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ILO: Weltweit immer mehr ungesicherte Jobs

Arbeit ILO: Weltweit immer mehr ungesicherte Jobs

Befristete Jobs, Teilzeitarbeit, unsichere Einkommen: Trotz wirtschaftlichen Wachstums nimmt die Zahl sozial ungesicherter Beschäftigungsverhältnisse nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit weiter zu.

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Arbeiter auf einer Baustelle in Addis Abeba (Äthiopien). Drei Viertel der Arbeitnehmer weltweit haben nach ILO-Angaben keine ausreichend sozial abgesicherte Vollzeitstelle mit festem Vertrag und sicherem Gehalt.

Quelle: Michael Kappeler/Symbol

Genf/Wiesbaden. Drei Viertel aller Arbeitnehmer haben demnach keine ausreichend sozial abgesicherte Vollzeitstelle mit festem Vertrag und sicherem Gehalt.

Dazu zählten in Deutschland und anderen Ländern auch Minijobs und andere Formen geringfügiger Beschäftigung. Folgen des Trends zu instabilen oder prekären Beschäftigungsverhältnissen seien sinkende Einkommen und wachsende Armut, warnte die ILO in ihrem in Genf veröffentlichten Weltarbeitsmarktbericht.

Den Angaben zufolge haben rund 75 Prozent aller Erwerbstätigen nur zeitlich befristete oder informelle Jobs oder leisten unbezahlte Arbeit in kleinen Familienunternehmen. Mehr als 60 Prozent aller Arbeitnehmer hätten keinen Beschäftigungsvertrag, beklagt die UN-Sonderorganisation für soziale Gerechtigkeit und Arbeitsrecht.

Ohne staatliche Gegensteuerung werde sich ein "Teufelskreis aus schwacher globaler Nachfrage und langsamem Jobaufbau der Nach-Krisen-Zeit verstetigen", warnten ILO-Experten. Sie forderten die Politik auf, gegen zunehmende Einkommensunsicherheit vorzugehen.

In Deutschland waren laut ILO-Bericht 2014 rund 7,5 Millionen Menschen in Minijobs tätig. Fast jeder fünfte Erwerbstätige habe in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr lediglich einen 450-Euro-Job gehabt und sei nur teilweise sozialversichert gewesen.

Seit Einführung des Mindestlohns zum Jahresbeginn sind hierzulande mindestens 237 000 gewerbliche Minijobs verschwunden. Das geht aus dem Quartalsbericht der Minijobzentrale in Bochum hervor, über den am Dienstag zuerst die "Welt" berichtet hatte. Besonders betroffen seien die ostdeutschen Bundesländer. Ob dies mit dem Start des Mindestlohns ursächlich zusammenhänge, wollte eine Sprecherin nicht kommentieren.

Wirtschaftsforscher hatten vor einem Wegfall von Minijobs durch den Mindestlohn gewarnt. Im Gegenzug dürften aber auch einige sozialversicherungspflichtige Stellen entstehen. Aus dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hieß es am Dienstag, bisher habe der Mindestlohn nicht zu einem massiven Rückgang von Beschäftigung geführt. Eine Entwarnung wäre indes voreilig, "denn bei den Minijobs zeigen sich bereits erste Verwerfungen".

Mario Ohoven, Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, äußerte deutlichere Kritik an der Lohnuntergrenze: "Der Mindestlohn hat sich als Jobkiller erwiesen. Der Verlust von fast 240 000 Minijobs ist ein sozialpolitisches Fiasko für die Bundesregierung."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht derweil deutliche Hinweise darauf, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt wurden. So sei 2014 die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung saisonbereinigt im Einzelhandel um 1,3 Prozent und im Gastgewerbe sogar um 5,4 Prozent gestiegen. In diesen beiden Branchen sind Minijobs besonders weit verbreitet.

Die ILO-Zahlen bezeichnete DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach als Weckruf an die Regierungen in Europa: "Wir brauchen jetzt endlich gesetzliche Regelungen gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen." In vielen Staaten würden Menschen von Arbeitgebern in eine Pseudo-Selbstständigkeit gedrängt, oder sie seien in unbezahlter Familienarbeit beschäftigt, heißt es in dem ILO-Bericht. Besonders betroffen sind der Analyse zufolge die Entwicklungsländer.

ILO-Generaldirektor Guy Ryder räumte ein, dass selbst prekäre Beschäftigungsverhältnisse einigen Menschen zwar überhaupt erst einen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichten. Sie brächten aber auch große Unsicherheiten mit sich und seien "mindestens teilweise für wachsende Armut und Ungleichheit in vielen Ländern verantwortlich". Insgesamt nahm laut ILO die Zahl der Arbeitslosen seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 bis heute um 30 Millionen auf 201 Millionen zu.

In Deutschland sank die Zahl der Erwerbstätigen - wie im Winter üblich - im ersten Quartal 2015. Mit 42,4 Millionen lag sie aber um 0,7 Prozent über dem Wert aus dem ersten Vierteljahr des Vorjahres. Dies ergaben vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamts.

Den größten Anstieg an Jobs gab es bei Unternehmensdienstleistern (plus 2 Prozent), gefolgt von den öffentlichen Dienstleistern wie Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 115 000 Beschäftigten.

Im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa bekommen EU-Staaten wie Griechenland und Spanien insgesamt eine Milliarde Euro Soforthilfe. Das Geld solle es ermöglichen, schnell Programme zu starten, teilten die zuständigen EU-Minister in Brüssel mit.

dpa

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