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Wirtschaft Milchwerk will 2017 „schwarze Zahlen“ schreiben
Nachrichten Wirtschaft Milchwerk will 2017 „schwarze Zahlen“ schreiben
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00:18 24.07.2016
Der brandenburgische Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD, r) und der Geschäftsführer der ZukunftsAgentur Brandenburg, Steffen Kammradt, Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Die südbrandenburgische Stadt Elsterwerda erlebte mit ihrem Milchwerk ein ständiges Auf und Ab. Vor sieben Jahren schloss die niederländische Firma Campina überraschend ihre Produktionsstätte im Elbe-Elster-Kreis, in die das Land viele Fördermittel gesteckt hatte. Die Enttäuschung und Unsicherheit war groß. Es war sogar von „Subventionsabzocke“ die Rede. Die Politik geriet unter Druck und versuchte, den Standort mit den 300 Arbeitsplätzen zu erhalten.

Die Rettung kam in Gestalt der Odenwald Früchte GmbH aus dem hessischen Breuberg. Die übernahm 2011 das Werk und versprach die Übernahme von 150 Mitarbeitern. „Die Entscheidung damals war goldrichtig“, sagt Geschäftsführer der Firmentochter ODW Frischprodukte GmbH, Till Alvermann (47), der am Donnerstag in Potsdam von einer Erfolgsgeschichte sprach – auch dank der Wirtschaftsförderer von Brandenburgs Zukunftsagentur (ZAB), wie er betonte. Es habe damals die Chance gegeben, einen modernen Standort zu übernehmen und einen gut ausgebildeten Mitarbeiterstamm. 60 Millionen Euro insgesamt wurden in 14 Produktionslinien mit dem Schwerpunkt hochwertige Desserts sowie Joghurt- und Milchprodukte investiert. Das sei alles nicht einfach gewesen, erzählt Alvermann. „Wir haben damals einen leeren Standort übernommen.“ Noch schreibt das Unternehmen „rote Zahlen“, so der Geschäftsführer. „Da sind wir aber 2017 raus“, betonte er.

Die Zukunftsagentur hatte ihn eingeladen, weil sein milchverarbeitendes Unternehmen unfreiwillig zu einem „runden“ Jubiläum beitrug. Bei der ODW Frischprodukte GmbH, wie die Firma jetzt heißt, entstand nach den Rechnungen der ZAB der 50 000ste Arbeitsplatz, der mit Unterstützung der Wirtschaftsförderer in den 15 Jahren ihres Bestehens entstand.

Damals unterstützte die ZAB das Unternehmen mit einer gewerblichen Förderung. 27 Prozent der Neuinvestitionen kamen von der ZAB, wie Geschäftsführer Alvermann sagte. Die exakte Summe allerdings ist Geschäftsgeheimnis.

Neben den 150 Arbeitsplätzen wurden weitere 50 geschaffen. Das Werk hat heute 20 Auszubildende, darunter die 18-jährige Maria Schütze. Sie war auserkoren, genau diesen 50 000ste Arbeitsplatz zu besetzen. Die junge Frau hatte erst am Vortag ihre Azubi-Prüfung bestanden. Sie wurde vom Werk übernommen. Künftig wird sie am voll automatisierten Leitstand der Lebensmittelherstellung stehen. „Das war mein Traum“, sagte sie.

Geschäftsführer Alvermann hebt besonders die regionale Verantwortung seiner Firma hervor. Er setzt auf die Marke „Mark Brandenburg“ – unter anderem Joghurts in 12 verschiedenen Geschmacksrichttungen. Alle Artikel der Mark würden in Brandenburg produziert. Diese Betonung hat einen Grund. Der Voreigentümer flog damit auf, dass der Marke „Mark Brandenburg“ für die östlichen Bundesländer vertriebene Milch ausschließlich aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz stammte.

Diese negativen Schlagzeilen sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Heute sind die Produkte „Mark Brandenburg“ in den Kühlregalen der Supermärkte nicht mehr wegzudenken. Das gesamte Sortiment umfasst heute rund 25 Artikel. Besonders gut verkaufe sich der Joghurt, hieß es. Außerdem produziert das Werk Artikel für Handelspartner, unter anderem Lebensmittel für Babys. Diese werden in das gesamte Bundesgebiet verkauft, auch international.

Die Milch für die Firma kommt ausschließlich von Landwirten der Region. Die Entwicklung der Milchpreise macht auch der Firma Sorgen. „Das sind enge Partner in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld“, so Alvermann.

ZAB besteht seit 15 Jahren

2001 wurde die Brandenburger Zukunftsagentur (ZAB) gegründet. Sie entstand aus der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFB), der Technologie- und Innovationsagentur (T.IN.A) und der Brandenburger EnergiesparAgentur (BEA).


Insgesamt wurden 50 000 Arbeitsplätze seitdem in den von der ZAB betreuten Unternehmensprojekten geschaffen. Die Stellen stammen sowohl aus Neuansiedlungen als auch Erweiterungen bestehender Unternehmen in der verarbeitenden Industrie und bei angeschlossenen Dienstleistern.

Die ZAB wird sich zum 1. Januar 2017 wieder umbenennen und künftig Wirtschaftsförderung heißen. Der Name wird ergänzt mit „Standort.Unternehmen.Menschen“.

Von Igor Göldner

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