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Nachrichten Wirtschaft Nervenprobe für Air Berlin-Fluggäste
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00:21 15.09.2017
Passagiere warten an einem Serviceschalter von Air Berlin auf dem Flughafen Tegel in Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Renate Hofschneider kann nicht mehr. Seit vier Stunden steht die 73-Jährige aus Trebbin (Teltow-Fläming) in der Warteschlange vor dem Umbuchungsschalter von Air Berlin. Ein Ende ist nicht in Sicht. „Ich bin müde. Ich würde am liebsten nach Hause gehen. Die ganze Urlaubsvorfreude ist hin“, sagt die Rentnerin, die sich auf einen 14-tägigen Urlaub auf Sardinien gefreut hat. Sie dachte, sie hätte ausreichend vorgesorgt: „Ich habe extra eine Pauschalreise gebucht, weil es hieß, dass sie da die Flüge nicht einfach streichen können und jetzt das.“

Renate Hofschneider aus Trebbin (Teltow-Fläming) dachte, mit einer Pauschalreise sei sie vor Flugausfällen sicher. Quelle: Josefine Kühnel

Am Vormittag ist die Menge noch unter Kontrolle

Dienstagvormittag meldeten sich 200 der insgesamt 1500 Air-Berlin-Piloten krank. Dadurch kam es am Flughafen Berlin-Tegel zu 100 Flugausfällen. Die Schlange um Renate Hofschneider zieht sich einmal durch die komplette Halle bis in die Nachbarhalle und wieder zurück zum Eingang. Die Stimmung ist angespannt, aber die Menge noch unter Kontrolle. Die Wartenden blicken immer wieder zum Ticketschalter, um zu sehen, wie lange sie noch warten müssen.

Schwerbehinderter bekommt keine Hilfe

So auch Andreas Quandt aus Köln. Mit einer Stunde Wartezeit ist er theoretisch noch gut dabei, doch ihm macht ein ganz anderes Problem zu schaffen: „Ich bin sehbehindert, zu 100 Prozent schwerbehindert und keiner der Mitarbeiter hat mir geholfen“, sagt der 54-jährige Rentner verzweifelt. Er irrte lange Zeit umher, bis ihm ein anderer Passagier weiterhalf. Am meisten ärgert ihn, dass die Air-Berlin-Kunden nicht aufgeklärt werden. „Die hätten doch einfach ’ne E-Mail schicken können, dass der Flug ausfällt. Was ist denn überhaupt los hier? Es hieß, die Flüge gehen bis November auf jeden Fall“, sagt Quandt. Dass sich so viele Piloten krank meldeten und deshalb Flüge ausfallen, ließ Air Berlin seine Kunden vor Ort nicht wissen.

Die Passagiere sind genervt: Sie haben keine Ahnung, warum die Flüge ausfallen und auch nicht, ob sie am Dienstag noch an ihr Ziel kommen. Quelle: Josefine Kühnel

Kunden sind vom Chaos genervt

Von dem Chaos am Flughafen sind auch andere Kunden genervt. „Auf dem Flug von San Francisco hierher ging mein Gepäck verloren. Am Schalter stand heute Morgen nur eine einzige Mitarbeiterin und die war völlig überfordert. Keine Ahnung, was jetzt mit meinen Sachen ist“, ärgert sich Lukas Reichl aus Wien.

Anke Marx aus Halle musste ihren Geschäftstermin in Göteborg absagen. Aber sie nimmt´s gelassen: „Klar ist es doof, aber wenn ich mich aufrege, geht’s ja auch nicht schneller voran.“ Quelle: Josefine Kühnel

Geschäftliche und private Termine müssen abgesagt werden

Ausfallende private oder geschäftliche Termine sorgten für weiteren Unmut. Anke Marx aus Halle arbeitet bei einer schwedischen Firma und hätte 15.30 Uhr ein Meeting in Göteborg gehabt. „Die Schweden sind zum Glück relativ gelassen in der Hinsicht. Klar ist es doof, aber wenn ich mich aufrege, geht’s ja auch nicht schneller voran.“, sagt sie. Nicht so entspannt sind die 22-jährige Kira Schumann und die 25-jährige Nicole Fischer aus Köln. 19 Uhr sollen sie bei der Luftflotte vom Kölner Karneval auf einem Firmenjubiläum tanzen. „Wenn wir es nicht schaffen, lassen wir 35 Teamkollegen im Stich“, sagt Kira Schumann.

Kira Schumann, Nicole Fischer und Lukas Reichl (von links) sind aus San Francisco in Berlin gestrandet. Jedoch ohne ihre Koffer. Die Klärung der Gepäckfrage erwies sich als schwierig. Quelle: Josefine Kühnel

Am Nachmittag eskalierte die Situation

Am Nachmittag, erzählt sie, sei die Situation in Tegel eskaliert: Ungeduldige Passagiere hätten sich vorgedrängelt, die Warteschlange zerschlagen und andere Passagiere umgerannt. Air-Berlin-Mitarbeiter mussten einschreiten und die Menge absperren. „Die sind vollkommen überfordert hier. Jetzt passen wieder Leute auf, vorher war hier eine Zeit lang niemand“, sagt Kira Schumann. Nachdem das Ende der ersten Schlange abgesperrt wurde, um Platzstreitigkeiten zu verhindern, beruhigte sich die Situation wieder etwas. Ihren Auftritt können Kira Schumann und Nicole Fischer definitiv nicht mehr wahrnehmen. Nun hoffen sie, wenigstens im Verlauf des Tages noch nach Köln zu kommen.

Von Josefine Kühnel

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