Griechenlands. Der gelernte Reiseverkehrskaufmann aus Hennigsdorf (Oberhavel) verdient sein Geld damit, deutsche Touristen für jenes Land zu begeistern, in dem seit fünf Jahren die Krise wütet.

Als im Mai das Wort „Grexit“ immer häufiger durch die Schlagzeilen ging, bekam das der Inhaber des Reisebüros „Griechenlandreise“ deutlich zu spüren. „Die Anfragen brachen um die Hälfte ein“, berichtet Kunert. Aber: Inzwischen gehe es wieder aufwärts.

Bei allem Krisengerede um leere Kassen, Überschuldung und drohender Staatspleite, die Hellas-Begeisterung deutscher Urlauber scheint ungebrochen. „In den sieben Jahren, die ich selbstständig bin, war 2014 das weitaus beste Jahr“, sagt Kunert. Tatsächlich vermeldeten Griechenlands Touristiker für das vergangene Jahr mit 22 Millionen einen Gästerekord. 2,5 Millionen Deutsche kamen, sie sind die besten Kunden der griechischen Tourismusbranche, die mehr als ein Sechstel der nationalen Wirtschaftsleistung ausmacht. Das Geschäft mit den Gästen bleibt der wichtigste Wachstumsmotor: Dieses Jahr sollen sogar 25 Millionen an die Ägäis reisen.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sieht eine unnachgiebig starke Nachfrage. „Auch wenn es bei Last-Minute-Buchungen zeitweise Rückgänge gab, liegen die Buchungen für den Sommer insgesamt immer noch leicht über dem Niveau des Vorjahres“, sagt GfK-Tourismusexperte Roland Gassner. Allerdings könnte sich die geplante Mehrwertsteuererhöhung in der Gastronomie und Hotellerie negativ auswirken. Gassner warnt vor langfristigen Konsequenzen: „Ein Produkt, das teurer wird, wird tendenziell weniger nachgefragt.“

Reiseveranstalter und Fluggesellschaften setzen dagegen weiter auf Griechenland als bedeutsames touristisches Ziel – ungeachtet des zeitweilig immer stärker drohenden „Grexit“.

„Ein erhöhtes Aufkommen an Stornierungs- oder Umbuchungswünschen verzeichnen wir bislang nicht“, erklärt Pressesprecherin Kathrin Spichala von Deutschlands größtem Anbieter Tui. Wettbewerber Thomas Cook bemerkte vorübergehend leichte Einbrüche bei Spontanbuchungen. Seit Anfang vergangener Woche gibt es laut Pressesprecherin Isabella Partasides aber „wieder einen starken Zuwachs“. Für die Kunden beider Unternehmen ist Griechenland nach Spanien und der Türkei das drittbeliebteste ausländische Reiseziel. Air Berlin will an seinem Sommerflugprogramm festhalten. Die Airline fliegt pro Woche bis zu 156-mal 20 Ziele in Griechenland an und ist damit Marktführer in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Dem Hennigsdorfer Reiseveranstalter Kunert schreiben die Kunden schon mal begeistert ins Gästebuch, dass vor Ort von einer Krise nichts zu spüren sei. Seit fünf Jahren geht das nun schon so – dass das Land bald zur Ruhe kommt, glaubt der 41-Jährige, der selbst oft an die Ägäis reist und griechisch spricht, nicht. „Von den großen Problemen ist keines ansatzweise gelöst worden“, sagt Kunert nachdenklich. Den Preis hätten die in Haftung genommenen europäischen Steuerzahler und die zusehends verarmende griechische Mittelschicht zu bezahlen.

Das Reisen bleibt des Deutschen Lust

399 Millionen Reisetage verbrachten die Deutschen von Januar bis April 2015 – 2,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus dem aktuellen Barometer des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hervorgeht.

Die Reiselust ist laut Branchenverband ungebrochen. Begünstigende Faktoren sind der stabile Arbeitsmarkt, die sehr niedrige Inflation und die daraus resultierenden deutlichen Zuwächse der realen Einkommen.

Lokale Krisen wie in Griechenland oder der jüngste islamistische Anschlag auf Touristen in Tunesien hat laut BTW kaum spürbare Auswirkungen auf die Reiseneigung.

Von Bastian Pauly

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