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Nürnberger Rostbratwurst aus den USA?

TTIP Nürnberger Rostbratwurst aus den USA?

Nürnberger Rostbratwürste aus Amerika? Das wird es auch mit dem Freihandelsabkommen TTIP nicht geben, verspricht die EU-Kommission. Die Europäer würden ihre geschützten Herkunftsbezeichnungen aber gerne auch auf dem US-Markt durchsetzen.

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Thüringer Rostbratwurst.

Quelle: Peter Geisler

Potsdam. Mit ihrem Schinken sind die Europäer eigen: Schwarzwälder darf nur im Schwarzwald geräuchert werden, Parmaschinken kommt aus Parma und Tiroler Speck aus Tirol. Die Liste ließe sich auch mit Käse, Gebäck oder Bier fortsetzen: Regionale Spezialitäten haben in Europa eine Tradition, sie gehören zur Kultur. Und deshalb schützt die EU die Herkunftsbezeichnung vieler Produkte mit einem Siegel.

Nürnberger Rostbratwürste aus Nebraska

In den USA gibt es eine solche Kennzeichnung nicht. Eine Schlachterei in Nebraska kann also zum Beispiel Würstchen herstellen, die sie als Nürnberger Rostbratwürste verkauft. Einfach weil es gut klingt. Exportieren darf die Schlachterei ihre Bratwürste unter diesem Namen allerdings nicht in die EU. Denn Nürnberger Bratwürste tragen hierzulande das Siegel der geschützten geografischen Angabe (g. g. A.). Sie müssen also im Stadtgebiet Nürnbergs nach dem Originalrezept hergestellt werden.

EU will Herkunftsschutz auch in den USA

Auch mit TTIP werden die Amerikaner keine Nürnberger Rostbratwürste in die EU exportieren dürfen – so viel ist schon klar. Der Schutz bleibe in jedem Fall bestehen, versichert die EU-Kommission. Die europäische Lebensmittelwirtschaft bemüht sich aber, mit TTIP die geschützten Herkunftsbezeichnungen auch in den USA durchzusetzen. Denn dort wartet ein großer Markt.

Deutsche Spezialitäten in den USA immer beliebter

Besonders deutsche Spezialitäten würden in den USA immer beliebter, sagt Stefanie Lehmann von der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie. „Die Lebensmittelexporteure können dieses Wachstumspotenzial aber nur nutzen, wenn sie mit dem gleichen Schutz der regionalen Produktmerkmale rechnen können wie auf dem europäischen Markt.“

Dieses Ziel hat auch die Europäische Kommission: „Die USA erlauben es anderen Produkten, unsere Bezeichnungen zu verwenden und damit Konsumenten zu täuschen. Wir wollen substanzielle Verbesserungen des US-Systems, wie den Schutz einer vereinbarten Liste von Begriffen“, heißt es in einem Grundlagenpapier zu den TTIP-Verhandlungen.

USA wehrt sich gegen Herkunftsschutz

Die Amerikaner aber sträuben sich dagegen. Denn in den USA haben sich Produkte mit europäischem Namen etabliert – auch wenn sie gar nicht in Europa hergestellt werden. So gibt es zum Beispiel kalifornischen Champagner und Parmesan vom Lebensmittelmulti Kraft. Daran sind die Amerikaner gewöhnt, und sie wollen den Markt nicht der Konkurrenz aus Übersee überlassen.

„Ich garantiere, wir machen weiter Gouda in Wisconsin, genauso wie Feta und Cheddar und vieles mehr“, sagt etwa der republikanische Abgeordnete aus Wisconsin und ehemalige Vorsitzende des US-Haushaltsausschusses, Paul Ryan. Experten halten es für wahrscheinlich, dass man sich auf halber Strecke einigen wird. Schon im Freihandelsabkommen mit Kanada, CETA, das fertig aber noch nicht ratifiziert ist, hat man sich auf eine Liste mit geschützten Produkten geeinigt. Von 1450 eingetragenen Herkunftsbezeichnungen in Europa werden künftig 145 auch in Kanada geschützt. Das sind genau 10 Prozent.

Liste mit geschützten Herkunftsbezeichnungen

Auch für TTIP hat die Europäische Kommission schon eine solche Liste erstellt, seit Ende März dieses Jahres ist sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Liste ist die Verhandlungsgrundlage für die Gespräche mit den Amerikanern. Fast 200 geschützte Herkunftsbezeichnungen werden darin aufgeführt – darunter 20 deutsche Spezialitäten wie Lübecker Marzipan, Spreewälder Gurken und Aachener Printen.

Auch Schwarzwälder Schinken und Nürnberger Rostbratwürste sind aufgelistet – dafür sucht man etwa den Dresdner Christstollen und den Holsteiner Tilsiter und auch die Thüringer Rostbratwürste vergeblich. Die EU-Kommission besteht darauf, dass die Liste nachträglich erweiterbar ist.

Die Amerikaner werden aber sicher ebenfalls hart verhandeln und auf Ausnahmen bestehen. So ist im Abkommen mit Kanada zum Beispiel festgehalten, dass die Bezeichnung Schwarzwälder Schinken zwar geschützt ist. Auf Englisch dürfen die Kanadier ihren Schinken aber weiter „Black Forest Ham“ nennen.

Von Anne Grüneberg

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