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Wirtschaft Rezessionsgefahr: Die Konjunktur steht auf der Kippe
Nachrichten Wirtschaft Rezessionsgefahr: Die Konjunktur steht auf der Kippe
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18:14 11.03.2019
Export stagniert, Produktion geht zurück – doch der Konsum läuft. Quelle: Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Frankfurt

Nahezu täglich werden derzeit Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr zurückgestutzt. Wir erklären die Gründe für die Schwarzmalerei und wie groß die Gefahr eines Absturzes wirklich ist.

Steht eine Rezession mit schrumpfender Wirtschaft und Jobabbau bevor?

So weit sind wir noch längst nicht. In den vergangenen Wochen war aber nach fast zehn Jahren stetigen Wachstums ein Schwinden der Dynamik in Deutschland und vielen anderen Ländern zu erkennen: Der Konjunkturmotor hat bildlich gesprochen die Drehzahl verringert. Die Experten gehen durch die Bank davon aus, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts vom vergangenen Jahr (1,5 Prozent) 2019 nicht mehr erreicht werden kann.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie teilte am Montag mit, dass er noch mit einem Plus von 1,2 Prozent rechne – bisher waren es just jene 1,5 Prozent vom Vorjahr. Der Industrieländer-Club OECD erwartet sogar nur 0,7 Prozent und die Bundesregierung ein Prozent. Das gewerkschaftsnahe Institut IMK sagt immerhin mehr als ein Prozent voraus.

Wie sehen die aktuellen Daten aus?

Das Statistische Bundesamt hat am Montag Zahlen vorgelegt, die die These von der Konjunkturabkühlung stützen. So stagnierten im Januar die Exporte im Vergleich zum Dezember. Der Wert der ausgeführten Waren (knapp 109 Milliarden Euro) bedeutet zugleich zwar eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat, aber nur um 1,7 Prozent. Der Groß- und Außenhandelsverband BGA sprach von einem „schwachen Exportwachstum“.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die Produktion der Industrie im ersten Monat des Jahres im Vergleich zum Dezember 2018 um 0,8 Prozent zurückging und bei den Firmen deutlich weniger Aufträge eingingen, insbesondere aus Ländern jenseits der Euro-Zone und in hohem Maß bei Investitionsgütern.

Was sind die Ursachen der sich anbahnenden Misere?

Die Zahlen lassen sich als Bestätigung der derzeit unter Volkswirten herrschenden Meinung lesen, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China nicht nur dort die Wirtschaft bremst, sondern auch in Europa. Schließlich sei die deutsche Außenwirtschaft „symbiotisch“, so der BGA, mit China verknüpft. Hinzu kommt die Drohung der USA, die Importe europäischer Autos mit Strafzöllen zu belegen.

Ein weiterer Faktor ist der nahende Brexit, für den es noch immer keinen Fahrplan gibt. Genannt werden auch immer wieder die Probleme der Autobranche bei der Umstellung auf die neuen WLTP-Abgastests. Das hat den Absatz neuer Pkw seit September 2018 teils massiv gebremst. Doch im Februar stieg die Zahl der Neuzulassungen wieder.

Gibt es noch andere positive Entwicklungen?

Gegenwärtig ist deutlich zu erkennen, dass das hohe Niveau der Konsumausgaben hierzulande als Stabilisator wirkt. Davon profitieren auch Firmen, die nach Deutschland importieren. Die Einfuhren kletterten im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5 Prozent.

Zugleich stieg auch die heimische Produktion von Konsumgütern um 1,5 Prozent. Maßgeblich verantwortlich dafür sind die relativ hohen Tarifabschlüsse der vergangenen Monate. Durchweg wurden Lohn- und Gehaltssteigerungen durchgesetzt, die über der Inflation lagen, die also die Kaufkraft der Verbraucher weiter steigern.

Wie kann die Lage nun weiter stabilisiert werden?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat schon vorige Woche mit einem neuen Sonderprogramm reagiert, damit Banken den Unternehmen mehr Kredite für Investitionen geben. Die chinesische Regierung hat ein gigantisches Konjunkturprogramm mit einem Volumen von mehreren Hundert Milliarden Euro auf den Weg gebracht.

Auch die EU-Finanzminister diskutieren an diesem Dienstag über die Strategie für die nächsten Monate. Medienberichten zufolge pocht Finanzminister Olaf Scholz (SPD) darauf, dass die Staaten der Euro-Zone ihre Schulden weiter abbauen und Strukturreformen auf den Weg bringen, die Staatsausgaben reduzieren sowie Impulse für Unternehmen und den Arbeitsmarkt bringen. Damit soll die Währungsunion wetterfest gemacht werden, um bei einem Abschwung Handlungsspielräume zu haben.

Welche EU-Staaten sind damit gemeint?

Zuallererst Frankreich und Italien. In beiden Ländern liegt die Staatsverschuldung deutlich über den Obergrenzen, auf die sich die Euro-Staaten geeinigt haben. Und in beiden Ländern soll in diesem Jahr eine spürbare Neuverschuldung hinzukommen. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass für die geforderten Strukturreformen extrem dicke Bretter gebohrt werden müssen. Selbst wenn die Regierungen dies beherzt angingen, würde es Jahre dauern, bis sich spürbare Effekte zeigen.

Von Frank-Thomas Wenzel

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