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Wirtschaft Müller wird neuer VW-Chef
Nachrichten Wirtschaft Müller wird neuer VW-Chef
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18:44 25.09.2015
Der 20-köpfige VW-Aufsichtsrat sucht einen Ausweg aus der weltweiten Abgas-Krise. Quelle: Rainer Jensen/dpa
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Wolfsburg/Stuttgart

Einmal mehr überschlagen sich in der Abgas-Krise von Volkswagen die schlechten Nachrichten für den Autobauer. Bundesverkehrsminister Dobrindt sorgt für die nächste Hiobsbotschaft: Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselwagen sind mindestens 2,8 Millionen Fahrzeuge in Deutschland betroffen. Laut Volkswagen sind weltweit rund elf Millionen Autos mit der Betrugssoftware ausgestattet.

Die Nachricht spricht sich auch unter den Aufsehern im Aufsichtsrat schnell herum, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Seit dem Vormittag sucht das 20-köpfige Gremium gut abgeschirmt von der Öffentlichkeit in einem Gebäude auf dem Werksgelände einen Ausweg aus der weltweiten Abgas-Krise suchen.

Nach Angaben von Dobrindt sind von den gefälschten Messungen zudem nicht nur Diesel-Pkw, sondern auch leichte Nutzfahrzeuge von VW betroffen. "Nach unserer aktuellen Kenntnis sind bei Volkswagen neben Pkw auch leichte Nutzfahrzeuge von der unzulässigen Beeinflussung der Emissionen der Diesel-Motoren betroffen", teilte er der dpa mit.

Am Mittwoch hatte der VW-Konzern eingeräumt, dass weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von den Manipulationen betroffen sind. Winterkorn hatte bei seinem Rücktritt erklären lassen, er habe von dem Massenbetrug keine Kenntnis gehabt. In den Motoren wird eine Software genutzt, die die gemessenen Abgaswerte im Testbetrieb nach unten korrigiert. Infolge des Skandals war in dieser Woche zwischenzeitlich der Kurs der VW-Aktie massiv eingebrochen. Weltweit drohen dem Konzern zudem juristische Nachspiele und Milliardenstrafen.

Nach seinem Rücktritt als VW-Konzernchef ist die Zukunft für Winterkorn als Vorsitzender der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE ungewiss. Im Aufsichtsrat scheinen die Meinungen darüber auseinanderzugehen: Zu Beginn der Sitzung hieß es Teilnehmerkreisen, der 68-Jährige solle dort unter keinen Umständen an der Spitze bleiben. Später erfuhr die dpa, dies könnte doch vorstellbar sein. Der Porsche SE gehört die Mehrheit von Volkswagen. Zuvor hatte "Spiegel Online" berichtet, dass Winterkorn hier im Amt bleiben wolle. Ein Sprecher wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Im Präsidium und Gesamt-Aufsichtsrat gibt es unterdessen insbesondere auf der Arbeitnehmerseite Vorbehalte gegen VW-Markenchef Herbert Diess, der ebenfalls für den Spitzenposten gehandelt wird. Auch Lkw-Chef Andreas Renschler würden kaum noch Chancen eingeräumt, hieß es aus gut unterrichteten Kreisen.

Müller war bereits im Frühjahr vom längst geschassten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch als Winterkorn-Nachfolger ins Gespräch gebracht worden. Für den dann vakanten Chefposten beim Sportwagenherstellen werden Produktionsvorstand Oliver Blume beste Karten eingeräumt.

Fachlich spreche für den erfahrenen Automanager Müller, dass er das Unternehmen sehr gut kenne und - anders als Diess - "den richtigen Stallgeruch des Konzerns" habe sowie auf einen großen Rückhalt im Management bauen könne, hieß es.

Neben der Winterkorn-Nachfolge stehen im Aufsichtsrat noch weitere wichtige Personalfragen auf der Tagesordnung. Es wird erwartet, dass sich das Gremium auch auf die Ablösung von VW-US-Chef Michael Horn einigt. Nachfolgefavorit soll Skoda-Chef Winfried Vahland sein.

Auch bei den VW-Töchtern wackeln wegen des Skandals die Manager. Der bei Porsche für Forschung zuständige Vorstand Wolfgang Hatz musste am Donnerstag seinen Hut nehmen. Gleiches dürfte nach dpa-Informationen am Freitag Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg widerfahren.

Nach Informationen der Fachzeitschrift "auto motor und sport" soll zudem Seat-Chef Jürgen Stackmann in den VW-Vorstand wechseln und dort neuer Konzern-Vertriebschef werden. Erster Kandidat für die Nachfolge an der Spitze der spanischen VW-Tochter ist demnach Luca de Meo, aktuell Vertriebschef bei Audi. Dagegen soll Audi-Chef Rupert Stadler seinen Posten vorerst behalten und nicht zu VW wechseln.

Der Abgas-Skandal hat inzwischen neben VW und Audi auch die Töchter Skoda und Seat erfasst. Zudem steht die Frage im Raum, ob andere Hersteller ebenfalls getrickst haben könnten. BMW, Daimler, Ford, Opel und Fiat betonten, sich an alle gültigen Vorgaben zu halten.

"Verbraucher, die sich im Vertrauen auf die Aussagen der Autohersteller sparsame und umweltverträgliche Autos zugelegt haben, fühlen sich zu Recht betrogen", sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) der dpa. Er forderte zum Schutz von Autokäufern die Einführung von Gruppenklagen in Deutschland. Auch das Bundesjustizministerium schloss nicht aus, dass deutschen Verbrauchern Schadenersatzansprüche haben könnten.

dpa

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