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09:00 31.10.2018
Klimakläger Heiner Lütke Schwienhorst auf dem Bio-Hof der Familie in Brandenburg. Quelle: Gorden Welters/Greenpeace
Potsdam

Bio-Landwirt Heiner Lütke Schwienhorst traf der Dürre-Sommer in Brandenburg hart. Auf seinem Gut Orgosen bei Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) erntete er in diesem Jahr nur die Hälfte des gewöhnlichen Heu- und Getreideertrages. „Der Klimawandel hat eine beängstigende Dimension. Da braucht es ungeheure finanzielle Anstrengungen, um sich vor den Folgen zu schützen“, sagt er. „Noch so ein Sommer würde an die Substanz gehen.“

Für ihn liegt ein Teil des Problems in der laxen Klimaschutzpolitik der Bundesregierung. Deswegen will er nun gemeinsam mit der Umweltorganisation Greenpeace und zwei weiteren Bio-Bauern aus Deutschland die Bundesregierung verklagen und dazu zwingen, die selbst gesteckten, nationalen Klimaschutzziele doch noch einzuhalten. „Dass die Bundesregierung die Klimaziele nicht einhält, darf es nicht geben“, sagt Heiner Lütke Schwienhorst.

Verdorrte Pflanzen, fehlendes Futter

Der Bio-Bauer hat 1991 seinen Milchbetrieb mit eigener Vermarktung und Käserei eröffnet. Seitdem hätten die Extremwetterausschläge deutlich zugenommen. „Wetterextreme beobachte ich schon länger. Doch an eine so extreme Dürre wie im Hitzesommer 2018 kann ich mich nicht erinnern“, sagt Lütke Schwienhorst. Er berichtet von verdorrten Neupflanzen und fehlendem Futter für seine 120 Milchkühe der Rasse „Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind“. „Wir müssten eine Jahresernte Heu vor uns herschieben, um ein Dürrejahr wie 2018 zu überstehen“, sagt Lütke Schwienhorst. Trotz Rücklagen musste er Futter für 15.000 Euro zukaufen.

Er hofft darauf, dass er das Geld für den Futterzukauf über eine Förderung des Landes zurückbekommt. Dennoch bereitet er sich auf die nächste Trockenheit vor und plant einen Brunnen zur Bewässerung mit Grundwasser. Die Kosten schätzt er auf 100.000 Euro. Auch noch mehr Land für die Futtererzeugung will er pachten. All diese Anstrengungen wären jedoch vergebens, wenn der CO2-Ausstoß in Deutschland nicht deutlich verringert wird, befürchtet der Landwirt.

Klage auf Klimaschutz

Deutschland hat sich 2007 im Klima- und Energiepaket der Europäischen Union dazu verpflichtet, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. „Die Regierung tut nichts gegen den Klimawandel und verfehlt ihr Versprechen“, sagt die Greenpeace-Klimaexpertin Anike Peters. Seit 2009 sei der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 nicht mehr gesunken. Das Umweltministerium geht davon aus, dass der CO2-Ausstoß bis 2020 maximal um 32 Prozent gesenkt werden kann. Einer in diesem Sommer vorgestellten Studie des Fraunhofer-Instituts dagegen könnte das Klimaziele doch noch erreicht werden, etwa wenn man Kohlemeiler früher vom Netz nimmt. „Wir wollen zeigen, dass der Klimawandel keine diffuse Angst ist, sondern auch Existenzen in Deutschland bedroht“, sagt Peters.

In der Klageschrift, die beim Berliner Verwaltungsgericht eingegangen ist, heißt es zu den Folgen für die unter der Dürre leidenden Landwirte: „Die Nutzungsmöglichkeiten ihres Eigentums werden durch den Klimawandel erheblich eingeschränkt.“ Wenn Klimaschutz nicht „effektiv“ betrieben werde, müssten die Kläger befürchten, ihre Höfe „langfristig nicht wirtschaftlich betreiben zu können“. Der Bundesregierung werfen sie mit Blick auf die Klimaschutzziele „fehlende Umsetzungsabsicht“ vor.

Wirtschaftliche Einbußen

Dabei steht Bauer Lütke Schwienhorst nach eigenen Aussagen sogar noch ganz gut da. Sein Vorteil: Sein Gut ist kaum auf Fremdkapital angewiesen, weil er sich selbst versorgt und auf Futterreserven zurückgreifen konnte. Andere Rinderzüchter in Brandenburg haben weniger Glück. Sie können weder von benachbarten Landwirten Futter kaufen, weil auch ihnen die Mittel ausgehen. Noch können sie sich die weiten Transportwege von entfernten Höfen leisten.

Selbst Großbetriebe wie die Agrar GmbH Trebbin (AGT) leiden unter der Dürre. Insgesamt hält der Betrieb rund 2000 Rinder. Das Unternehmen wird seine Bestände um bis zu 400 Tiere reduzieren müssen, so Jürgen Tripke, Geschäftsführer der AGT. „Die werden dann verkauft, vielleicht geschlachtet, alles was sein muss“, sagt er.

Verhandlung noch ausstehend

Richter Michael Dolle bestätigt den Eingang der Klage in der Berliner Kammer für Umweltrecht. Die gleiche Kammer urteilte jüngst zu den Berliner Diesel-Fahrverboten. Wann die Klage verhandelt wird, ist laut dolle noch unklar. „Die Bundesregierung muss erst einmal Stellung nehmen“, sagt er.

Beim beklagten Umweltministerium äußert man sich zurückhaltend. Die Klage liege dem Ministerium noch nicht vor, es sei aber das gute Recht von Greenpeace, vor Gericht zu ziehen, um so „öffentliche Aufmerksamkeit zu suchen und Druck zu machen“, hieß es Letztlich verfolge man die gleichen Ziele.

Die Klimaschutzanstrengungen Deutschlands hätten zwar Fortschritte gebracht, aber noch nicht zum Erreichen der vereinbarten Ziele geführt. „Deshalb konzentrieren wir uns politisch darauf, beim Klimaschutz wieder nach vorne zu kommen. Uns eint also dasselbe Ziel“, teilte das Ministerium mit.

Von Jan Russezki

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