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Lifting für das Berliner KaDeWe

Vier Kaufhäuser unter einem Dach Lifting für das Berliner KaDeWe

Es fehlt in keinem Reiseführer und ist für viele Berlin-Besucher ein Muss. Dennoch will sich das KaDeWe neu erfinden. Denn was normalen Warenhäusern zu schaffen macht, ärgert auch die Luxushäuser.

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Auf sieben Etagen Luxus: Das Kaufhaus des Westens.

Quelle: Hennessy/dpa

Berlin. Gucci und Prada hinterm Bauzaun: Am Berliner KaDeWe hat ein groß angelegter Umbau begonnen. Wer in einigen Jahren das Luxuskaufhaus besucht, wird es kaum wiedererkennen. Schon streifen Arbeiter mit Werkzeugkisten über Marmorböden, auf dem Gehweg stehen Gerüste, Trennscheiben kreischen.

Auch im Oberpollinger in München und im Hamburger Alsterhaus werden Millionen verbaut. Die über hundert Jahre alten Warenhäuser setzen zum Befreiungsschlag an: gegen die wachsende Konkurrenz von Einkaufszentren, Filialisten und Online-Handel – für die Edelhäuser sind es dieselben Gegner, die den normalen Warenhäusern seit Jahren das Wasser abgraben. Experten erwarten, dass vor allem in kleinen Städten Warenhäuser verschwinden.

Trotz des Umbaus wird verkauft

Abgesägte Stahlträger ragen aus der Fassade des KaDeWe. Darunter ziehen Stadtführer Handzettel aus Umhängetaschen. Sie locken die Touristen, für die ein Gang in das traditionsreiche Warenhaus zum Berlin-Programm gehört. Auf den Gängen der Luxusabteilung zwischen Rolex und Louis Vuitton schlendern Russen mit Sonnenbrillen und Araberinnen mit Vollschleier. Im KaDeWe bekommt man Füllhalter für 10 000 Euro, aber auch Staubsaugerbeutel.

Für viele Touristen gehört das KaDeWe zum Besuchs-Programm

Für viele Touristen gehört das KaDeWe zum Besuchs-Programm.

Quelle: dpa

Trotz des Umbaus wird weiter verkauft, auch dann noch, wenn der Komplex neu aufgeteilt wird. Vier Kaufhäuser unter einem Dach sollen in den nächsten Jahren entstehen, mit Dachgarten und Fahrstühlen an der Fassade.

Mittendrin

2000 Menschen arbeiten in dem Haus nahe Kurfürstendamm und Gedächtniskirche.


Zuerst gehörte es dem Kaufmann Adolf Jandorf, später Hertie, dann Karstadt. Heute besitzen die thailändische Central Group 50,1 Prozent und die österreichische Signa Retail 49,9 Prozent der KaDeWe Group. Das Haus selbst gehört Signa mit dem Eigentümer René Benko.

1907, als das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) öffnete, begann die Blütezeit der Warenhäuser in Deutschland – heute nennen Marktforscher sie „behäbige alte Damen“. Längst haben Markenartikler wie Boss und Gerry Weber eigene Geschäfte. Auf langen hellen Holztischen stehen im KaDeWe Notebooks von Apple. Doch ein paar Schritte weiter, im Apple Store am Ku’damm, sieht es genauso aus – nur viel größer, warum also noch ins Warenhaus? Es sei mehr als ein Ort des Einkaufens, heißt es bei der KaDeWe-Gruppe, die nach der Herauslösung aus dem Karstadt-Konzern inzwischen Eigentümer in Bangkok und Wien hat, die Central Group und die Signa Holding. „Unsere Department Stores sind große Erlebniswelten“, sagt Vorstandschef André Maeder. Doch je weiter Kunden in den Bauch des großen Warenhauses vordringen, desto mehr dominieren lange Reihen gleichförmiger Kleiderständer mit Blusen, Kleidern, Strickjacken – Bügelware, wie sie anderswo kaum anders präsentiert wird. „Die drei Häuser sind und werden die Attraktion der Zukunft sein, im Wettbewerb mit internationalen Stores und dem Onlineshopping“, verspricht Maeder. Weltbekannte Architekturbüros wurden für den Umbau engagiert.

Trotz Umbauarbeiten wird weiter verkauft

Trotz Umbauarbeiten wird weiter verkauft.

Quelle: dpa

Deutschlands Warenhäuser unter Druck

Die rund 160 Warenhäuser in Deutschland geraten unter Druck. Erst drangen Filialisten von H&M bis Douglas in die Einkaufsstraßen vor, dann die Einkaufszentren, die sich mit der grünen Wiese nicht mehr begnügen. In Berlin öffnete erst 2014 touristengerecht zwischen Potsdamer Platz und Bundesrat die „Mall of Berlin“ mit mehr Fläche als im KaDeWe und ähnlich vornehmer Optik. Zugleich haben die Verbraucher sich verändert, schreiben die Stadtplaner vom Dortmunder Beratungsbüro Stadt + Handel und des Immobiliendienstleisters Savills in einer Markstudie. Der Kunde werde wählerischer und kaufe entweder billig oder teurer – nicht die Mitte, wie sie die meisten Warenhäuser bieten. Galeria Kaufhof plant deshalb Edel-Outlets in den Innenstädten, steckt zugleich viel Geld in seine Warenhäuser.

Der Ausleseprozess dürfte nach der Studie aber weitergehen.  Erst vor einigen Wochen gab Kaufhof die Schließung seines Hauses am Berliner Ostbahnhof im nächsten Jahr bekannt. Es war einmal das größte Warenhaus der DDR.

Von Burkhard Fraune

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