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Wirtschaft Milchpreis stürzt ab – Bauern vor der Pleite
Nachrichten Wirtschaft Milchpreis stürzt ab – Bauern vor der Pleite
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21:33 17.05.2016
Molkereien bezahlen teils nicht einmal mehr 20 Cent pro Liter Milch. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Milchpreis fällt immer weiter. Molkereien zahlten den Bauern heute pro Liter Milch zwischen 17 Cent in Norddeutschland und 29 Cent in Bayern, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, am Dienstag. Der Durchschnitt liege bei 23 bis 24 Cent. „Wir zahlen gnadenlos drauf!“, sagte Schaber.

Damit sei der Preis erstmals unter die Marke von 20 Cent gefallen, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Am Dienstag stand das Thema auf der Agenda der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel. Wegen eines Überangebots sind aktuell die Milchpreise in ganz Europa im Keller. Um kostendeckend wirtschaften zu können, bräuchten die rund 75 000 Milchbauern in Deutschland einen Erzeugerpreis von etwa 40 Cent pro Liter.

Daniel Schacht, Geschäftsführer der Darez-Agrar-GmbH in Baruth (Teltow-Fläming), wäre schon mit 35 Cent zufrieden, um die Kosten einigermaßen decken zu können. „Aktuell bekomme ich für den Liter noch knapp 21 Cent bei der Molkerei“, sagt er. „Das ist so, als würde VW seine Autos für 5000 Euro auf den Markt werfen“, so Schacht. Erst vor vier Jahren hat sein Betrieb mehr als zweieinhalb Millionen Euro in eine moderne Melkmaschine investiert. Damals waren die Milchpreise auf einem Allzeithoch, die Investition sollte sich eigentlich nach 20 Jahren amortisieren. Davon kann nun keine Rede mehr sein. Schacht muss Gehälter zahlen, die laufenden Kredite abstottern: „Wir leben von der Hand in den Mund“, berichtet der 30-Jährige.

Die Bundesregierung will den Bauern mit einem mindestens zweistelligen Millionenbetrag helfen, über den Ende des Monats bei einem Milchgipfel gesprochen werden soll. Ob das hilft? Agrarminister Christian Schmidt (CSU) betonte erneut, dass die Überproduktion den Preis drücke und auch dort die Lösung liege: „Es gibt nur einen Weg, wir müssen die Produktion eindämmen“, sagte Schmidt der „Süddeutschen Zeitung“.

Eine Rückkehr zu einer Quotenregelung, um die Milchmenge zu verringern, lehnt Schmidt weiter ab, stellte aber zugleich Hilfen für die Bauern in Aussicht. „Wir werden den Bauern mit Steuererleichterungen und Liquiditätshilfen zur Seite stehen“, sagte er. Denkbar seien Bürgschaften für Kredite.

Der BDM-Vorsitzende Schaber sagte, Schmidts Plan, den Milchbauern Steuererleichterungen oder Kreditbürgschaften zu gewähren, „halten wir für völligen Quatsch. Das verpufft“, sagte er. Ursache des Problems sei die Überproduktion. Die Bundesregierung müsse die Bauern mit finanziellen Anreizen dazu bewegen, weniger Milch zu erzeugen. „Wir fordern 30 Cent für jeden nicht produzierten Liter“, sagte Schaber. Nur so sei das Mengenproblem zu lösen.

Die EU hatte im März unter anderem den Weg für freiwillige, zeitlich begrenzte Mengenreduzierungen in den EU-Staaten für Milchprodukte freigemacht. Produzenten können sich bei den Produktionsmengen absprechen, ohne kartellrechtlich in Probleme zu geraten. Die freiwillige Marktstabilisierung habe noch nicht gegriffen, sagte der österreichische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter bei dem Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel. „Die Mengen, die im Markt nicht verkraftbar sind, drücken auf den Preis, und hier müssen wir gegensteuern.“ Voraussichtlich im Sommer soll auf EU-Ebene darüber beraten werden, wie wirksam die getroffenen Maßnahmen und ob weitere nötig sind.

Anfang Mai hatte der Discount-Marktführer Aldi die Preise für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent heruntergesetzt – das hat Signalwirkung für den gesamten Handel. Das Unternehmen hatte wie auch andere Händler die weiteren Preissenkungen mit dem Überangebot auf dem weltweiten Milchmarkt begründet. Die Molkereien hätten deshalb die Milch billiger angeboten. Das werde dann auch an die Verbraucher weitergegeben. Der Handel sei nicht für das aktuelle Überangebot an Rohmilch verantwortlich.

Am Ende werde nur eine Verringerung der Milchmenge helfen, sagte Landwirtschaftsminister Schmidt. „Nur wenn weniger Milch auf den Markt kommt, steigt der Preis.“

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