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11:12 24.03.2018
Christin R. (31) füttert ihre Tochter Marie (6). Im August soll sie eingeschult werden. Wo, weiß die Familie, im Unterschied zu den meisten anderen Familien, noch nicht. Quelle: :Annika Jensen
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Panketal

Im August geht es für viele Kinder das erste Mal in die Schule. Die meisten Eltern mit Einschulungskindern haben längst ihre Schulen gefunden. Christin R. und ihr Mann Christopher aus Panketal nicht. Ihre Tochter Marie* ist sechs Jahre alt und ganz wild darauf, endlich lesen und schreiben zu lernen. Seit ihrer Geburt hat sie einen Gehirnschaden, der ihre Motorik stark einschränkt. Sie kann nicht laufen oder ohne Hilfe sitzen. Ihre Mutter muss sie füttern. Geistig ist das Mädchen allerdings ganz normal entwickelt. „Ich dachte ja schon Kita ist schwer, aber einen Schulplatz zu bekommen, setzt dem ganzen noch die Krone auf“, sagt die 31-jährige Mutter. Das Leben mit einem behinderten Kind mit allen Freuden und Schwierigkeiten hat Christin R. öffentlich gemacht: In ihrem Blog „Vorstadtzauber“ berichtet sie von ihrem Alltag – und macht so auf das Thema Inklusion aufmerksam. Ihre Tochter nennt sie stets „Elfe“.

In zu großen Klassen droht Marie unterzugehen

Die Wunschschule der Familie ist die Marianne-Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte. Sie ist fünf Kilometer entfernt. Leider liegt sie nicht im Einzugsbereich, sogar hinter der Landesgrenze in Berlin. „Wir haben einen Aufnahmeantrag gestellt. Nun warten wir die Beurteilung des Förderausschusses ab“, sagt Christin R. Wenn der Ausschuss und die Schule ablehnen, muss Marie eine der beiden Regelgrundschulen in Panketal besuchen. Das wäre keine gute Lösung, findet Christin. „Die Klassen sind sehr groß. Wie soll da der Lehrer noch Zeit für sie haben? Das ist nicht zu leisten.“

Gemeinsames Lernen in der Schule

Zum Schuljahr 2017/18 sind 129 „Schulen für gemeinsames Lernen“ an den Start gegangen. Grund-, Ober- und Gesamtschulen konnten sich für eine Teilnahme an dem Projekt bewerben.

Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf soll dadurch das gemeinsame Lernen ermöglicht werden. Das Land will so die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen.

Auch Manfred Reinicke, der Leiter der Grund- und Oberschule Schwanebeck, eine der beiden Regelgrundschulen in Panketal, weiß, dass es eine Herausforderung wäre, Marie aufzunehmen. „Unsere Klassen sind sehr groß. Für Kinder wie Marie müssten auf jeden Fall kleine Klassen her“, sagt er. Zudem stecke die Schule in umfangreichen Baumaßnahmen und könne keine Barrierefreiheit bieten. Auch die andere Schule, die Grundschule Zepernick, ist nur eingeschränkt barrierefrei. Gespräche mit den Schulleitern fanden noch keine statt. „Es kamen Pädagogen aus diesen Schulen in die Kita und haben Marie begutachtet“, erzählt Christin R. „Und beide haben mir signalisiert, dass sie Maries Förderschwerpunkt, die Motorik, nicht bieten und sie nicht aufnehmen können.“

Inklusion kann nur als langfristiger Prozess funktionieren

Die Erfahrungen, die die Familie in den vergangenen Monaten machen musste, führten Christin R. vor allem eines vor Augen: Die Inklusion in den Schulen, wie sie sich die Landesregierung vorstellt, funktioniert so nicht. „Es passiert alles viel zu hauruck-artig“, kritisiert sie. „Keiner macht sich offenbar darum Gedanken, dass es so plötzlich nicht genug Personal gibt, um zum einen große Klassen und zum anderen Kinder mit Behinderung in diesen Klassen zu unterrichten.“ Für Christin R. kann die Inklusion nur in einem langfristigen Prozess funktionieren. Dass nach und nach immer mehr Förderschulen geschlossen werden, hält sie für unverantwortlich.

Christin R. mit ihren Kindern Ben und Marie. Quelle: Annika Jensen

Das „gemeinsame Lernen“ nimmt in Brandenburg langsamer als in anderen Bundesländern Fahrt auf. So fühlen sich auch viele Lehrer alleingelassen. Zum Fall von Christin R. konnte sich das Bildungsministerium nicht äußern. Sprecher Ralph Kotsch: „Grundsätzlich können die Eltern immer wählen zwischen einer ’Schule für gemeinsames Lernen’ und einer normalen Schule.“ Die Förderschulen sollen nicht komplett abgeschafft werden. „Auch künftig besteht für Eltern die Wahlmöglichkeit, ihr Kind an einer Förderschule einschulen zu lassen.“

Familie wünscht sich zentrale Beratungsstelle

Christin R. und ihr Mann fühlen sich nicht nur bei der Suche nach einer Schule allein gelassen. Was fehle, sei eine zentrale Beratungsstelle für Eltern von Kindern mit Behinderung, findet Christin. Sie wisse von Vereinen, die Eltern bei jeglichen Problemen unterstützen. „Der Bedarf ist aber einfach zu groß. Das können Ehrenamtler alleine doch gar nicht stemmen.“ Sie wünscht sich, dass der Staat viel aktiver wird. „Es braucht eine Anlaufstelle, die dir sagt: Das steht euch zu, das könnt ihr beantragen, so könnt ihr Widerspruch bei einem abgelehnten Hilfsmittelantrag formulieren.“ Dass es solch zentrale Beratungsstellen nicht gibt, ist für Christin ein Zeichen, dass der Staat Menschen mit Behinderung noch immer nicht wirklich als Teil der Gesellschaft versteht.

Von Annika Jensen

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