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Nachrichten Wirtschaft Mit diesem Sprinter will Daimler neue Kunden gewinnen
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23:13 09.03.2018
Großer Bahnhof für den neuen Sprinter von Mercedes, der in Ludwigsfelde in Serienproduktion geht. Quelle: Julian Stähle
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Ludwigsfelde

Die Frühschicht rückte geschlossen an. Vor einer großen schwarzen Bühne waren lange Stuhlreihen aufgebaut. Viele der rund 600 Mitarbeiter, die meisten im werkseigenen Blaumann, mussten dennoch stehen. Für diesen Moment stand sogar die Produktion von Mercedes Benz in Ludwigsfelde still.

Die Spitze der Daimler-Transportersparte war extra aus der Konzernzentrale in Stuttgart angereist. Es sollte ein Spektakel vor allem für die Mitarbeiter sein. Mercedes feierte sich an diesem Tag selbst und den Start der Produktion ihres neuen Lieferwagens.

250 Fahrzeuge laufen in Ludwigsfelde täglich vom Band

Der Sprinter ist das Flaggschiff der Transportersparte, die im Daimler-Konzern unter dem Namen Mercedes-Benz Vans firmiert. Der Leiter der Transportersparte im Konzern, Volker Mornhinweg, hob die Bedeutung der inzwischen seit 1995 dritten Generation des Sprinters für den Konzern hervor: „Was die S-Klasse bei den Pkw ist, ist der Sprinter für Mercedes Vans“, sagte er. Allerdings machte er bei dieser Gelegenheit auch keinen Hehl daraus, dass er sich eine höhere Produktion in Ludwigsfelde durchaus wünschen würde. Dort laufen inzwischen 250 Fahrzeuge pro Tag vom Band laufen. „Es dürfen gern auch ein paar mehr sein“, sagte Mornhinweg.

In Ludwigsfelde hat der Autobauer Mercedes am Donnerstag seinen neuen Transporter der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dem Spirnter hat Daimler große Pläne und will eine neue Kundenschicht erschließen.

Den Wagen gibt es ab 20.000 Euro

Im vergangenen Jahr wurden von dem Großraumtransporter global über rund 200.000 Fahrzeuge verkauft, ein neuer Absatzrekord. In das runderneuerte mit vielen digitalen Extras ausgestattete Modell wurden weltweit rund 2,5 Milliarden Euro in die Entwicklung, den Ausbau der Produktion und in den Vertrieb investiert. Optisch unterscheidet es sich vom Vorgängermodell nur minimal – vor allem die Scheinwerfer sind deutlich schmaler. Allerdings ist es technisch enorm aufgerüstet: Neue Assistenzsysteme, eine bessere Vernetzung und erstmals Vorderradantrieb. Der Einstiegspreis liegt laut Unternehmen bei knapp 20.000 Euro.

In Ludwigsfelde läuft die Produktion des alten und des neuen Sprinters noch bis Sommer parallel, hieß es. Gefertigt werden die „offenen“ Varianten Pritsche und Fahrgestell. Neu ist das sogenannten Triebkopf-Modell, das dem Kunden völlig freie Hand bei der Gestaltung des hinteren Fahrzeugbereichs bietet. Denn Antrieb, Tank und Aggregate befinden sich vor oder unter dem Fahrerhaus. Besonders für Reisemobile ist diese Varianten interessant. Damit will Daimler Wohnmobil-Herstellern Konkurrenz machen. Das Modell ist mit digitaler Smart-Home-Technik ausgestattet.

Ludwigsfelde ist für Mercedes ein wichtiger Standort

Das Unternehmen setzt mit dem neuen Modell auch auf den wachsenden Onlinehandel und den Boom bei Paket- und Zustelldiensten. Aber auch auf Handwerker und Spediteure, die allerdings auch Konkurrent Volkswagen mit dem ebenfalls digital vernetzten Crafter im Blick haben.

Für das Land Brandenburg ist das Werk in Ludwigsfelde einer der wichtigen wirtschaftlichen Leuchttürme. Zum Start der Serienproduktion gestern in der Produktionshalle meldete sich auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit einer Videobotschaft. Er erinnerte daran, dass auf den Tag vor 27 Jahren der erste Transporter im Werk vom Band gelaufen sei. Der Konzern habe dem Standort die Treue gehalten und eine Erfolgsgeschichte geschrieben, so Woidke, der auch erwähnte, dass Fördermittel in den Ausbau des Werks geflossen seien.

Neues Werk in den USA soll Kosten sparen

In Ludwigsfelde arbeiten rund 2000 Menschen an der Transporterfertigung. 150 Millionen Euro hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren in den Produktionsstandort investiert. 300 Millionen flossen in das Düsseldorfer Leitwerk. Derzeit baut Mercedes in den USA im Bundesstaat South Carolina ein weiteres Transporter-Werk für eine halbe Milliarde Dollar. Mit dem neuen US-Werk will Mercedes langfristig Kosten sparen. Allerdings sollen dafür in Düsseldorf 650 und damit etwa jeder zehnte Arbeitsplatz abgebaut werden.

Der Chef der Produktion von Mercedes Benz Vans, Frank Klein, nannte als Ziel, dass bis zum Jahr 2025 die Produktion der Transporter weltweit „voll digitalisiert“ werde. Vision sei „die vollständig vernetzte Fabrik der Zukunft“, sagte Klein.

Diesel-Debatte ist derzeit kein Thema

Für die intelligente und vernetzte Verarbeitung der Daten hat das Unternehmen mit Partnern eigens eine IT-Architektur entwickelt, die sich modular erweitern lassen soll, um künftig weltweit allen Werken des Konzerns den Austausch von Daten zu ermöglichen. Das Unternehmen lässt sich diese Ansprüche etwas kosten: Bis 2025 stehen dafür über 200 Millionen Euro zur Verfügung. 80 Millionen werden in Ludwigsfelde investiert.

Die Diesel-Debatte ist, zumindest beim Start der neuen Produktion, kein Thema. Die meisten verkauften Transporter seien Diesel, hieß es. Der Geschäftsführer des Ludwigsfelder Werks, Sebastian Streuff, wollte sich dazu nicht äußern. Es gebe klare technische Vorgaben, die eingehalten werden, meinte er. Streuff war es dann auch, der unter den Klängen von Andreas Bouranis „Auf uns“ den neuen Sprinter auf die Bühne fahren durfte. Die Mitarbeiter klatschten Beifall.

Von Igor Göldner

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