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Wirtschaft Horrorbilder aus Brandenburger Mega-Stall
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17:56 31.05.2018
Diese Tiere sollen aus dem Legehennenstall in Roggosen stammen. Quelle: Animal Equality
Potsdam

Es sind Bilder, die einem den Appetit auf das Frühstücksei verderben können. In einem Megastall in Roggosen (Spree-Neiße) sollen Hennen unter qualvollen Bedingungen gehalten werden.

Die heimlich gedrehten Aufnahmen, die die Tierschutzorganisation Animal Equality zusammen mit Spiegel Online veröffentlicht hat, wurden bei der Firma Ehlego Landhof gemacht.

Sie zeigen von Kot verdreckte Tiere, Hühner, die fast kein Gefieder mehr haben, verwesende Kadaver mit Geschwüren an den Legeorganen. Wer die Aufnahmen gedreht hat, will die Organisation Animal Equality aus Gründen des Informantenschutzes nicht sagen.

Eier bei Aldi, Edeka und Rewe im Sortiment

Die Eier des Unternehmens werden laut der Tierschutzorganisation unter anderem in Filialen der Lebensmittel-Ketten Aldi, Edeka, Marktkauf und Rewe verkauft.

Die Firma Ehlego gehört zu den größten Eierproduzenten Deutschlands. Mehr als eine Million Tiere werden dort gehalten. Die Internetseite des Unternehmens ist derzeit nicht zu erreichen.

Die Tierrechtsorganisation hat in einem Südbrandenburger Legehennenbetrieb heimlich Videoaufnahmen gedreht. Die Bilder sind schockierend.

Der für die Veterinäraufsicht in diesem Fall zuständige Landkreis Spree-Neiße hat nach eigenen Angaben keine Tierrechtsverstöße in dem Betrieb festgestellt.

Das Veterinäramt des Kreises war nach eigenen Angaben am Mittwoch vor Ort und weder dabei noch bei den vorherigen Regelkontrollen seien die jetzt erhobenen Vorwürfe bestätigt worden.

Landkreis kann keine Probleme feststellen

„Auftretende Probleme in dieser Tierhaltung wurden und werden konstruktiv und fachlich fundiert mit den Verantwortlichen des Betriebes und des betreuenden Tierarztes beraten und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht“, heißt es weiter in einer Stellungnahme.

Die Anforderungen des Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung würden im genannten Betrieb eingehalten.

Eierproduzent weist Vorwürfe zurück – und stellt Strafanzeige

Es sei hygienisch alarmierend, dass Eier in direkten Kontakt mit Hühnerkadavern kämen, heißt es dagegen von Seiten der Tierschützer.

„Die extremen Haltungsbedingungen und permanente Enge führen zu immensem Stress bei den Tieren mit fatalen Konsequenzen“, sagte die Tierärztin und Tierschützerin Dörte Röhl.

Die Firma Ehlego bereitet nach eigenen Angaben gerade eine Strafanzeige gegen den Verein beziehungsweise die Täter vor.

Tierkadaver gezielt platziert?

Die Tierrechtler hätten gezielt nur einen Teil der Legehennen gefilmt, die an einer Infektion erkrankt und geschwächt waren, teilte des Unternehmen auf Anfrage mit.

Die Tiere seien von einem Tierarzt fachgerecht und betreut gewesen. Sämtliche Kontrollen hätten keine Hygienemängel ergeben.

Die Firma wirft den Tierrechtlern vor, Kadaver aus einem Sammelbehälter genommen und extra für die Aufnahmen im Stall platziert zu haben.

Tierrechtler: „Die Aufnahmen sprechen für sich“

„Die Aufnahmen sprechen für sich“, entgegnete Katharina Weiss, Sprecherin von Animal Equality. „Die Aufnahmen zeigen, was dort vorgefunden wurde.“ Das Argument, dass die gefilmten Tiere krank gewesen seien, werde von solchen Betrieben immer wieder als Verteidigung angeführt.

„Oft wird behauptet, es handele sich um eine sogenannte Lazaretteinheit“, erklärte Weiss. In der fraglichen Halle seien aber keine entsprechenden Hinweise gefunden worden, dass es sich um krankheitsbedingt isolierte Tiere handele.

Die positive Prüfbescheinigung des Veterinäramtes zeigt aus Sicht der Tierrechtsorganisation, dass die Kontrollen in großen Betrieben versagen. „Das haben unsere Veröffentlichungen immer wieder bestätigt“, so Weiss.

Eierproduzent wirbt mit „Tierwohl“

Die Eier der Firma werden unter dem Label „Tierwohl“ beworben, weil der Betrieb auf das schmerzhafte Kürzen von Schnäbeln bei Tieren verzichtet. Das ist seit 2017 bundesweit verboten.

Das Schnäbelkürzen soll verhindern, dass sich Hühner gegenseitig das Gefieder wegpicken und verletzen. Doch die eigentliche Ursache, sagt Tierschützerin Dörte Röhl, seien die katastrophalen Haltungsbedingungen.

Die Tiere seien dahin gehend gezüchtet, dass sie möglichst viele Eier legen. Das führe zu Entzündungen der Legeorgane und bis hin zum Tod, hieß es.

Freispruch trotz illegaler Aufnahmen

Die Tierrechtsorganisation Animal Equality hatte vor einigen Jahren bereits mit Videoaufnahmen aus einem Brandenburger Entenmastbetrieb für Aufsehen gesorgt. Die Bilder zeigten Mitarbeiter, die lebende Tiere mit Mistgabeln aufspießten.

Derartige Video-Aufnahmen entstehen illegal, weil sie in der Regel mit einem Hausfriedensbruch verbunden sind. Allerdings können die Aufdeckung von Tierleid und die Abwendung eines Notstands derlei Aktionen rechtfertigen.

Das hatte im Februar das Oberlandesgericht Naumburg in Sachsen-Anhalt festgestellt, als es einen Freispruch der Tierrechtsaktivisten der Organisation Animal Rights Watch bestätigte. Die Aktivisten hatten heimlich in einem Schweinemastbetrieb gedreht und schwere Verstöße dokumentiert.

Von Torsten Gellner

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