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Wirtschaft Karstadt-Filialen auf der Kippe
Nachrichten Wirtschaft Karstadt-Filialen auf der Kippe
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14:54 16.08.2014
Das Potsdamer Karstadt ist im schicken Stadtpalais an der Brandenburger Straße zu finden. Quelle: Christel Köster
Düsseldorf

Der neue Eigentümer von Karstadt, die Signa-Holding des Österreichers René Benko, will die angeschlagene Warenhauskette offenbar sanieren. Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden. Das erklärte der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil.

Sanierung durch Schließung?

Bereits am Donnerstag kommender Woche will der Karstadt-Aufsichtsrat nach den bisherigen Planungen über ein Sanierungskonzept beraten. Mittelfristig könnten 15 bis 20 der 83 Warenhäuser geschlossen werden, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" am Freitagabend unter Berufung auf das Umfeld Benkos. Bevor dies geschehe, wolle der neue Eigentümer aber bei Karstadt Haus für Haus auf Rentabilität prüfen.

René Benko

René Benko wurde am 20. Mai 1977 als Sohn eines Beamten in Innsbruck geboren. Die Schule brach er im Alter von 17 Jahren ab. Stattdessen erlernte er den Ausbau von Dachgeschossen und fand dabei Geschmack am Immobiliengeschäft. Der 37-Jährige ist zum zweiten Mal verheiratet und hat drei Kinder.

Mit Anfang 20 gründete der Tiroler 1999/2000 seine Signa-Gruppe, Spezialist für Luxus-Immobilien in Spitzenlagen. Das Immobilienvermögen beträgt mehr als 6,5 Milliarden Euro. Der Self-made-Millionär ist bestens vernetzt in Politik und Wirtschaft.

Im September 2013 übernahm Signa von Nicolas Berggruen die Mehrheit an den Karstadt-Edelkaufhäusern wie dem KaDeWe in Berlin und den Karstadt-Sporthäusern.

Ein rechtskräftiges Urteil von zwölf Monaten Haft auf Bewährung bremste den Höhenflug Benkos im August 2013 erstmals. Eine Richterin in Wien sprach von einem „Musterfall der Korruption“.

Den "SZ"-Informationen zufolge will Benko Markenhändler als zusätzliche Mieter in die meisten Karstadt-Häuser holen und sie zu größeren Einkaufszentren umbauen. Signa hat nach Darstellung des bisherigen Eigentümers, der Berggruen Holdings, bislang bereits rund 200 Millionen Euro in Karstadt investiert und damit ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Unternehmens abgelegt. Das Bundeskartellamt muss der kompletten Übernahme jedoch noch zustimmen.
Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte schon vor einem Monat einen harten Sanierungskurs angekündigt: Alles müsse bei Karstadt auf den Prüfstand gestellt werden. Das Unternehmen mache sich "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von mehr als 20 Warenhäusern, hatte Fanderl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Deutscher Städtetag hofft auf Zukunftskonzept

Der Deutsche Städtetag hofft darauf, dass der neue Karstadt-Eigentümer ein kluges Zukunftskonzept für die angeschlagene Warenhauskette vorlegt. "Die Städte brauchen attraktive Zentren und haben ein großes Interesse daran, dass es dem Einzelhandel vor Ort gut geht", teilte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Stephan Articus, mit. "Denn Warenhäuser tragen zu lebendigen Innenstädten bei, ziehen Käufer an und nutzen auch dem Einzelhandel in ihrem Umfeld", so Articus weiter. Sie seien außerdem wichtige Arbeitgeber. In der Vergangenheit habe sich außerdem gezeigt: "Wo Warenhäuser schließen müssen, sinken oft auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe und kann ein Stück Lebensqualität der Bevölkerung verloren gehen."

Berggruen räumt Fehler ein

Signa bekommt die angeschlagene Karstadt-Kette für nur einen Euro. Auch Nicolas Berggruen hatte Karstadt im Jahr 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen und so aus der Insolvenz gerettet. In einem "Bild"-Interview räumte Berggruen Fehler im Management von Karstadt ein. Gleichzeitig wies er Vorwürfe zurück, sich am Unternehmen bereichert zu haben. "Fakt ist: Karstadt war für uns kein gutes Geschäft, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch mit Blick auf meinen Ruf in Deutschland", meinte er. Mit seinem Komplettausstieg wolle er den Weg für einen Neuanfang freimachen.

Nicolas Berggruen

Nicolas Berggruen, der Sohn des legendären Mäzens und Kunstsammlers Heinz Berggruen (1914 bis 2007) hatte sich nach einem Finanzstudium in New York früh als
privater Investor selbstständig gemacht. Er hält Anteile an Wasserkraftwerken in der Türkei, ist an der spanischen Zeitung El Pais beteiligt und baut Luxuswohnungen in Indien.
Als Architekten für seine Projekte beauftragt der am 10. August 1961 in Boulogne-Billancourt/Frankreich geborene Kunstliebhaber illustre Köpfe, darunter Norman Foster und David Chipperfield. Seine private Kunstsammlung umfasst Werke von Andy Warhol, Damien Hirst und Jeff Koons.
2010 galt der Investor, der zahlreiche Immobilien in Berlin und Potsdam hält, noch als Karstadt-Retter. Forbes schätzt Berggruens Vermögen auf knapp zwei Milliarden US-Dollar.

Verdi will Standort- und Beschäftigungsgarantien

Die Gewerkschaft Verdi hofft, dass der neue Karstadt-Eigentümer den "Tausenden Beschäftigten eine wirkliche Chance gibt". Benko müsse umgehend sein Zukunftskonzept für Karstadt präsentieren und zeigen, dass er gewillt sei, ausreichend in das Unternehmen zu investieren, verlangten die Arbeitnehmervertreter in einer Erklärung. Gleichzeitig bekräftigten sie ihre Forderungen nach Standort- und Beschäftigungsgarantien. Die Warenhaus-Kette hat derzeit noch 17.000 Beschäftigte.

René Benko hatte sich bereits im vergangenen Jahr die Mehrheit an den lukrativsten Unternehmensteilen - den Sporthäusern und den Premium-Filialen wie dem KaDeWe - gesichert. Im Zuge der Übernahme gibt Berggruen auch seine verbliebenen Minderheitsbeteiligungen an diesen Sparten ab, ebenso seine Beteiligungen an einzelnen Karstadt-Immobilien.

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