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Obstbauern müssen sich durchbeißen

Immer weniger Baum-Obst in Brandenburg Obstbauern müssen sich durchbeißen

In Brandenburg gibt es immer weniger Bauern, die Baum-Obst anbauen. Die Anbaufläche ist auf zehn Prozent von dem zurückgegangen, was einst nach der Wende bewirtschaftet wurde. Heute heißt es: Flächenertrag steigern. Neuanpflanzungen und moderne Technik sind dazu nötig – doch vielen Betrieben fehlt dazu das Kapital.

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Die Apfelernte ist so gut wie abgeschlossen.

Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Rund und rot liegen Äpfel der Sorte „Jonagold“ zu Füßen der langen Baumreihen vor den Toren Frankfurts. Erntehelfer sammeln die letzten Früchte dieses Jahres auf, die sich allerdings nur noch zum Vermosten eignen. Die eigentliche Apfelernte auf den Obstplantagen im Frankfurter Ortsteil Markendorf ist schon abgeschlossen.

Diese Äpfel, die  Erntehelferin Magdalena Buraczewska sammelt, eignen sich nur noch zum Vermosten

Diese Äpfel, die Erntehelferin Magdalena Buraczewska sammelt, eignen sich nur noch zum Vermosten.

Quelle: dpa-Zentralbild

Als „mittelmäßig“ bezeichnet Obstbauer Thomas Bröcker den diesjährigen Ertrag. „Wir haben pro Hektar rund 30 Tonnen geerntet, das sind etwa 80 Prozent der Vorjahresmenge“, sagt der 57-Jährige, der im Namen aller 13 Frankfurter Obstbauern spricht, die sich für die Vermarktung zur Genossenschaft Markendorfer Obst zusammengeschlossen haben. Wenige Jahre zuvor waren es noch 18 Obstbauern, die rund um Frankfurt Äpfel, Birnen, Kirschen, Erd- und Heidelbeeren anbauten. „Viele von uns haben keinen Betriebs-Nachfolger, also werden die Anbauflächen zusammengelegt“, erläutert Bröcker. Er schätzt, dass es in zehn Jahren nur noch fünf Markendorfer Obstbaubetriebe mit der gleichen Anbaufläche von 425 Hektar geben wird.

Immer weniger Baum-Obst-Anbau in Brandenburg

Insgesamt werde im Land Brandenburg immer weniger sogenanntes Baum-Obst angebaut, sagt Bröcker, der im Vorstand des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg die Fachgruppe Obstbau leitet. Bewirtschaftet werden nach seinen Worten noch 1400 Hektar mit Kern- und Steinobst – vor allem an den klassischen Standorten rund um Frankfurt, im Havelland sowie in Wesendahl (Märkisch-Oderland). Allerdings seien das nur noch zehn Prozent der einstigen Anbaufläche kurz nach der Wende, macht der Obstbauer deutlich. „Dagegen steigen die Anbauflächen bei Erdbeeren, Heidelbeeren und Spargel“, sagt er. Auf weniger Fläche werde allerdings genauso viel Baum-Obst produziert wie damals, berichtet der 57-Jährige. „Unsere einzige Chance ist die Steigerung der Flächenerträge. Um wirtschaftlich zu arbeiten, müssten beispielsweise bei Äpfeln mindestens 40 Tonnen pro Hektar geerntet werden.“

Erntehelfer auf der Apfelbaum-Plantage

Erntehelfer auf der Apfelbaum-Plantage.

Quelle: dpa-Zentralbild

Rentable Produktion nur mit neuer Technik

Die BB Brandenburger Obst GmbH schafft das auf ihren 300 Hektar Anbaufläche in Wesendahl. Das Unternehmen hat allerdings auch kräftig investiert – in Neupflanzungen ertragreicherer Sorten, mechanische Baumschnittmaschinen, automatische Erntetechnik, wie Geschäftsführer Paolo Dallago sagt. „Der Obstbau in Brandenburg ist in der Lage, rentabel zu produzieren, allerdings nur, wenn er den technologischen Sprung macht. Das heißt: Anbauverfahren umstellen, ertragreichere Sorten wählen und die Personalkosten bei der Ernte reduzieren“, bestätigt Hilmar Schwärzel, Leiter der Obstbauversuchsstation im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (Märkisch-Oderland). Ein Erntehelfer schaffe pro Tag 800 bis 1000 Kilogramm, mit selbstfahrenden Erntebühnen seien hingegen bis zu zwei Tonnen drin. Zudem gehöre die Mark zu den Gewinnern des Klimawandels, sodass inzwischen auch Aprikosen und Tafeltrauben hier gedeihen, wohingegen der Süßkirschenanbau aufgrund des Preisverfalls nicht mehr rentabel sei, sagt Schwärzel.

Es darf nicht am nötigen Kleingeld mangeln

Die notwendige Umstrukturierung setze allerdings Kapital voraus. „Wir Markendorfer haben nach mehreren schlechten Jahren keinerlei finanzielle Rücklagen mehr“, sagt Bröcker. 2011 seien 80 Prozent der Blüten erfroren, ein Jahr später sei die Ernte verhagelt und Feuerbrand habe sich rasend schnell auf den Plantagen ausgebreitet. Und seit dem vergangenen Jahr leiden die Obstbauern unter einem gravierenden Preisverfall. „Jedem unserer Betriebe fehlen deshalb im Durchschnitt 300 000 Euro Erlöse“, erzählt der Frankfurter Obstbauer.

Inzwischen sind fast alle Äpfel geerntet

Inzwischen sind fast alle Äpfel geerntet.

Quelle: dpa-Zentralbild

Der Mindestlohn führe nun dazu, dass besonders arbeitsintensive Kulturen wie die Sauerkirsche ganz verschwänden. Zudem müssten Apfelplantagen gerodet werden, wo Sorten standen, die für den russischen Markt gedacht waren. „Aufgrund des Embargos werden wir die ja nicht mehr los“, bedauert der Obstbauer.

Unter dem Strich seien die Bedingungen für den Obstbau in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ungünstig – da sind sich die Markendorfer und Wesendahler einig. „Der Mindestlohn ist woanders niedriger, Pflanzenschutzrichtlinien sind lockerer“, skizziert Bröcker. Die Allgefahrenversicherung gegen Hagel, Frost und Sturmschäden werde in anderen Staaten gefördert, in Deutschland aber nicht. Wegen dieser Nachteile erwarteten die Obstbauern mehr Unterstützung vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium, sagt Dallago. „Uns steht ein großer Strukturwandel bevor, bei dem kleinbäuerliche Familienbetriebe das Nachsehen haben werden“, glaubt Bröcker.

Von Jeanette Bederke

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