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Wirtschaft Ölmultis leiden weiter: Shell, BP, Exxon und Co. unter Druck
Nachrichten Wirtschaft Ölmultis leiden weiter: Shell, BP, Exxon und Co. unter Druck
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15:52 31.07.2015
Ungewohnte Situation: Der Ölriese Exxon Mobil leidet wie die anderen Ölmultis unter dem Preisverfall. Foto: Larry W. Smith/Archiv
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Washington

Massiver Stellenabbau und tiefe Einschnitte bei den Investitionen sind die Folge. Die Hoffnung auf einen Preisanstieg ist zuletzt wieder geschwunden, das zwingt die Multis, sich auf eine Ära des billigen Öls einzustellen. Was den Konzernen das Leben schwer macht, ist für Verbraucher allerdings eine gute Nachricht.

"Die Ölmultis bleiben weiterhin in Bedrängnis", sagt Fondsmanager und Branchenexperte Roberto Cominotto vom Vermögensverwalter GAM. Das hätten die Geschäftszahlen für das vergangene Quartal deutlich gezeigt. Nahezu alle Unternehmen, deren Erträge von der Entwicklung des Ölpreises abhängen - neben den großen Förderern auch Servicedienstleister wie Schlumberger, Baker Hughes, Halliburton oder ConocoPhillips - mussten deutlich gesunkene Einnahmen hinnehmen.

Und die Konzerne reagieren. So will der Energieriese Royal Dutch Shell im laufenden Jahr 6500 Arbeitsplätze abbauen, die Investitionen um sieben Milliarden Dollar verringern, und Unternehmenswerte in Milliardenhöhe verkaufen. Im zweiten Quartal war der Gewinn um über ein Drittel eingebrochen. "Es ist ein schwieriges Umfeld für die Industrie", sagte Shell-Chef Ben van Beurden. Der Konzern stelle sich nun auf eine noch längere Phase niedriger Ölpreise ein.

Beim US-Branchenprimus ExxonMobil sieht es ähnlich aus: Von April bis Juni stürzte der Überschuss um rund die Hälfte auf 4,2 Milliarden Dollar (3,8 Mrd Euro) ab, wie der gemessen am Börsenwert weltgrößte Ölkonzern am Freitag mitteilte. Es war das schwächste Ergebnis seit sechs Jahren. Der Umsatz sank um etwa ein Drittel auf 74,1 Milliarden Dollar. Fast zeitgleich meldete auch der US-Rivale Chevron heftige Einbrüche bei Gewinn und Umsatz. In den letzten zwölf Monaten hat sich Rohöl um etwa die Hälfte verbilligt - und ein rascher Anstieg ist nicht in Sicht.

Der Preis je Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Referenzsorte WTI hatte in der ersten Jahreshälfte zwar leichte Erholungstendenzen gezeigt, zuletzt fiel er jedoch wieder unter die kritische Marke von 50 Dollar. In den USA gilt die Faustregel, dass die Produktionskosten der Branche im Schnitt bei etwa 60 Dollar liegen. Das bedeutet, dass beim derzeitigen Preisniveau große Teile der Industrie nicht profitabel wirtschaften können. Das betrifft allerdings weniger die großen Multis, die trotz Gewinneinbrüchen noch immer Milliarden verdienen.

Experte Cominotto würde momentan trotzdem nicht in die großen Ölkonzerne investieren und sieht die Branche im Dilemma: "Die Förderausgaben müssten eigentlich drastisch gekürzt werden - dies wiederum würde aber zu einem deutlichen Rückgang der Produktionsvolumen und damit zu Umsatz- und Ertragseinbußen führen." Im Gegensatz zu den vielen kleinen Firmen, die sich in der Schieferöl-Industrie tummeln, jammern die Multis allerdings noch auf relativ hohem Niveau.

Viele Unternehmen der über Jahre boomenden Fracking-Industrie in den USA könnten den Ölpreisabsturz hingegen mit dem eigenen Kollaps bezahlen. Die von Analysten erwartete Pleitewelle in der stark verschuldeten und häufig über hochverzinste Anleihen finanzierten Branche blieb zwar bislang noch aus. Aber das könnte sich schnell ändern. Die Uhr tickt - Absicherungsgeschäfte gegen sinkende Ölpreise laufen aus, Anleihen werden fällig, neue Schulden teurer.

Während das billige Öl die Fördererer zunehmend in Schwierigkeiten bringt, ist es für die breite Bevölkerung und viele andere Unternehmen ein Segen. Je günstiger der Rohstoff, desto geringer sind die Produktionskosten in der Industrie. Verbraucher haben mehr Geld übrig, weil sie weniger für Benzin und Heizen ausgeben. Das hat sich in den vergangenen Monaten schon positiv ausgewirkt. Ein anhaltender Ölpreisrückgang kann deshalb wie ein andauerndes Konjunkturpaket wirken.

dpa

Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0967 (Donnerstag: 1,0955) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9118 (0,9128) Euro.

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