Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft Wo die Möbel aus dem Internet herkommen
Nachrichten Wirtschaft Wo die Möbel aus dem Internet herkommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:55 30.06.2018
Lagerist Enrico Große ist einer von 180 Mitarbeitern im großen Logistikzentrum von Home 24 in Ludwigsfelde. Wie der Luckenwalder kommen auch die meisten seiner Kollegen aus der Region. Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Ludwigsfelde

Die großen, grauen Hallen im Industriepark Am Birkengrund fallen nicht ins Auge. Wer auf der Autobahn 10 an Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) vorbei fährt, achtet spätestens ab der zweiten Fahrt nicht mehr auf sie. Große Logistikunternehmen lagern hier Medizin, Gefahrgut oder Möbel. An der Hallen prangt zwar ein Werbeschild für den Erbauer der Halle, nicht aber für das 1000 Mitarbeiter große Unternehmen im Innern.

2014 baute Home 24 sein erstes, eigenes Logistikzentrum am Rande Berlins. Die gute Verkehrsanbindung war ausschlaggebend. Heute arbeiten 180 Mitarbeiter in den Hallen, in denen 160.000 Pakete bis unter die zwölf Meter hohe Decke lagern.

Home 24 gehört hinter Otto, Amazon und Ikea zu den größten Internet-Möbelhäusern in Deutschland. Seit zwei Wochen ist das Unternehmen an der Börse. Den ersten Aktientag schloss es mit einem satten Plus von 28 Prozent. Was viele Kunden nicht wissen: Wer Kissen, Lampen oder Stühle bei dem Online-Riesen bestellt, bekommt sie aus dem unscheinbaren Industriegebiete in Ludwigsfelde zugeschickt.

Alles bis 30 Kilogramm kommt aus Ludwigsfelde

Der Standort wurde auf Paketware spezialisiert. „Das heißt, alles bis 30 Kilogramm und bestehend aus maximal drei Packstücken“, erklärt Frank Fritzsche. Er ist Standortleiter von Home 24 in Ludwigsfelde und seit dem Bau der Hallen dabei.

Frank Fritzsche ist Standortleiter im Logistikcenter in Ludwigsfelde. 180 Mitarbeiter sind dort für Home 24 tätig. Quelle: Julian Stähle

Begonnen hat die Geschichte von Home 24 im Jahr 2009 als kleines Start-Up in Berlin. Fünf Jahre, eine TV-Kampagne und zahlreiche Eigenmarken später baute der Online-Versandhändler für Möbel in Ludwigsfelde sein erstes, eigenes Logistikzentrum auf 35.000 Quadratmetern. „Gestartet sind wir hier mit 85 Mitarbeitern“, berichtet Fritzsche. Inzwischen sind 100 Angestellte hinzugekommen.

Fast alle Mitarbeiter leben in Brandenburg

„70 Prozent unserer Mitarbeiter kommen aus dem Landkreis Teltow-Fläming“, sagt er. Auch die anderen Arbeitnehmer leben zum Großteil in Brandenburg, einige in Berlin. „Dass das Lager hier eröffnet wurde, war ein Glücksfall für mich“, erzählt Enrico Große. Der Lagerist wohnt in Luckenwalde und war 2014 gerade auf der Suche nach einem neuen Job.

Enrico Große ist froh, einen Arbeitsplatz in der Nähe seines Wohnortes Luckenwalde gefunden zu haben. Quelle: Julian Stähle

Dass Enrico Große und viele andere Mitarbeiter seit mehreren Jahren bei Home 24 in Ludwigsfelde bleiben, spricht für die Qualität des Arbeitgebers. Denn in der Branche herrscht Fachkräftemangel. „Gerne möchten wir mehr Personal einstellenerade in der berlinnahen Region sind keine Leute mehr vorhanden für die Jobs im Lager“, sagt Frank Fritzsche. 20 Stellen sind auch bei Home 24 unbesetzt.

Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, beschäftigt der Möbelversandhändler seit mehreren Jahren Geflüchtete. „Natürlich gibt es Sprachbarrieren“, sagt Fritzsche, „und die Einarbeitungszeit dauert länger.“ Doch auf lange Sicht scheint sich der hohe administrative und zeitintensive Aufwand auszuzahlen. „Die Stimmung ist dauerhaft gut und wir haben jetzt neue Leute, die gewillt sind, kontant gute Arbeit zu leisten“, sagt Fritzsche.

Die vier Hallen sind insgesamt 35.000 Quadratmeter groß. Die Regale reichen bis zur zwölf Meter hohen Decke. Quelle: Julian Stähle

Mitarbeiter wie Enrico Große und die Flüchtlinge arbeiten in den vier Hallen Hand in Hand. Mehr als 160.000 Pakete stehen in den Regalen, die zwölf Meter hoch bis unter die Hallendecke reichen. „60 Lkw erreichen beziehungsweise verlassen den Warenein- und -ausgang jeden Tag“, sagt Home 24-Vorstandsmitglied Christoph Cordes.

Die Baustellen auf den Autobahnen im Land machen sich in dieser Abteilung besonders bemerkbar. „Wegen Unfällen und Staus kommen inzwischen viele Lkw zu spät bei uns an“, berichtet Frank Fritzsche. Das bringt den Zeitplan ins Wanken, denn bei dem Online-Versandhandel wird noch im Ein-Schicht-Betrieb gearbeitet.

„Wir hätten das Lager in Ludwigsfelde gern ausgebaut“

Dabei war die gute Verkehrsanbindung vor vier Jahren ein Hauptkriterium für Ludwigsfelde. „Der Standort bietet kurze Wege zu drei Anschlussstellen am Autobahnring, auf dem sich die Verkehrsströme zwischen Ost- und Westeuropa bewegen“, hieß es damals in einer Pressemitteilung. Auch die nahe gelegene Haltestelle der Regionalbahn in Ludwigsfelde-Birkengrund war ausschlaggebend. So kommen die Mitarbeiter bequem an den Arbeitsplatz.

„Wenn genug Platz wäre, hätten wir das Lager in Ludwigsfelde gern ausgebaut“, sagt Christoph Cordes. Doch die Flächen in direkter Nachbarschaft sind begehrt, meist vergeben oder kaum noch bezahlbar. Deswegen hat Home 24 sein zweites, doppelt so großes Logistiklager in Walsrode bei Hannover gebaut. Bald soll auch der dritte Standort in der Nähe von Halle/Saale eröffnen.

Fotos für bis zu fünf eigene Kataloge im Jahr entstehen im eigenen Fotostudio in Ludwigsfelde. Quelle: Julian Stähle

Was das Lager in Ludwigsfelde einzigartig macht, sind knapp 1000 Quadratmeter im Obergeschoss. Hier befindet sich das einzige Fotostudio von Home 24. Täglich kommen in Ludwigsfelde neue Produkte an. Das einstige Start-Up hat eine beachtliche Zahl an Eigenmarken aufgebaut und 5000 Artikel auf den Markt gebracht. Zehn Mitarbeiter sind in dem Fotostudio täglich damit beschäftigt, die neuen Produkte von allen Seiten abzulichten. Zurzeit wird an vier Sets gleichzeitig fotografiert. Fünfmal im Jahr entsteht so ein eigener Home 24-Katalog.

Auch Qualitätsprüfung und Retourenhalle in Brandenburg

Auch die Retourenhalle verbleibt bis heute im ersten eigenen Lager. Etwa jede zehnte Möbellieferung kommt zurück. Von Ludwigsfelde aus werden Sofas, Esstische und Regale zurück auf die größeren Standorte für sperrige Möbel sortiert. In einem anderen Bereich der vier Hallen findet zudem die Qualitätsprüfung der Produkte statt. Hier werden Verpackungen auf Stabilität, Aufbauanleitungen auf Praxisfähigkeit und Möbel auf Fall- und Stoßbelastbarkeit getestet.

Eine Frage bleibt: Warum der ganze Aufwand? Immerhin gibt es Dienstleister, die auf die verschiedenen Bereiche spezialisiert sind. Kostengründe stecken laut Home 24-Geschäftsführung nicht dahinter. „Die Wertschöpfungskette von der Fabrik bis Kunden selbst zu managen, stellt die Qualität der Produkte sicher“, sagt Vorstandsmitglied Christoph Cordes.

Von Victoria Barnack

Der Pannenflughafen BER könnte auch nach der voraussichtlichen Fertigstellung in 2022 Steuergelder in Millionenhöhe bekommen. Das entsprechende Darlehen ist allerdings an Bedingungen geknüpft.

30.06.2018

Steuerbeamte haben Büros der VW-Tochter Porsche in Stuttgart durchsucht. Der Verdacht: fehlerhafte Angaben in Steuererklärungen.

29.06.2018

Millionen Menschen sorgen mit Riester-Verträgen fürs Alter vor. Was aber, wenn der Anbieter sein ursprüngliches Zinsversprechen nicht einhält und plötzlich Minuszinsen einpreist? Laut einem aktuellen Gerichtsurteil ist das in Ordnung.

29.06.2018
Anzeige