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Grundlegender Konzernumbau bei der Deutschen Bank

Banken Grundlegender Konzernumbau bei der Deutschen Bank

Nach gigantischen Abschreibungen krempelt John Cryan, der neue starke Mann bei der Deutschen Bank, nun die Strukturen radikal um. Vor allem das Investmentbanking wird umgebaut. Im Top-Management kommt es zu zahlreichen Personalrochaden.

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Verzerrt spiegelt das Logo der Deutschen Bank in einer Glasfassade in Frankfurt am Main. Die Deutsche Bank will die Konzernsparten neu zuschneiden und die Führungsgremien neu ordnen.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main. Mit einem grundlegenden Konzernumbau will der neue Co-Chef John Cryan die Deutsche Bank wieder auf Kurs bringen.

Die Sparten werden neu zugeschnitten, die Führungsgremien neu geordnet, wie das größte deutsche Finanzinstitut nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Frankfurt mitteilte. Im Mittelpunkt des Umbaus steht das Investmentbanking, das völlig neu geordnet wird. In der Führungsetage kommt es zu zahlreichen Personalrochaden, drei Manager scheiden aus dem Vorstand aus.

"Wir wollen eine besser kontrollierte, kosteneffizientere und stärker fokussierte Bank schaffen", erklärte Cryan. "Die neue Struktur und das neue Management-Team sind von entscheidender Bedeutung, um dies zu erreichen." Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte, eine derartig grundlegende Reorganisation habe es selten zuvor in der Geschichte der Deutschen Bank gegeben. "Das geht nicht ohne Härten einher."

Der seit Juli amtierende neue Co-Chef Cryan hatte einen Umbau bereits angekündigt. Der ehemalige UBS-Finanzchef hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef, Jürgen Fitschen, bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite allein das Ruder übernimmt. Cryan hatte zu seinem Amtsantritt verkündet, es gehe darum, "eine bessere Deutsche Bank zu schaffen". Zahlreiche Skandale hatten den Ruf der Bank beschädigt, dazu gehören Zinsmanipulationen und fragwürdige Hypothekengeschäfte. Das Institut hat riesige Altlasten.

Leitgedanke des Aufsichtsrats beim Umbau ist es nach Konzernangaben, die "Komplexität im Management" zu verringern und damit den Kundenbedürfnissen sowie den Anforderungen der Aufsichtsbehörden besser gerecht zu werden.

Im Mittelpunkt des Umbaus steht das Investmentbanking, das aufgespalten wird. Der bisherige Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities wird demnach in zwei Bereiche aufgeteilt. Weitere Veränderungen betreffen etwa die Vermögensverwaltung.

Durch den Konzernumbau kommt es zu weitreichenden Veränderungen in der Führungsstruktur. Der erweiterte Vorstand, das Group Executive Committee, werde ebenso aufgelöst wie zehn der derzeit 16 Vorstandsausschüsse, hieß es.

Personalvorstand Stephan Leithner verlässt die Bank. Der Co-Chef des Investmentbankings, Colin Fan, legt sein Amt nieder - wie auch das langjährige Vorstandsmitglied Stefan Krause, bislang zuständig für die Abwicklungssparte und internationalen Zahlungsverkehrs. Auch der Chef der Vermögensverwaltung, Michele Faissola, geht. Der bisher für Digitales zuständiges Henry Ritchotte verlässt den Vorstand zum Jahresende und soll für die Deutsche Bank eine neue Digitalbank aufbauen.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Personalrochaden im Top-Management. Neues Vorstandsmitglied zum 1. Januar 2016 wird Jeff Urwin, bislang mit Fan Co-Chef im Investmentbanking. Neuer Personalchef wird der Manager Karl von Rohr, der künftig auch den Rechtsbereich betreut. Cryan selbst übernimmt die Verantwortung für die Restrukturierungseinheit der Bank.

Bereits im April hatte die Deutsche Bank einen neuen Kurs angekündigt. Dazu gehört, die Bank mit einem harten Sparkurs wieder profitabler zu machen. Von der Postbank will sich der Konzern trennen und zudem etliche Filialen in seinem Heimatmarkt schließen. Das Kapitalmarktgeschäft soll eingedampft, die Kundennähe ausgebaut werden.

Cryan will am 29. Oktober Einzelheiten zur neuen Konzernstrategie vorstellen. Bei der Deutschen Bank droht auch ein massiver Stellenabbau. Über die beschlossene Trennung von der Postbank mit ihren 15 000 Mitarbeitern hinaus könnten dem Sparkurs bis zu 10 000 weitere Jobs zum Opfer fallen.

Erst vor kurzem hatte die Deutsche Bank angekündigt, sie erwarte für das dritte Quartal einen Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro. Hauptgrund sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Tochter Postbank sowie das nicht mehr so lukrative Investmentbanking. Dazu kamen weitere hohe Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten.

Die Bank hatte zudem angekündigt, die Dividende für das Geschäftsjahr 2015 zu reduzieren oder ganz ausfallen zu lassen. Die Mitarbeiter müssen mit geringeren Boni rechnen.

Cryans harter Aufräum-Kurs gilt auch als schonungslose Abrechnung mit seinen Vorgängern. Nicht nur mit dem im Juni ausgeschiedenen Anshu Jain, sondern gleich mit allen Chefs der Deutschen Bank, die seit Ende der 1990er Jahre das Heil des Konzerns im Investmentbanking sahen. Cryan schrieb den gesamten sogenannten immateriellen Firmenwert auf die US-Bank Bankers Trust ab, durch deren Übernahme 1999 die Deutsche Bank erst eine globale Größe im Kapitalmarktgeschäft wurde.

Das Investmentbanking ließ die Gewinne der Deutschen Bank bis zur Finanzkrise in ungeahnte Höhen schießen. Doch die Erfolgsgeschichte basierte auch auf unsauberen Geschäftspraktiken - wie etwa die Milliardenstrafen im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze belegen. Seit Jahren reißen außerdem die Kosten für Altlasten nicht ab. Auch die Postbank-Übernahme mitten in der Finanzkrise erwies sich als teurer Fehlgriff.

dpa

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